Prozessauftakt nach tödlichem Unfall
Angeklagter war der Polizei schon mehrfach aufgefallen

Münster -

Entschuldigung zum Prozess-Auftakt: Nach einem tödlichen Zusammenstoß auf der Warendorfer Straße hat sich der angeklagte 29-Jährige reumütig gezeigt. Der Polizei war er schon vor dem tödlichen Unfall mehrfach aufgefallen.

Mittwoch, 20.06.2018, 12:41 Uhr aktualisiert: 20.06.2018, 13:33 Uhr
Prozessauftakt nach tödlichem Unfall: Angeklagter war der Polizei schon mehrfach aufgefallen
Der Angeklagte (l.) und dessen Anwalt. Foto: Helmut Etzkorn

Der 29-jährige Todesfahrer von der Warendorfer Straße hatte offenbar geglaubt, der Kleinwagen, der aus einer Nebenstraße kam, bleibe stehen. Mit 111 Stundenkilometer raste der Verkäufer am späten Abend des 30. Januar mit seinem 340 PS-starken BMW ins Auto einer 31-Jährigen. Die Frau starb Stunden später im Krankenhaus .

"Es tut meinem Mandanten unendlich leid", meinte der Anwalt des Angeklagten zum Auftakt des Landgerichts-Prozesses am Mittwochmorgen vor der 8. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster. "Irgendwann" habe er nach der rasanten Beschleunigung das Auto aus der Seitenstraße wahrgenommen, bremsen konnte er dann allerdings wegen der hohen Geschwindigkeit nicht mehr.

Vor der Tour hatte der aktuell in Untersuchungshaft sitzende, ehemalige Einzelhandelsverkäufer bei "Stuhlmacher" erhebliche Mengen an Bier getrunken, die Blutprobe ergab später einen Alkoholgehalt von 1,36 Promille. Seine Freundin (20), die im Auto hinter ihm herfuhr, macht sich im nachhinein Vorwürfe. "Ich hätte ihn nicht fahren lassen dürfen", sagte sie vor dem Richter.

Warendorfer Straße: Polizei rekonstruiert tödlichen Unfall

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  • Warendorfer Straße: Polizei rekonstruiert tödlichen Unfall Foto: hpe
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Prozessdauer wurde verkürzt

Eine Verurteilung nach dem neuen "Raser-Paragraphen" kommt laut Einschätzung der Kammer nicht in Frage, weil der Mann seinen BMW nicht auf die höchstmögliche Geschwindigkeit beschleunigt habe. Schon vor dem Prozessauftakt war der von der Staatsanwaltschaft angeklagte Tötungsvorsatz vom Oberlandesgericht gekippt worden .

Der Prozess wird auf drei Verhandlungstage verkürzt, bereits am 28. Juni sollen die Gutachter zu Wort kommen. Ein Urteil könnte am 2. Juli gesprochen werden. Der Angeklagte ist vorbestraft wegen Polizisten-Beleidigung bei einer Verkehrskontrolle und Nötigung im Straßenverkehr. Auch musste er bereits seinen Führerschein für zwei Monate abgeben, weil er auf der Weseler Straße mit über 100 Stundenkilometern in eine Radarfalle gerast war.

Aktuell ist der Mann ohne Beschäftigung, sein Arbeitslosengeld geht für die Miete und die Raten für den Sportwagen, der bei dem Crash völlig zerstört wurde, drauf.   

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