So., 17.06.2018

Shakespeares „Sturm" im Hafen Premierenpublikum in Plastikhüllen

Das regenfest verhüllte Publikum lauscht den letzten Ansagen von Meinhard Zanger, ehe sich auf der Bühneninsel Shakespeares „Sturm“ abspielt.

Das regenfest verhüllte Publikum lauscht den letzten Ansagen von Meinhard Zanger, ehe sich auf der Bühneninsel Shakespeares „Sturm“ abspielt. Foto: Wilfried Gerharz

Münster - 

Der Himmel über dem Hafenbecken schien mitspielen zu wollen: Eine halbe Stunde vor Premierenbeginn rieselten die ersten Regentropfen aufs Wasser. Da in Shakespeares „Sturm“ das titelgebende Unwetter herbeigezaubert wird, um eine Schiffsgesellschaft an die einsame Insel zu spülen, wirkte das Wetter wie bestellt.

Von Harald Suerland

Meinhard Zanger, Intendant des Wolfgang-Borchert-Theaters, hatte bei den Proben zu seiner Inszenierung noch ganz andere Erfahrung gemacht. „Ja, das ist Open Air“, bemerkte er lachend im Eingangsbereich, auf seine sommerliche Bräune angesprochen, die er sich in den letzten Tagen holte. Zwischen dem Theater im Flechtheimspeicher und einem großen Foyerzelt am Wasser begrüßte er – zunächst noch bei strahlendem Sonnenschein – die Gäste. Dass sich hier bekannte Kulturschaffende wie Professor Markus Müller vom Picassomuseum oder Verleger Wolfgang Hölker einfanden, aber kein Schaulaufen der lokalen Politprominenz stattfand, wusste Zanger einzuordnen: Die einen waren schon zur Probe da, andere haben sich für die nächsten Vorstellungen angemeldet.

Dass mit den üppigen Programmheften auch Regencapes ausgegeben wurden, erwies sich als passende Vorsichtsmaßnahme: Gegen acht Uhr sah man die ersten Zuschauer an den kleinen Packungen herumnesteln, kurz darauf hatte sich das Foyerzelt in eine große Ankleidekabine verwandelt. Denn es war gar nicht so einfach, in die dünnen Schutzhüllen zu kommen.

Publikum mit Humor

„Vorhin sahen wir noch schöner aus“, bemerkte eine Frau lachend, nachdem sie sich erfolgreich die Kapuze übergestülpt hatte. Und ihre Haltung blieb Programm an diesem Premierenabend: Statt sich vom stärker werdenden Regen die Laune vermiesen zu lassen, nahmen es die Zuschauer mit großem Humor und führten kuriose Schlechtwettergespräche. „Ja, das ist Münster!“ „Aber es läuten doch gar keine Glocken?“ „Nein, aber dafür regnet es ja! Beides zusammen kriegen wir morgen erst, am Sonntag.“

Fotostrecke: „Sturm“-Publikum im Regen

Meinhard Zanger, mittlerweile wie ein Kapitän in Ölzeug gewandet, gab dann noch kurz den selbsternannten Pausenclown, um die letzten Regencapes an Frau und Mann zu bringen und ein nettes Erinnerungsfoto vom Premierenpublikum in Plastikhüllen zu schießen. Als dann das Spiel auf der Bühneninsel begann, merkten die Zuschauer, welch privilegierte Position sie unter ihren Capes hatten: So kam gleich zu Beginn eine der Hauptfiguren durch Wasser geschwommen („Was die wohl anhat“, fragte sich ein Zuschauer, ehe die Schöne im Eva-Kostüm die Insel enterte), und mehrere Schauspieler durften ein Vollbad im Hafenbecken nehmen – voll bekleidet.

Happy End auf der Bühne und am Himmel

Dem Happy End in Shakespeares Drama entsprach schließlich auch das Wetter: Die Abendsonne bekam nach einer halben Stunde Aufführungszeit noch ihren Auftritt, und das Publikum wurde erst beim Aufstehen nach dem Schlussapplaus wieder an die anfänglichen Umstände erinnert: „Huch, wir haben ja einen nassen Hintern“ war der meistgehörte Satz in diesem Moment. Aber auch diesen Umstand bei immer noch sommerlicher Wärme nahm man mit Humor.

Fotostrecke: „Sturm“-Spektakel in Münsters Hafen



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