Bau-Vorgaben
CDU und Grüne legen Energiestandards fest

Münster -

Bei Grundstücksvergaben und städtebaulichen Projekten gelten künftig genau fixierte Standards bei der Energieeffizienz. SPD und FDP warnen vor einem neuen Kostenschub.

Freitag, 22.06.2018, 08:00 Uhr
Bei der städtischen Grundstücksvergabe gelten künftig neue Vorgaben hinsichtlich Energieeffizienz. Sie können durch Fassadendämmung, aber auch anderweitig erfüllt werden. SPD und FDP befürchten weiter steigende Baupreise.
Bei der städtischen Grundstücksvergabe gelten künftig neue Vorgaben hinsichtlich Energieeffizienz. Sie können durch Fassadendämmung, aber auch anderweitig erfüllt werden. SPD und FDP befürchten weiter steigende Baupreise. Foto: dpa

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Mit den Stimmen von CDU und Grünen hat der Immobilienausschuss am Mittwochabend beschlossen, dass bei Grundstücksverkäufen der Stadt und städtebaulichen Verträgen künftig die Anforderungen „nach dem KfW-Effizienzhaus 55“ gelten. Das ist ein vergleichsweise strenger Wert und besagt, dass der Energieverbrauch eines Hauses maximal 55 Prozent eines zuvor festgelegten Referenzwertes betragen darf.

Von SPD und FDP kam heftigste Kritik, weil sie einen weiteren Schub bei Immobilienpreisen und Mieten in Münster befürchten. Der SPD-Ratsherr Mathias Kersting verwies auf ein Gutachten, wonach die Einhaltung der jetzt beschlossenen Richtlinie die Baukosten „um weitere 55 bis 75 Euro je Quadratmeter“ in die Höhe treibe. 

Schwarz-grüner Kompromiss

Der CDU-Ratsherr Peter Laurenz Börgel hingegen feierte den Beschluss als „guten Verhandlungserfolg“. Wie zu hören ist, kannte Börgel aber auch die Alternative. Die Grünen hatten sich auf den strengeren Wert KfW40 eingeschossen und drohten dem Vernehmen nach damit, für die von der CDU abgelehnte Milieuschutzsatzung zu stimmen, sollte der Bündnispartner nicht mitziehen. So kam der Kompromiss zustande.

Gleichwohl teilte Ratsherr Börgel die Bedenken von SPD und FDP. „Wir dürfen den Leuten nicht länger sagen, dass es günstiger wird“, sprach er den Immobiliendezernenten Matthias Peck an, der zuvor anders herum argumentiert hatte. Entwaffnend ehrlich war Börgels Äußerung, dass die CDU bereit sei, den „Sonderweg in Münster“ mitzugehen, „weil es der Wunsch unseres Koalitionspartners ist“.

Ganz anders die Argumentation des Grünen Bernd Leuters. Der Energiesparstandard KfW 55 sei „am Markt“ etabliert. Architekten, die sich auf Wärmeeffizienz spezialisiert hätten, würden auch günstig bauen, „weil sie ohne Schnörkel bauen“.

Auflagen als „sozialpolitisches Problem“

Die Replik von Kersting war heftig: Das Lob für den verschärften Standard „kommt doch nur von denen, die damit ihr Geld verdienen“. Die FDP machte an die Adresse der CDU den Vorschlag, sich auf den (niedrigeren) Standard zu einigen, auf den sich CDU und FDP auf Landesebene geeinigt hätten. Das lehnte die CDU-Fraktion aber ab.

Die vielen Auflagen am Bau werden damit, so der Kommentar des SPD-Fraktionschefs Dr. Michael Jung, „zu einem sozialpolitischen Problem“.

Trotz inhaltlicher Vorbehalte nannte CDU-Ratsherr Börgel auch einen Vorteil des neuen Standards. Es sei nicht allein auf das Thema Wärmedämmung fixiert. So sei es möglich, den erforderlichen Nachweis durch einen Fernwärmeanschluss zu erbringen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5839794?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker