So., 10.06.2018

Pro und Contra Ist mehr Geld für Erzieherinnen die Lösung?

Pro und Contra: Ist mehr Geld für Erzieherinnen die Lösung?

Der Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern wächst enorm. Foto: dpa

Münster - 

Soll die Stadt Münster Erzieherinnen und Erzieher über Tarif entlohnen, um dem Fachkräftemangel in Kitas zu begegnen? In unserer Lokalredaktion gibt es unterschiedliche Meinungen.

Von Karin Völker und Kay Böckling

Pro: Stadt soll vorangehen

Es gibt derzeit kaum einen Beruf, in dem der Bedarf an Personal so enorm ansteigt, wie der für Erzieherinnen und Erzieher für die vielen neuen Kitas, die überall in Deutschland wie Pilze aus dem Boden schießen. Auch in Münster wird das Angebot an Fachkräften allmählich knapp. Wer soll die Jüngsten in den vielen neu gebauten Kitas gut betreuen, fördern, erziehen? Niemand bezweifelt heute mehr, dass frühkindliche Bildung und Erziehung der Schlüssel sind für einen gelungenen Start ins Leben. Darum sollte sich die Wertschätzung der Menschen, die sich um diese wichtige Aufgabe bemühen, auch in einer höheren Entlohnung zeigen. Erst recht, weil der Erzieherberuf hierzulande, anders als in vielen anderen Ländern, keine akademische Ausbildung verlangt und so dem gewachsenen Anspruch hinterherhinkt.

Die Stadt Münster als großer öffentlicher Arbeitgeber für das Kita-Personal könnte mit einer besseren Bezahlung vorangehen und Vorbildfunktion auch für andere Träger sein. Der Wettbewerb der Kommunen um gute Mitarbeiter ist ohnehin längst in vollem Gange.  

Karin Völker


Contra: Keine lokale Aufgabe

Um es gleich vorweg zu sagen: Erzieher machen einen richtig guten Job, der häufig an die Belastungsgrenze geht. Als Vater von drei Kindern weiß ich, wovon ich rede. Und ja: Dieses Engagement, das bei vielen weit über die reguläre Dienstzeit hinausgeht, diese verantwortungsvolle Aufgabe, sie muss entsprechend honoriert werden – finanziell wie ideell. Die Idee allerdings, allein die städtischen Gehälter anzuheben, greift hier viel zu kurz. Bleiben die Erzieher, die bei anderen Kita-Trägern (Kirchen oder Verbände) unter Vertrag stehen, dabei auf der Strecke? Oder ist diesbezüglich ein Konkurrenzkampf zu befürchten? Festzustellen bleibt: Die Kasse der Stadt Münster ist leer. Woher soll das Geld kommen? In diesem Zusammenhang ist eine Äußerung der Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sehr interessant: Sie forderte jüngst eine Angleichung der Erzieher-Gehälter an die der Lehrer. Ihr Argument: Kitas seien Bildungseinrichtungen. Aber sind für die Fragen der Bildungspolitik und ihrer Finanzierung nicht der Bund oder die Länder zuständig? Diese Frage sei gestattet.

Kay Böckling



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5802633?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F