Mo., 18.06.2018

Rainald Grebe verhexte die Zuschauer in der Aasee-Aula Wild drauflos mit Liedern

Mimisch mindestens so schräg wie musikalisch: Rainald Grebe sorgte in der Aula am Aasee drei Stunden lang für Unterhaltung der ungewöhnlichen Art.

Mimisch mindestens so schräg wie musikalisch: Rainald Grebe sorgte in der Aula am Aasee drei Stunden lang für Unterhaltung der ungewöhnlichen Art. Foto: Heike Eickhoff

Münster - 

Rainald Grebe verhexte knapp drei Stunden lang die Zuschauer in der Aasee-Aula. Ob am Klavier, im Dialog mit Techniker und irgendwie-auch-Bühnenpartner, dem Techniker Franz Schumacher (Grebe: „Noch Kollege und Freund, bald nur noch Freund wegen der Einsparmaßnahmen.“), der über Leinwand und Lautsprecher von seinem Mischpult aus zugespielt wird – Grebe lässt keine Sekunde los, hat immer eine bunte Moderation zur Hand, teilt aus, scheint sich in seinen Liedern mit sparsamer Klavierbegleitung und leicht antikem Drum-Sound dann wieder zu erholen.

Von Heike Eickhoff

Mit Koffer und indianischem Kopfschmuck kam Rainald Grebe, hektisch (wie es seine Bühnenart ist) in die Aula gestolpert und plauderte wild drauflos. Schwups war er auf der Bühne und brachte mit einem pointierten (und überflüssigen) Soundcheck die Hörer wieder einmal zum Lachen, quakte mit elektronisch verzerrter „Mickey Mouse“- Stimme und ließ sich über den Hip Hop aus. Vor allem die Endreime im Hip-Hop hatten es ihm angetan. Mit „Palmöl aus Malmö“ will er nun selbst in den Hip-Hop einsteigen, verriet er.

Vor einigen Jahren wurde er vom Goethe-Institut zur Elfenbeinküste eingeladen, daher stamme der Titel des neuen Programms, erklärte Grebe: „Das Elfenbeinkonzert“. Und erklärte, dass die einzelnen Goethe-Institute ihre Mitarbeiter nach Gefahrenlage bezahlen. So erhielten die Mitarbeiter in Kabul das Gehalt entsprechend der 21 Punkten für die höchste Gefährdungsstufe. Dasselbe gelte aber auch für Abidjan, die Hauptstadt der Elfenbeinküste: „Wer ist zuständig für die vielen Konflikte in der Welt? Wahrscheinlich Goethe-Institut-Mitarbeiter, die finanziell nicht heruntergestuft werden wollen!“, frotzelte Gebe in seiner kaltschnäuzigen Art.

Grebe fand dann seinerzeit in Afrika einen Chor vor, der sogenannte deutsche Volkslieder hervorragend einstudiert hatte, und machte sich nun wiederum auf die Suche nach dem, was tatsächlich heute in Deutschland gesungen wird: „Was singt das deutsche Volk? Also nicht in Dresden!“ Das Publikum in Münster quittierten diesen Seitenhieb mit lautem Lachen. Rainald Grebe bekennt immer wieder politisch Farbe, positioniert sich gegen jeder Art von rechter Politik und für die Demokratie. Die Zuschauer dankten ihm ein ums andere Mal mit viel Beifall.

Einfühlsame Balladen, Persiflagen auf den Hip Hop (und dessen meist voll daneben gehende Endreime), viele zugespielte Videos, Live-Sketche und die Dialoge mit Franz (Schumacher) ließen die brillanten drei Stunden blitzschnell vergehen.



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