Elternverein an der Primusschule
Eltern wollen Unterricht bis zum Abitur

Münster -

Die Modellschule Primus unterrichtet Kinder durchgehend vom ersten bis zum zehnten Jahrgang. Eltern haben jetzt einen Verein gegründet: Sie fordern, dass die Schule bis zum Abitur läuft.

Donnerstag, 07.06.2018, 09:00 Uhr
Christiane Timmer und Stefan Schemann (r.) wünschen sich als Mitglieder der Elterninitiative, dass die Primusschule bis zum Abitur durchläuft. Die Töchter von Christiane Timmer, (v.l.) Sophia und Klara, sind Schülerinnen des ersten und zweiten Jahrgangs.
Christiane Timmer und Stefan Schemann (r.) wünschen sich als Mitglieder der Elterninitiative, dass die Primusschule bis zum Abitur durchläuft. Die Töchter von Christiane Timmer, (v.l.) Sophia und Klara, sind Schülerinnen des ersten und zweiten Jahrgangs. Foto: Karin Völker

Die Töchter von Christiane Timmer haben als Erst- und Zweitklässlerinnen noch viel Zeit bis zum Abitur. Aber Christiane Timmer möchte, dass Klara und Sophia, sollten sie sich als talentiert genug erweisen, genau dort bis zum höchsten Schulabschluss kommen können, wo sie bereits jetzt zur Schule gehen.

Alternatives pädagogisches Konzept

Die Primusschule unterrichtet seit 2014 Kinder vom ersten bis zum zehnten Jahrgang in der früheren Grundschule Berg Fidel und der ehemaligen Geist-Hauptschule an der Grevingstraße. Timmer und mit ihr rund 40 andere Eltern der Schule haben jetzt die Initiative „Eine Oberstufe für die Primusschule“ gegründet – und rühren nun massiv für das Vorhaben die Werbetrommel. Einer, der mitkämpft, ist Stefan Schemann, er hat mittlerweile drei Kinder auf der Schule. Seine Familie wohnt, ebenso wie die von Christiane Timmer, nicht direkt im Stadtteil. „Wir haben uns ganz bewusst für das pädagogische Konzept der Primusschule entschieden“, sagen die beiden.

Jahrgangsübergreifend und projektbezogen lernen

Letzteres lässt sich in Kürze folgendermaßen beschreiben: Gelernt wird vorwiegend frei und projektbezogen in jahrgangsübergreifenden Gruppen. Ein Fünftel der Kinder, so Schulleiter Dr. Reinhard Stähling, habe einen Förderbedarf, sie gehören in jeder Gruppe dazu.

39 Kinder wurden im vergangenen Herbst für das kommende Schuljahr als i-Männchen in der Primusschule angemeldet, maximal 50 könnte die Schule aufnehmen. Mittlerweile läuft die Schule bis zum achten Jahrgang. 450 Schüler besuchen die Schule an beiden Standorten. Der Modellversuch wird wissenschaftlich begleitet, ein Zwischenbericht soll demnächst vorgelegt werden. „Wir bleiben eine relativ kleine Schule“, sagt Reinhard Stähling. Er betont, er sei Realist – und rechne mit nicht mehr als zwölf Schülern pro Jahrgang, die es in die gymnasiale Oberstufe schaffen könnten.

Umgang mit Wissen statt Fachwissen anhäufen

Sind das nicht zu wenige? Stefan Schemann und Christiane Timmer verneinen. Sie haben die Münsterland-Schule in Tilbeck besucht, eine nach dem Montessori-Konzept arbeitende Schule, die mit einer ähnlich geringen Schülerzahl eine Oberstufe betreibt. „Sicher kann man bei so wenigen Schülern kein Kursangebot bereitstellen“, sagt Schemann. Aber er betont, dass es wichtiger sei, den Umgang mit Wissen und das Management von Themen zu lernen, als Fachwissen anzuhäufen.

Die Eltern der neuen Initiative glauben, dass die Schule mit einem Abitur-Zweig auch einen Mehrwert für den Stadtteil Berg Fidel bieten könnte, aus dem in der Regel zwei Drittel der Schüler kommen.

Talentschule in sozialem Brennpunkt

Viele von ihnen haben Migrationshintergrund, viele kommen aus Familien, die von Sozialleistungen leben. Mit der Abitur-Option wären mehr Eltern auch aus anderen Vierteln bereit, ihre Kinder in der Primusschule anzumelden, sagen Timmer und Schemann, und: „Die Kinder hier in Berg Fidel brauchen bessere Chancen auf Bildung“, sagt Schemann – und weist darauf hin, dass die Primusschule sehr genau in das Profil des neuen Modellversuchs der FDP-Schulministerin Yvonne Gebauer passt, die „Talentschulen“ in sozialen Brennpunkten fördern will.

Die Initiative der Primusschule hat Kontakt mit der Schulaufsicht bei der Bezirksregierung und den Ratsfraktionen aufgenommen. Schulleiter Stähling ist offen für die Erweiterung. „Platz am Lernort Geistschule wäre ausreichend vorhanden“, sagt er.

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