Fr., 15.06.2018

Hohe Kosten Krankenhäuser fordern vom Land Ausgleich für Amokfahrt-Einsatz

Nach der Amokfahrt am Samstag, den 7. April wurde in Münster der Krisenfall „Massenanfall von Verletzten“ ausgelöst. In den Krankenhäusern meldeten sich Hunderte spontan zur Arbeit.

Nach der Amokfahrt am Samstag, den 7. April wurde in Münster der Krisenfall „Massenanfall von Verletzten“ ausgelöst. In den Krankenhäusern meldeten sich Hunderte spontan zur Arbeit. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Nach der Amokfahrt am 7. April traten in Münsters Krankenhäusern Hunderte von Mitarbeitern zusätzlich den Dienst an. Die Kliniken fürchten nun, auf den Kosten für diesen Sondereinsatz sitzen zu bleiben.

Von Karin Völker

Als sich am Nachmittag des 7. April die Nachricht von der Amokfahrt am Kiepenkerlplatz verbreitete, war das für die Krankenhäuser der Stadt Anlass, einem für besonderes schwere Krisenfälle vorbereiteten Handlungsschema zu folgen. „Massenanfall von Verletzten“ lautet dafür der Fachterminus. Es bedeutet, dass die Mitarbeiter der Krankenhäuser aus dem freien Wochenende heraus aufgerufen werden, sich zum Dienst zu melden. 444 Mitarbeiter, die eigentlich frei hatten, meldeten sich spontan zur Arbeit im Universitätsklinikum Münster (UKM). Die, so eine Sprecherin, „großartige Resonanz“ schlägt sich nun für das UKM aber negativ in der finanziellen Bilanz nieder. 75.000 Euro für die geleisteten Überstunden der Mitarbeiter, außerdem noch 20.000 Euro an Betriebs- und Folgekosten für den Sondereinsatz, bilanziert der kaufmännische Leiter Dr. Christoph Hoppenheit.

Auch am Clemenshospital und an der Raphaelsklinik wurde der „Massenanfall von Verletzten“ ausgerufen – hier waren zusammen 180 zusätzliche Mitarbeiter im Einsatz, die zusätzlichen Kosten beziffern sich laut Hartmut Hagmann, dem Geschäftsführer der beiden Häuser, auf rund 50.000 Euro.

Notfallversorgung der Krankenhäuser nicht ausfinanziert

Das Land NRW als Kostenträger für das UKM hat bislang für solche Sondereinsätze keinen „Topf“, die Krankenhäuser würden sich wünschen, wenn ein solcher Fonds eingerichtet werden könnte. Hoppenheit wirbt in Düsseldorf dafür und hofft auf Erstattung der zusätzlichen Kosten, die aktuell entstanden sind. Aus diesem Finanzbudget, das im Glücksfall gar nicht abgerufen werden müsste, könnten auch Großübungen finanziert werden, mit denen sich Kliniken und Rettungskräfte auf solche Ereignisse vorbereiten.

Hartmut Hagmann hat auch nichts gegen eine Sonderfonds für Krisenfälle, noch viel drängender sei aber das Probleme, dass die Notfallversorgung der Krankenhäuser nicht ausfinanziert sei. „Wir sind verpflichtet, die Notfallversorgung zu gewährleisten, erhalten dafür aber keine kostendeckende Finanzierung“.

Zwei Verletzte noch immer im Krankenhaus

Dass am Ende die Zahl der Verletzten geringer war, als zunächst befürchtet werden musste, konnte bei der Auslösung des Alarms niemand wissen. „Wir waren erst einmal froh, dass Mitarbeiter gekommen waren“, sagt der Sprecher von Raphaelsklinik und Clemenshospital, Michael Bührke, und erinnert an die über Stunden unübersichtliche Nachrichtenlage. So wurde zunächst befürchtet, dass Sprengstoff im Auto des Amokfahrers deponiert war.

Fotostrecke: Chronologie der Amokfahrt in Bildern

Zwei der durch die Amokfahrt Schwerverletzten liegen übrigens auch nach über zwei Monaten immer noch in den Krankenhäusern. Das UKM behandelt – weiterhin auf der Intensivstation einen Patienten, der viele Male operiert musste, wie eine Sprecherin sagt. Auch im Clemenshospital wird immer noch eine Person stationär behandelt.



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