Mi., 13.06.2018

Keine Vertragsverlängerung Stadtwerke-Chef fehlt der Rückhalt

Dr. Dirk Wernicke, technischer Geschäftsführer

Dr. Dirk Wernicke, technischer Geschäftsführer Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Schlechte Kunde für den technischen Geschäftsführer der münsterischen Stadtwerke: Sein Vertrag soll wohl nicht verlängert werden. Und das hat eine Vorgeschichte.

Von Dirk Anger

Eine politische Mehrheit im Rat für eine Vertragsverlängerung mit dem technischen Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Dirk Wernicke liegt in weiter Ferne. Sein im kommenden Jahr auslaufender Vertrag soll nach Informationen unserer Zeitung nicht verlängert werden. Nach den monatelangen Streitereien in der Geschäftsführung des städtischen Versorgungsunternehmens hat offenbar die unter anderem mit Rats­politikern und einem Vertreter der Stadt besetzte Personalkommission des Aufsichtsrates die Reißleine gezogen. Auch in den Ratsfraktionen von CDU, Grünen und SPD hat Wernicke dem Vernehmen nach kaum mehr Rückhalt. Eine Sondersitzung des Stadtwerke-Aufsichtsrats zu dieser Personalie soll noch folgen, im Juli tagt der Rat.

Politik will Neuaufstellung

Wernicke hat Anspruch darauf, ein Jahr vor Vertragsende zu erfahren, ob er weiterbeschäftigt wird. Dieses Signal müsste er demnach in den nächsten ­Wochen bekommen. Allerdings zeigte sich Wernicke auf Anfrage bereit, bis zu den im September vorliegenden Ergebnissen einer Managementberatung warten zu können. Diese untersucht aktuell Organisation und Struktur des Unternehmens. Große Teile der Politik möchten eine Neuaufstellung der Stadtwerke-Spitze.

Doch dabei scheint Wernicke schlechte Karten zu haben. Damit würde zum zweiten Mal hintereinander der Vertrag mit einem technischen Geschäftsführer der Stadtwerke nicht verlängert. Auch für Wernickes Vorgänger ging es nach der ersten Amtszeit nicht weiter. In beiden Fällen stolperten die Technik-Experten weniger über fachliche Themen.

Kommentar: Unruhige Zeiten

Dass der 2019 auslaufende Vertrag mit dem technischen Stadtwerke-Geschäftsführer aktuell wohl nicht verlängert werden soll, dürfte selbst den Betroffenen kaum überraschen. Wenn sich zwei hoch bezahlte Manager vor den Augen der Belegschaft Hahnenkämpfe aufgrund von Machtgelüsten und Eitelkeiten liefern, bleibt dem Eigentümer wenig Spielraum. Ohnehin müssen sich Oberbürgermeister und Aufsichtsrat fragen, warum sie bei den Eskapaden des Stadtwerke-Spitzenpersonals nicht vorher durchgegriffen haben. Wenn sich aber eine Situation wie vor fünf Jahren zu wiederholen scheint, dürfte mit dem absehbaren Abgang von Dr. Dirk Wernicke nur ein Teil des Konflikts gelöst sein. Auch der kaufmännische Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann ist trotz guter Zahlen für 2017 nicht aus dem Schneider. Wo es für ihn im Rahmen der Neuaufstellung der Stadtwerke hingeht, scheint offen zu sein. Sein noch fast fünf Jahre laufender Vertrag sichert ihm aber eine komfortable Situation. Eine Trennung wäre für die Stadt nämlich eine teure Angelegenheit. Aber ausgeschlossen ist in diesen unruhigen Tagen am Hafenplatz anscheinend nichts mehr. Dirk Anger

Die sich aktuell abzeichnende Entwicklung kommt indes nicht überraschend. Teils vor Mitarbeitern haben Wernicke und der kaufmännische Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann ihre Differenzen ausgetragen. Überdies lagen die beiden Geschäftsführer auch bei inhaltlichen Themen wie Windkraft oder Glasfaser-Ausbau oftmals nicht auf einer Linie. Von einem verträglichen Miteinander konnte deshalb schon lange keine Rede mehr sein.

Machtkampf hinter den Fassaden

Spätestens als sich Wer­nicke im Zuge der Vertragsverlängerung seines Kollegen Müller-Tengelmann an die Politik wandte, um seine Kompetenzen erweitern zu wollen, stand fest, dass hinter der Fassade am Hafenplatz 1 ein Machtkampf tobt. Zuletzt sollten Vermittlungsbemühungen eines Mediators helfen. Das Tischtuch zwischen den gleichberechtigten Geschäftsführern ist offenkundig aber zerrissen.

Dass die Nachricht an Wernicke vor der abschließenden Expertise des externen Beratungsunternehmens erfolgt, gilt für viele als nicht glücklich. Die Berater sollen die personelle Aufstellung der Stadtwerke mit zwei gleichberechtigten Geschäftsführern an der Spitze untersuchen. Daraus sollen Schlüsse für eine Neuausrichtung des wirtschaftlich wichtigsten Tochterunternehmens der Stadt gezogen werden. Wie zu hören ist, sollen die Zwischenergebnisse der Gutachter nicht berauschend ausgefallen sein. Eine Doppelspitze gilt demnach als wenig hilfreich für die Zukunft. Wie es um selbige des kaufmännischen Geschäftsführers Dr. Müller-Tengelmann bestellt ist, scheint ungewiss zu sein. Zwar läuft dessen Vertrag noch fast fünf Jahre. Doch nach Ansicht einiger Kommunalpolitiker trägt auch Müller-Tengelmann Mitschuld an den Querelen der vergangenen Monate, die Wernicke nun ins Aus zu befördern scheinen. Außerdem gebe es Parallelen zur Situation vor fünf Jahren.

Müller-Tengelmann kann indes auf eine ausgesprochen gute wirtschaftliche Bilanz auch für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017 verweisen, für die er zuständig ist. Und das in nicht ein­fachen Zeiten für die Stadtwerke.



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