So., 17.06.2018

Pendel übergeben Münster feiert das neue Richter-Kunstwerk in der Dominikanerkirche

In Gegenwart des Künstlers Gerhard Richter wurde das Foucaultsche Pendel in Münster der Öffentlichkeit vorgestellt

In Gegenwart des Künstlers Gerhard Richter wurde das Foucaultsche Pendel in Münster der Öffentlichkeit vorgestellt Foto: Oliver Werner

Münster - 

Unaufhaltsam schwingt die 48 Kilo-Kugel hin und her. Das Foucaultsche Pendel, Teil eines Werks des Kunst-Stars Gerhard Richter, wurde am Sonntag offiziell der Stadt Münster übergeben. Vor der Dominikanerkirche herrschte großer Andrang.

Von Klaus Baumeister

Der Universitäts-Physiker Dr. Klaus-Jürgen Tombrink war es, der das Pendel angestoßen hat, und man merkt ihm den Stolz an, wenn er davon erzählt. Am vergangenen Dienstag waren die Arbeiten an der spektakulären Installation des Ausnahme-Künstlers Gerhard Richter in der münsterischen Dominikanerkirche so weit abgeschlossen, dass Tombrink zur Tat schreiten konnte. „Ein aufregender Moment“, sagt der Physiker, der für den technischen Teil des Kunstwerkes zuständig ist, aber natürlich nicht für den künstlerischen.

Seit Dienstag also schwingt das Foucaultsche Pendel an einem 29 Meter langen Stahlseil durch die profanierte Kirche. Seit Sonntag, dem Tag der Eröffnung, ist zudem klar, dass das Pendel auch die Massen bewegt. Schätzungsweise 1000 Menschen stehen auf dem Platz vor der Kirche, als die Grußworte gehalten werden. Jeweils in Gruppen zu 100 werden die Besucher anschließend in die Kirche gelassen und scharen sich um die Installation mit dem offiziellen Titel „Zwei graue Doppelspiegel für ein Pendel“.

Fotostrecke: Gerhard Richter überreicht der Stadt Münster sein Pendel-Kunstwerk

Die „Würde des Ortes“, von der Münsters strahlender Oberbürgermeister Markus Lewe an diesem Tag immer wieder spricht, ist klar zu spüren. Trotz der Menschenmenge, die durch die Kirche zieht, entfaltet das lautlose Pendel in dem ansonsten komplett leer geräumten, barocken Raum eine unwiderstehliche kontemplative Atmosphäre.

Da Gerhard Richter zu den Menschen gehört, die lieber ihre Kunst sprechen lassen als selbst etwas zu sagen, liegt es nicht zuletzt an dem Kurator Marcus Lütkemeyer, die Besonderheit der Installation zu erklären. Seit 1850 gelte das Foucaultsche Pendel als Beweis für die früher von der Kirche geleugnete These, dass die Erde eine Kugel ist und sich um die eigene Achse dreht, erklärt er. Die Besonderheit der Richter-Installation bestehe nun darin, einer naturwissenschaftlichen Erkenntnis eine künstlerische Gestalt zu geben – und das auch noch in einer Kirche.

Fotostrecke: Richter-Pendel der Öffentlichkeit übergeben

Ach übrigens. Nach dem „Ur-Stoß“ von Dr. Tombrink muss nie wieder jemand das Pendel in der Kirche anstoßen. Vorgesetzt, der Strom fällt nicht aus. Denn unter dem Kirchenboden befindet sich eine Spule, die sich durch regelmäßige Stromstöße in ein magnetisches Feld verwandelt und der 48 Kilogramm schweren Kugel mit eben dieser Regelmäßigkeit einen kleinen Energieschub verpasst. Alles sorgsam ausgerechnet von den Physikern der Uni Münster.

Pendelbewegungen per Stromschlag? Also alles nur ein Fake? Nein, natürlich nicht. Die Besonderheit des Foucaultschen Pendels besteht nicht darin, dass die Kugel hin und her pendelt, sondern darin, dass sich die Kugel dabei langsam, aber unaufhaltsam im Kreis bewegt und damit die Rotation der Erde nachvollzieht.

Fotostrecke: Gerhard Richter - einer der weltweit bedeutendsten Maler

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