Çağdaş Yüksel am Mittwoch in Münster
Filmemacher strebt nach tiefen Einblicken

Münster -

Vor vier Jahren hatte Çağdaş Yüksel die Idee zu einer Dokumentation. Inzwischen leitet er seine eigene Firma, übernimmt Auftragsarbeiten und tourt im Vorfeld seines zweiten Films durch Deutschland. Der 24-Jährige hat aus einem Hobby seinen Beruf gemacht.

Dienstag, 19.06.2018, 18:38 Uhr aktualisiert: 20.06.2018, 06:47 Uhr
Çağdaş Yüksel
Çağdaş Yüksel Foto: Daniel Roos

Wenn der Abspann läuft, wird es spannend für Çağdaş Yüksel. Denn dann zeigt sich, welche Wirkung sein Film auf das Publikum hat. Mehr als 100 000 Menschen hat der 24-jährige Regisseur seit 2015 mit seinem Dokumentarfilm „Asyland“ schon erreicht. Darin erzählt er die Geschichten von Geflüchteten in Deutschland: welche Hoffnungen haben sie, welche Schwierigkeiten bringt der Alltag in Sammelunterkünften. Ein Film, der im Herbst 2015 etwas Besonderes war, weil er Geflüchtete zu Wort kommen lässt. Bis heute stört es Yüksel, dass zu oft über Geflüchtete gesprochen wird, anstatt sie erzählen zu lassen.

„Mit meinen Filmen möchte ich die Zuschauer für etwas begeistern, gesellschaftlich etwas bewegen und Menschen inspirieren“, sagt er. „Ob ich all das, was ich mir mit meinen Filmprojekten vorgenommen habe, erreicht habe oder nicht, erfahre ich erst im Moment des Abspanns. An den Reaktionen des Publikums.“

Mit „Asyland“ auf Tour

Auch deswegen ist der Filmemacher mit „Asyland“ auf Tour gegangen, durch Schulen und Universitäten in ganz Deutschland. 2016 war er auch in Münster, im Cinema/Kurbelkiste an der Warendorfer Straße. „Das war ein cooles Kino“, erinnert er sich. Die Einnahmen durch den Film werden übrigens gespendet: „Asyland war von Anfang an ein ehrenamtliches Projekt, wir wollen damit kein Geld verdienen“, betont Yüksel.

Inzwischen ist das Filmemachen dennoch nicht mehr nur ein Hobby oder ehrenamtliches Engagement. Yüksel hat eine Firma gegründet, die „cocktailfilms GmbH“. Das habe sich während der Arbeit an Asyland so ergeben. „Für manche Sachen ist es einfach besser, wenn man nicht privat haftet“, erklärt er.

Geschichten der ersten Gastarbeiter-Generation

Mit seiner nächsten Dokumentation geht es auf Deutschland-Tour, obwohl der Film noch nicht ganz fertig ist. „Gleis 11“ erzählt die Geschichten der ersten Generation Gastarbeiter in Deutschland. Für Yüksel auch eine Suche nach persönlicher Identität: „Ich möchte all die schönen, nostalgischen und melancholischen Geschichten der Gastarbeiter aufleben lassen – bevor es dafür zu spät ist.“ Immerhin ist das erste Gastarbeiterabkommen bereits 63 Jahre alt, Deutschland schloss es 1953 mit Italien. 1960 folgten Griechenland und Spanien, 1961 das Abkommen mit der Türkei.

Yüksel betont, dass ihn die individuellen Beweggründe der Menschen interessieren, die zum Arbeiten nach Deutschland kamen. Zuvor will er Bewusstsein schaffen für das Thema. Deswegen tourt er wieder, zeigt Filmausschnitte, interviewt auf der Bühne Gastarbeiter, verteilt Baklava, eine Süßspeise aus dem Nahen Osten. Im Vergleich zu Asyland unterscheiden sich die Reaktionen des Publikums stärker, je nachdem, in welcher Stadt sie zu Gast seien, berichtet Yüksel. „Ob du nun in einer großen, weltoffenen und kulturell vielfältigen Stadt wie Köln, Berlin oder Düsseldorf bist – oder aber in einem kleinen Dorf, macht natürlich was aus.“ Darüber hinaus unterschieden sich die Erfahrungen mit Migration im Osten und Westen Die Dokumentation wird, wenn alles klappt, Ende 2018 veröffentlicht.

Zum Thema

Çağdaş Yüksel kommt am Mittwoch (20. Juni) mit „Ohne Gastarbeiter kein Baklava“ nach Münster in den Hörsaal SCH109.6 an der Scharnhorststraße 109.

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