Mo., 18.06.2018

Richter-Kunstwerk stößt auf großes Interesse Dominikanerkirche: Personal kostet 250.000 Euro pro Jahr

Ausnahmsweise öffnete die Dominikanerkirche auch am Montag ihre Türen. Viele Besucher nutzten die Chance, sich das neue Kunstwerk von Gerhard Richter anzusehen.

Ausnahmsweise öffnete die Dominikanerkirche auch am Montag ihre Türen. Viele Besucher nutzten die Chance, sich das neue Kunstwerk von Gerhard Richter anzusehen. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Kaum da, schon ein Publikumsmagnet: Gerhard Richters Kunstwerk zog beim ersten öffentlichen Besichtigungstermin am Sonntag 2600 Besucher an. Doch die Kosten für den Ausstellungsbetrieb, die die Stadt stemmen muss, haben es in sich. 

Gerhard Richters Kunstwerk bewegt Münster: Das Foucaultsche Pendel in der profanierten Dominikanerkirche an der Salzstraße stößt auf großes Interesse. Schon bei der offiziellen Übergabe des Kunstwerkes an die Stadt verzeichneten die Organisatoren am Samstag rund 1000 Gäste.

Etwa 2600 Besucher registrierten Mitarbeiter des städtischen Kulturamtes beim ersten öffentlichen Besichtigungstermin am Sonntag zwischen 12.45 und 20 Uhr. Aber auch am Montag standen interessierte Gäste vor dem Gebäude Schlange, um sich die dauerhaft eingerichtete Installation mit einer 48 Kilogramm schweren Metallkugel anzusehen. Das Richter-Kunstwerk in der Dominikanerkirche ist ab heute jeweils von dienstags bis sonntags zwischen 11 und 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Fotostrecke: Richter-Pendel der Öffentlichkeit übergeben

Nach dem 3,7 Millionen Euro teuren Umbau- und Sanierungsarbeiten, die unter anderem den Bau einer WC-Anlage und einer Fußbodenheizung vorsehen, wird die Dominikanerkirche noch von Mittwoch bis Sonntag sowie an Feiertagen zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet sein. Das sieht ein Vorschlag der Stadtverwaltung vor, über den der Rat am 4. Juli abstimmen muss.

Fotostrecke: Gerhard Richter überreicht der Stadt Münster sein Pendel-Kunstwerk

Ab 2020 werden demnach die Personalkosten für den Ausstellungsbetrieb und die Nutzung als Veranstaltungsort mit 250.000 Euro jährlich veranschlagt. Veranstaltungen von Parteien oder Fraktionen beispielsweise sollen dort aber nicht möglich sein.

Kommentar

Keine Frage: Die Installation des Foucaultschen  Pendels von Gerhard Richter, einem der bedeutendsten Künstler der Gegenwart, ist ein kulturelles Leuchtturmprojekt mit internationaler Strahlkraft. Und zwar weit über den Tag hinaus. Perfekt passt das Kunstwerk in die profanierte Dominikanerkirche – und wird sich wohl schon in kürzester Zeit als Touristenmagnet entpuppen. Alles richtig gemacht, Münster!

Dass aber mit der öffentlichen Pendel-Präsentation und Nutzung des Gebäudes jährliche Personalkosten in Höhe von 250 000 Euro entstehen, dürfte zumindest einer kreativen Betrachtung wert sein. Diese lässt die Stadtverwaltung vermissen, wenn man die von ihr vorgeschlagenen Nutzungsbeschränkungen liest. Für Veranstaltungen mit rein privatem Charakter soll eine Anmietung ebenso ausgeschlossen sein wie für kommerzielle Angebote: Ein stilvolles Geburtstagsmenü etwa oder das Klassik-Konzert eines Bankhauses wird nach dieser Lesart dem Geist des Kunstwerks und dem Charakter der ehemaligen Kirche nicht gerecht. Warum eigentlich?

Es ist doch kein Makel für Kunst und Kirchenbau, wenn man versuchen würde, die Personalkosten möglichst wieder einzuspielen. Schließlich ist es auch eine Kunst, künstlerische Werke nicht allein über den Haushalt der Stadt abzusichern. Ein bisschen mehr Fantasie wäre an dieser Stelle wirklich wünschenswert. Dirk Anger

 

Fotostrecke: Gerhard Richter - einer der weltweit bedeutendsten Maler

 

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