Mi., 13.06.2018

Durch Feuer zerstörte Pakete Der Zoll ist nicht versichert

Die Spuren der Brandstiftung vom Dezember 2017 im Zollamt an der Eulerstraße sind noch immer zu sehen. Das Gebäude steht seitdem leer.

Die Spuren der Brandstiftung vom Dezember 2017 im Zollamt an der Eulerstraße sind noch immer zu sehen. Das Gebäude steht seitdem leer. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Im Dezember wurden viele Pakete bei einem Brand im Hauptzollamt zerstört. Viele Eigentümer warten immer noch auf eine Erklärung, wer denn nun für den Schaden haftet. „Der Zoll jedenfalls nicht“, heißt es beim Zoll.

Von Martin Kalitschke

In einer bitter­ kalten Winternacht im Dezember 2017 brechen bislang unbekannte Personen die Eingangstür des Zollamtes an der Eulerstraße auf. Dann steuern sie das Paketlager an, einen Raum, in dem Sendungen aus aller Welt darauf warten, von ihren Empfängern abgeholt zu werden. Dort legen sie ein Feuer, das die Pakete zerstört, und ergreifen die Flucht.

Brand richtete Schaden in Millionenhöhe an

Bis heute halten sich Zollbehörde und Polizei bedeckt, wie viele Pakete ein Raub der Flammen wurden – und was sich in ihnen befand. „Dazu kann ich nichts sagen“, sagt Polizei-Sprecherin Antonia Klein. Hauptzollamts-Sprecherin Britta Flothmann verweist darauf, dass sie Order habe, sich nicht zum Inhalt der Pakete zu äußern. Bekannt ist lediglich die von der Feuerwehr geschätzte Schadenssumme des Brandstiftung vom 16. Dezember: eine Million Euro. Unklar ist, ob sie auch den Wert der zerstörten Pakete enthält.

Ein Verlust für viele Paket-Besitzer

Seitdem haben sich nach Informationen unserer Zeitung etliche Paket-Besitzer beim münsterischen Hauptzollamt erkundigt, wer für die zerstörten Sendungen haftet. Die Behörde jedenfalls nicht, stellt Jürgen Wamser, Sprecher der Generalzolldirektion, klar. Dies habe man inzwischen rechtlich geprüft. Für die ent­standenen Schäden seien einzig die Einbrecher verantwortlich – doch die wurden bis heute nicht gestellt. Wamser – der betont, für die Verluste großes Verständnis zu haben – rät den Betroffen, „eine rechtsanwaltschaft­liche Beratung“ zu suchen.

Deutlicher wird die ört­liche Behördensprecherin Flothmann. „Wenn die Einbrecher nicht noch ermittelt werden, dann bleiben die Paketbesitzer wohl auf dem Schaden sitzen.“ Also Pech gehabt? „Ja, das kann man so sagen“, meint Flothmann.

Gebäude steht leer

Anders hätte es ausgesehen, wenn ein Zollmitarbeiter, aus welchem Grund auch immer, für den Brand verantwortlich gewesen wäre. Dann wäre der Schaden aus einem für solche Fälle im Bundeshaushalt vor­gesehenen Budget beglichen worden. Die Bundeszollverwaltung ist nämlich nicht versichert – die Beiträge wären höher als die Schäden, die Jahr für Jahr aus dem Budget bezahlt werden müssen. Beim Brand an der ­Eulerstraße wäre diese Option sowieso nicht zum Tragen kommen. Das Zoll­gebäude an der Eulerstraße steht übrigens seit dem Brand im Dezember leer. Der Schaden ist so groß, dass dort Arbeiten unmöglich ist. Die rund 20 Mitarbeiter wurden auf andere Zoll-Stand­orte in Münster verteilt.

Ob und wann sie zurückkehren werden, ob das Gebäude saniert oder womöglich abgerissen wird – auch dazu kann die Behördensprecherin nichts sagen.



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