Mi., 06.06.2018

Eine Autofahrt je Münsteraner am Tag Wachsende Verkehrsbelastung kaum zu stoppen

Verkehrsteilnehmer ist nicht entgangen, dass Staus in der Stadt häufiger und länger geworden sind. Die wachsende Attraktivität belastet buchstäblich die Straßen.

Verkehrsteilnehmer ist nicht entgangen, dass Staus in der Stadt häufiger und länger geworden sind. Die wachsende Attraktivität belastet buchstäblich die Straßen. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Münster droht ein Verkehrskollaps - trotz einer positiven Entwicklung beim Mobilitätsverhalten der Bewohner. Das verdeutlicht ein Blick in die Statistik. Die zeigt einen Zusammenhang zwischen Bevölkerungswachstum und Verkehrsdichte in Münster.

Von Klaus Baumeister

Manchmal hilft die Statistik, um ein Problem zu verdeutlichen. Also: Aktuell leben in Münster 310.000 Einwohner. Sie absolvieren im rechnerischen Durchschnitt 3,4 Wege pro Tag innerhalb des Stadtgebietes. Dabei benutzen sie im so genannten Binnenverkehr zu 29 Prozent ein Auto.

Trotz weniger Fahrten mehr Fahrten

Es gilt die Faustregel: Eine Autofahrt je Einwohner und Werktag. Da 1,2 Personen je Auto gezählt werden, kann man festhalten: 255.000 Mal am Tag wird ein von Münsteranern gesteuertes Auto in Münster bewegt.

Interessant ist nun Folgendes: 2007 fielen noch 1,4 Autofahrten je Tag und Einwohner an. Also müsste es doch ruhiger auf den Straßen zugehen. Tut es aber nicht. Der Grund: Das Wachstum des vergangenen Jahrzehnts hat die Verhaltensänderung aufgefressen, denn 37.000 Münsteraner bewegen sich zusätzlich auf den Straßen.

Einwohnerzahl wächst

Man kann es auch positiv ausdrücken: Würde man das Mobilitätsverhalten der Münsteraner von 2007 auf die Einwohnerzahl von heute übertragen, würden 43.000 Autofahren pro Werktag mehr anfallen.

Auch andere Wachstumsfaktoren haben unmittelbare Auswirkungen auf die Länge der Staus in Münster, so die 28.000 zusätzlichen Arbeitsplätze in Münster allein von 2008 bis 2016. Auch die Hochschulen sowie das Einzelhandels- und Freizeitangebot sind gewachsen.

Zum Binnen- kommt der Pendlerverkehr

Das Stadtplanungsamt geht von rund 300.000 Pendlerfahrten mit dem Auto pro Werktag aus. Das ist 80 Prozent des gesamten Pendleraufkommens. Die Definition dabei: Von Binnenverkehr spricht man, solange nicht die Stadtgrenze überschritten wir, ansonsten ist es Pendlerverkehr. Nimmt man Binnen- und Pendlerverkehr zusammen, sind es etwa 550.000 Autofahrten pro Tag, die Münsters Straßen ertragen müssen.

Das Verrückte dabei

Das Verrückte dabei: Da alle Prognosen von weiterem Wachstum ausgehen, wird die von der Stadt angestrebte Verlagerung des Autoverkehrs hin zu Bahn, Busse und Fahrrad vermutlich nur dazu reichen, die Belastung nicht weiter steigen zu lassen. Sollte Münster auf die prognostizierten 330.000 Einwohner anwachsen, sich das Mobilitätsverhalten aber nicht ändern, würde das rund 17.000 Autfahren täglich mehr bedeuten.

Massive Konflikte erwartet

Der Trend „Weg vom Auto“ ist somit vorgegeben, löst aber, wie bei Experten zu hören ist, massive Konflikte aus. Beim Bus- und beim Radverkehr setzten signifikante Zuwachsraten voraus, dass ihnen größere Flächenanteile im öffentlichen Verkehrsraum zugebilligt werden – natürlich zu Lasten des Autoverkehrs.



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