Kampagne des Frauennotrufs
Warnung vor Belästigung beim Fußball

Münster -

Fußball-WM-zeit ist eine Zeit der sexuellen Belästigung und Gewalt gegen Frauen. das zeigen Studien, wie der Frauennotruf Münster warnt. Eine Plakatkampagne soll sensibilisieren.

Freitag, 15.06.2018, 10:00 Uhr
Daniela Stöveken und Lea Goetz zeigen die Plakate der Kampagne des Frauennotrufs, die auch an Litfaßsäulen der Stadt kleben.
Daniela Stöveken und Lea Goetz zeigen die Plakate der Kampagne des Frauennotrufs, die auch an Litfaßsäulen der Stadt kleben. Foto: Karin Völker

Fußballbegeisterung, Adrenalin und Testosteron, das ist die Erfahrung von Lea Goetz, gehen mitunter eine unheilvolle Beziehung ein. Die Mitarbeiterin des Frauennotrufs Münster hat es selbst beim Public Viewing beobachtet und erlebt. Da, wo sich viele Menschen, und dabei überwiegend Männer treffen, sich Jubel und Enttäuschung entladen und Alkohol im Spiel ist, da müssen sich Frauen häufig vor sexueller Belästigung hüten.

Wenn in den kommenden vier Wochen in der Hafenarena, vor der Aasee-Mensa, in vielen Biergärten und Kneipen „Rudelgucken“ angesagt ist, hängen dort auch Plakate, die davor warnen. Das Motto: „Anpfiff für eine WM ohne sexuelle Gewalt“.

Für manche Frau blieb es während zurückliegender Welt- und Europameisterschaften nicht dabei, sich anzügliche Sprüche anhören zu müssen oder begrapscht zu werden. „Auch häusliche Gewalt nimmt in Zeiten solcher großen Turniere zu“, betont Daniela Stöveken, ebenfalls Mitarbeiterin beim Frauennotruf, der in Münster Kontakt - und Beratungsstelle für jedewede Form von sexueller Belästigung und Gewalt ist, Frauen unterstützt und schon viele Kampagnen bestritten hat.

Studie zu häuslicher Gewalt

Britische Wissenschaftler hätten belegt, dass eine Fußhallweltmeisterschaft einhergehe mit einer deutlich steigenden Zahl von Anzeigen wegen häuslicher Gewalt, zitiert Stöveken die Studie.

Untersucht wurde die Zahl der Anzeigen in allen britischen Polizeidistrikten an Spieltagen des britischen Teams während der WM 2010 in Südafrika. Das Ergebnis: Immer wenn die britische Elf spielte, kam es anschließend zu einer steigenden Zahl von Gewalt gegen die Partnerin – „und zwar unabhängig von Sieg oder Niederlage“, wie Lea Goetz ergänzt. Der Tiefpunkt und damit der höchste Anstieg der Anzeigenzahl wegen gewalttätiger Übergriffe in den eigenen vier Wänden verzeichneten die Behörden beim Ausscheiden des britischen Teams im Achtelfinale gegen Deutschland.

„Wir wollen niemandem den Spaß verderben“

„Wir wollen niemandem den Spaß an der WM verderben“, versichern Goetz und Stöveken, die selbst Spiele ansehen werden, auch beim Public Viewing, wie Lea ­Goetz erzählt.

Mit den Plakaten wollen sie für das Thema sensibilisieren. Und wenn „frau“ sich dann doch belästigt und bedrängt fühlt? „Nicht ignorieren, sondern selbstbewusst und offensiv reagieren“, raten Stöveken und Goetz.

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