Erdbeer-Ernte
Hauptsaison schon vorbei: Früh reif, jetzt schon faul

Münster-Gelmer -

Dass es immer weniger Erntehelfer für Erdbeeren und Spargel gibt, ist nicht neu. In diesem Jahr allerdings traf es die Erdbeerhöfe besonders hart, denn die Saison war superkurz und superheftig: Die Hitze im Mai ließ die Früchte fast gleichzeitig reifen.

Freitag, 15.06.2018, 11:45 Uhr aktualisiert: 15.06.2018, 11:50 Uhr
Die Hauptsaison begann sehr spät und endete sehr früh: In kurzer Zeit mussten große Mengen Erdbeeren geerntet werden. Ein großes Problem für die Landwirte – denen immer wenige Erntehelfer zur Verfügung stehen.
Die Hauptsaison begann sehr spät und endete sehr früh: In kurzer Zeit mussten große Mengen Erdbeeren geerntet werden. Ein großes Problem für die Landwirte – denen immer wenige Erntehelfer zur Verfügung stehen. Foto: dpa

Eigentlich, sagen Münsters Erdbeerbauern Stephan Bäcker und Burkhard Lütke Laxen einmütig, eigentlich war die münsterische Erdbeersaison gut – besonders im Vergleich zum miesen Vorjahr. Das Wetter war super, die Erträge üppig, die Stimmung der Kundschaft hervorragend. Und wo ist der Haken? Das Wetter war zu gut. Die Hauptsaison ist schon vorbei.

Das ist rekordverdächtig. Normalerweise, sagt Burkhard Lütke Laxen, gehört der ganze Juni noch dazu. Aber die Beeren waren so schnell reif, dass mit Hochdruck gepflückt werden musste. „Was wir jetzt gerne ernten würden, ist schon vom Feld“, bestätigt Stephan Bäcker.

Auf dem Feld verfault

Die beiden Landwirte bekamen dabei ein Problem zu spüren, das sich für 2018 bereits abzeichnete: Es gibt nicht genügend Erntehelfer. Auf dem Hof Lütke Laxen sind etwa 100 Helfer im Einsatz, bei Stephan Bäcker sind es 40. „Wir hätten in den vergangenen Wochen gerne 20 Leute mehr gehabt“, sagt der Landwirt. Das Problem: Werden die reifen Beeren nicht gepflückt, beginnt irgendwann die Fäulnis. Und wenn eine fault, faulen die anderen. „Wir hatten Ausfälle“, räumt Bäcker ein.

Das Problem treibt Landwirte in ganz Deutschland um, bestätigt Hans-Heinrich Berghorn vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband. Deutsche Erntehelfer gebe es schon seit vielen Jahren kaum noch – und die Kräfte aus Polen und Rumänien profitieren vom wirtschaftlichen Aufschwung ihrer Heimatländer und bleiben zu Hause, wo sie langfristigere, besser bezahlte Arbeit finden. Viele von ihnen würden kommen, wenn sie durch längere Tagesarbeitszeit mehr verdienen könnten; aber 60 bis 70 Wochenstunden lässt das deutsche Arbeitsrecht nicht zu. „Das wird auch kontrolliert“, sagt Berghorn.

Personal knapp, Angebot knapp

Stephan Bäcker und Burkhard Lütke Laxen betonen, dass sie um guten Kontakt zu ihren Mitarbeitern und um gute Atmosphäre bemüht sind, eine bequeme Unterkunft und Internet-Anschluss gehören heute dazu: „Wenn sie Geld verdienen und zufrieden sind, wandern sie so schnell nicht ab“, meint Stephan Bäcker. Aber auch jahrelange gute Verbindungen können das Problem der Personalknappheit nicht lösen.

Hans-Heinrich Berghorn verweist auf eine Initiative des Deutschen Bauernverbandes, künftig in der Ukraine um Arbeitskräfte zu werben. Aber er sagt auch, dass die Personalnot langfristig dazu führen könnte, dass es Sonderkulturen wie Spargel und Erdbeeren aus regionaler Erzeugung „nicht mehr im bisherigen Umfang“ gibt.

Nachernte bis September

Aber noch gibt es Erdbeeren, in diesem Jahr erst recht. Das Angebot der Verkaufsstände in Münster ist gut, und in Gelmer wird gerade die Nachernte auf neuen Flächen vorbereitet, wo bis in den September hinein geerntet wird. Das Angebot wird kleiner sein als in der Hauptsaison, und die Preise werden etwas ansteigen. Das sei eine völlig normale Entwicklung, betont Stephan Bäcker.

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