Jahresvorstellung der Tanzschule Heidi Sievert im Großen Haus
Bänke zwischen Zweisamkeit und Wartezeit

Münster -

Wenige Möbel können es mit einer Bank im Freien aufnehmen: Sie gilt als Inbegriff romantischer Zweisamkeit, stellt Rast und Ruhe in Aussicht, schöne Aussichten ohnehin, lädt zu zufälligen Gesprächen wie reinster Muße ein. In ihrem Jahreskonzert „Schritt für Schritt“ hatte die Heidi Sievert Ballettschule Bänke in den thematischen Mittelpunkt gestellt.

Freitag, 22.06.2018, 18:40 Uhr
Die unterschiedlichen Gruppen der Tanzschule Heidi Sievert zeigten bei der Jahresvorstellung ihre Choreographien.
Die unterschiedlichen Gruppen der Tanzschule Heidi Sievert zeigten bei der Jahresvorstellung ihre Choreographien. Foto: Günter Moseler

Wenige Möbel können es mit einer Bank im Freien aufnehmen: Sie gilt als Inbegriff romantischer Zweisamkeit, stellt Rast und Ruhe in Aussicht, schöne Aussichten ohnehin, lädt zu zufälligen Gesprächen wie reinster Muße ein. In ihrem Jahreskonzert „Schritt für Schritt“ hatte die Heidi Sievert Ballettschule Bänke in den thematischen Mittelpunkt gestellt, keine Choreographie ohne die Panoramaperspektive klassischer Bänke – aus Münster und Umgebung!

Die Parkettreihen im Großen Haus waren hell belichtet: Kein Handy wollte einen eventuellen Moment für die Ewigkeit verpassen. „Spatzen und Tauben“ zeigte die ganz Kleinen, deren Spatzenflügel und Taubenkostüm ihre federleichten Tanzschritte noch zu beflügeln schienen. Eine einsame Bank in karger Winterlandschaft illuminierte einen Märchenwinter, in dem schneeweiße Ballerinen wie klassische Elfen vorüber glitten, Arabeske (gestrecktes Spielbein) und Attitude (gebogenes Spielbein) vorbildlich exekutierend. Eine weiße Parkbank im Irgendwo kontrastierte die im strengen Dutt und schwarzen Blusen auftretenden Mädchen zu majestätischen Klängen aus Jean-Philippe Rameaus „Castor et Pollux“, während in „Ranken“ die Tänzerinnen vor einer sonnenbeschienenen Bank der Schlossgarten-Orangerie wie Wasserwesen mit oszillierenden Lichtreflexen auf dem Boden verschmolzen.

Drei kreisrunde Lichtkegel symbolisierten die Positionen der berühmten Aasee-Kugeln von Claes Oldenburg, in deren Mitte jeweils eine Tänzerin sich dem freien Tanz hingab: als pochten hier die Herzen der steinernen Kugeln in Erwartung einer heiß ersehnten Bewegung.

Zwei „Bahnhof“-Nummern führten in eher unwirtliche Gefilde, vor einer eisernen Doppelbank hockten junge Damen auf gepackten Koffern, oder hetzten, joggten und spazierten im Jazz- und Hip-Hop-Modus hin und her, von einem imaginären Terminkalender über die Bühne gescheucht, und „Verliebte“ dieser Welt wirbelten himmelhochjauchzend durch sentimentale Blütenträume.

Die Psychologie der Bänke führte vorbei an Meeresstränden, einem riesenhaften Pfau, der Tanzende wie ein Drache beäugte, traten die kleinen Eleven noch einmal als Gartenzwerge mit schiefen Zipfelmützen auf und rettete eine fitte Damen-Mannschaft mit Jazzdance-Training vorab die Ehre deutscher Fußballnation. Die legendäre Schauspielerin Sarah Bernhardt bekannte einmal: „Der Tanz ist mein halbes Zuhause“ – und es schien, als wären alle Tänzerinnen und (kleinen) Tänzer von diesem Gefühl erfüllt gewesen.

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