Interview
"Milliarden" über ihre Tour und die Liebe zu Berlin

Münster -

Ben Hartmann und Johannes Aue haben „Milliarden“ vor einigen Jahren gegründet. Im Juni ist das neue Album erschienen, im Herbst geht es auf Tour. Im Mittelpunkt steht die Heimatstadt Berlin.

Dienstag, 19.06.2018, 10:00 Uhr aktualisiert: 19.06.2018, 12:24 Uhr
Johannes Aue (l.) und Ben Hartmann (3.v.l.) haben die Band „Milliarden“ vor einigen Jahren gegründet. Gerade ist das zweite Album erschienen.
Johannes Aue (l.) und Ben Hartmann (3.v.l.) haben die Band „Milliarden“ vor einigen Jahren gegründet. Gerade ist das zweite Album erschienen. Foto: Philip Kaminiak

Eine Band mit dem Namen „Milliarden“ müsste rein rechnerisch ziemlich viele Mitglieder haben. Gegründet wurde „Milliarden“ aber nur von zweien – von Ben Hartmann und Johannes Aue. Im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Anna Spliethoff erklären die beiden, ob sie ein Duo oder eine Band sind, und wieso das neue Album „Berlin“ heißt.

Euer neues Album ist am 1. Juni herausgekommen. Warum heißt es „Berlin“?

Ben Hartmann: Wir haben uns die Lieder, die wir da gemacht haben, angehört und bemerkt, dass es ein sehr milieulastiges und biografisches Album ist. Vor allem, weil wir den Lebensraum, in dem wir uns bewegen, sehr viel skizzieren. Wir versuchen dem Wort Berlin eine Wahrhaftigkeit zurückzugeben, die wir mit unserem Leben bewahrheiten können.

Ist das die Botschaft, die ihr übermitteln wollt?

Hartmann: Ich weiß nicht, ob es eine direkte Botschaft gibt. Man kann nur sagen, dass es ein ketzerischer Titel ist. Und es ist auch ketzerisch gemeint. Uns ist schon klar, dass es ein werbetechnisch verbrauchtes Wort ist, und genau deswegen haben wir versucht, dem etwas Wahres entgegenzusetzen. Wir spüren immer noch einen Grundimpuls zu dieser Stadt, die sich langsam verändert, der etwas mit Sehnsucht, Emotion und Liebe zu tun hat. Das wird aber immer mehr überbaut, es wird immer teurer und unfreier. Wir wollten versuchen, uns das Wort zurückzuerobern.

Es gibt zu eurem Album auch einen Film. Wie kam es dazu?

Hartmann: Wir wollten Musikvideos drehen, und der Regisseur hat gesagt, er habe keine Lust auf Musikvideos. Er wollte lieber einen Film machen.

Und ihr wart direkt begeistert?

Hartmann: Wir haben uns sofort gedacht: Das könnte keine schlechte Idee sein.

Ganz kurz: Worum geht es in dem Film?

Hartmann: Ich glaube, in den Grundzügen geht es um die Geschichten, die sich auf dem Album abspielen.

Welche sind das?

Hartmann: Da müsste ich das Album jetzt skizzieren, und das möchte ich nicht. Man macht sich über ein Jahr Gedanken, warum man wie Lieder schreibt. Und das kann man nicht einfach herunterbrechen.

Zu eurem Namen. Milliarden – ist das jetzt ein Duo, eine Band oder etwas ganz anderes?

Johannes Aue: Wir verstehen uns als eine Familie. Gestartet haben Ben und ich, weil wir gemerkt haben, dass wir miteinander gut Lieder schreiben können. Das ist jetzt sieben Jahre her. Uns war aber sofort klar, dass wir das nicht als Duo durchziehen wollen, sondern die Musik mit ihrer Kraft auf die Bühne bringen wollen. Dafür brauchten wir Leute, die das mit uns machen. Wir haben unsere Freunde gefragt, die halbwegs gut ihre Instrumente spielen. Und die haben alle ja gesagt. So wurden es immer mehr Leute.

Die Familie wächst also?

Aue: Genau, sie wächst immer weiter. Ja, wir sind eine Band, wir sind fünf Jungs auf der Bühne. Aber da gehört noch viel mehr zu. Es ist eine große Familie, die uns dabei hilft.

Die Festival-Saison hat bereits begonnen. Wo seid ihr unterwegs?

Aue: Gestartet hat es mit „Rock am Ring“ und „Rock im Park“. Das war eine interessante Sache, weil wir mittlerweile an einem Punkt sind, wo uns Leute buchen, um abends zu spielen. Darauf arbeitet man hin. Wir haben die Möglichkeit, vor sehr vielen Leuten zu spielen. Das ist sehr aufregend, ein bisschen anstrengend, aber auch immer wieder eine geile Klassenfahrt mit der Familie.

Im Herbst geht ihr auf „Welt im Blech“-Tour. Was bedeutet der Name?

Hartmann: Auf dem Album-Cover ist mein altes Auto zu sehen, das wir bemalt und zerkratzt haben. Wir haben gemerkt, dass wir es immer weiter gestalten können. Dann haben wir angefangen, das ganze Auto zu zerkratzen. Das ist die Oberfläche, in die wir unsere Geschichten hineingesetzt haben. Unsere kleinen Hieroglyphen und Höhlenmalereien sind in diesem Blech verewigt. Daran ist der Name angelehnt.

Mit der Tour kommt ihr auch nach Münster. Schon mal hier gewesen?

Hartmann: Ja, wir haben schon oft in Münster gespielt. Wir spielen auf der selben Bühne und im selben Raum, in dem ich mir vor eineinhalb Jahren bei der letzten Tour die Kniescheibe rausgehauen habe.

Also nicht so schöne Erinnerungen?

Hartmann: Nicht so schön. Es wird ein therapeutisches Konzert für mich (lacht).

Hoffentlich geht es dieses Mal besser aus. Was erwartet die Zuhörer?

Hartmann: Ein Rock ‘n‘ Roll-Konzert mit Höhen und Tiefen und emotionalen Ausbrüchen.

Zum Thema

„Milliarden“ spielen am 29. September in der Sputnikhalle, Am Hawerkamp 31. Beginn ist um 20 Uhr.

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