Nach Interview mit Generalintendant
Theater-Streit: Kultur-Gewitter zieht schnell weiter

Münster -

Das Interview von Dr. Ulrich Peters, Generalintendant des Theaters, schlug in der vergangenen Woche ein wie ein heftiges Unwetter. Doch jetzt scheint sich der Streit des Generalintendanten mit der Stadtspitze wieder zu legen.

Montag, 04.06.2018, 20:00 Uhr
 
 Theater-Intendant Dr. Ulrich Peters Foto: Matthias Ahlke

Was bis zum Wochenende wie ein Gewitterturm in die Höhe quoll, fiel dann – um in der Sprache der Meteorologen zu bleiben – schnell wieder in sich zusammen: Kulturdezernentin Cornelia Wilkens und Generalintendant Dr. Ulrich Peters haben am Montag ein Vier-Augen-Gespräch geführt. „Ruhig und in gegenseitiger Wertschätzung“, so charakterisierte Peters die Atmosphäre der Zusammenkunft.

Ergebnis: Man will öfter miteinander sprechen, und der Generalintendant begrüßt es, wenn sich die Kulturdezernentin oder auch der Oberbürgermeister nicht nur „privat und inkognito“, sondern offiziell und mit der Möglichkeit zum Kontakt mit Akteuren ins Theater Münster begeben.

Leichtes Zurückrudern

Natürlich hadert Peters mit einigen Sätzen seines Interviews, da sie bei der Zweitverwertung „aus dem Zusammenhang“ gerissen worden seien und so Schärfe bekommen hätten. Der Intendant versichert, dass er natürlich sein Publikum und die Verwaltung schätze, bleibt aber bei seinem grundsätzlichen Plädoyer, Kunst und Künstler stärker wertzuschätzen. „Wir alle sind Künstler, wir brauchen das!“, hob er hervor.

Kurz vor dem Interview hatte Peters Besuch von seinem Kollegen Bodo Busse vom Saarländischen Staatstheater Saarbrücken. Dieser berichtete von regelmäßigem persönlichen Austausch mit der Stadtspitze – auch bei Premieren. Das fuchste Peters offenbar.

Behäbigkeit und Konfliktscheu

Meinhard Zanger, Intendant des Wolfgang-Borchert-Theaters, stimmt in die Kritik seines Kollegen nicht ein. Oberbürgermeister Markus Lewe sei häufiger im Theater, komme kurzfristig und häufig privat. Auch mit Kulturausschussmitgliedern gebe es Gespräche nach Premieren. Was ihn störe, sei die Befrachtung der Theater mit Verwaltung und Wirtschaftsplänen. „Das ist alles überdimensioniert“, so Zanger, der sich im Kulturausschuss „lieber mit programmatischen Dingen“ als mit Zahlen befassen möchte.

Ludger Schnieder, Leiter des Pumpenhauses, hebt die guten Kontakte zu Politik und Verwaltung hervor. Zweifellos leide die Kultur in Münster aber insgesamt unter einer gewissen Behäbigkeit und Konfliktscheu. „Es gibt eben auch die Notwendigkeit, mal radikale Positionen zu vertreten“, meint Schnieder.

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