Neue Schuldebatte in Münster
Schlaun-Gymnasium wehrt sich gegen Verlagerung

Münster -

Das Schlaun-Gymnasium wehrt sich gegen den SPD-Vorschlag einer Verlagerung – und findet Unterstützter. Zugleich wird die Forderung nach dem Bau eines weiteren Gymnasiums laut.

Freitag, 22.06.2018, 19:20 Uhr
Lehnt eine Verlagerung des Schlaun-Gymnasiums ab: Schulleiter Dr. Lothar Jansen  Dr. Lothar Jansen, Leiter des Schlaun-Gymnasiums
Lehnt eine Verlagerung des Schlaun-Gymnasiums ab: Schulleiter Dr. Lothar Jansen  Dr. Lothar Jansen, Leiter des Schlaun-Gymnasiums Foto: ohw

Kurz vor den Zeugnissen hat die SPD-Ratsfraktion in dieser Woche den Neubau des Schlaun-Gymnasiums in Gremmendorf ins Gespräch gebracht. Diesen Vorschlag zensiert Schulleiter Dr. Lothar Jansen unverzüglich und knallhart: „Note sechs für Schlaun-Verlagerung“, lässt er der SPD ausrichten.

„Wir benötigen zusätzlichen Schulraum“, stellt Jansen stattdessen unter Verweis auf die Entwicklung der Kinderzahlen in Münster fest. „Heute fehlen Kita-Plätze, in einigen Jahren, der typischen Bauzeit von Schulen, werden die weiterführenden Schulen etwa zwölf zusätzliche Eingangsklassen brauchen.“ Es sei deshalb völlig unsinnig, über die Verlagerung des Schlaun-Gymnasiums zu sprechen.

Das Schlaun ist ein Innenstadt-Gymnasium. Und das soll es langfristig bleiben.

Angela Stähler, CDU Münster

Politische Schützenhilfe bekommt Jansen von der CDU: „Das Schlaun ist ein Innenstadt-Gymnasium. Und das soll es langfristig bleiben“, erklärt die schulpolitische Sprecherin der Ratsfraktion, Angela Stähler. Das Schlaun müsse saniert werden, und das sei sehr aufwendig. Statt der von der SPD vorgeschlagenen Schulverlagerung betont Stähler: „Wir brauchen ein weiteres Gymnasium in Münster.“

Reicht der Raum?

Es scheint so, als steht der Stadt eine neuerliche Schuldebatte ins Haus: Denn auch aus Sicht von Schuldezernent Thomas Paal steht fest, dass Münster ein zusätzliches Gymnasium brauche. Das liege an der beschlossenen Umstellung zu G9. Denn nicht an allen Schulen gibt es offenbar ausreichend Platz, um die zusätzlichen Klassen dauerhaft unterbringen zu können.

Schulleiter Jansen betont unterdessen, „dass die Schüler des Schlauns überwiegend nicht aus Gremmendorf kommen, sondern aus allen Richtungen in der Stadt“. Münster brauche ein so zentral an Bült, Eisenbahnstraße und den Bahnhof angebundenes Innenstadtgymnasium, sagt der Schlaun-Direktor. Zugleich verweist er auf die negativen Folgen einer Verlegung für die schulische Arbeit: Diese zerstöre die enge Kooperation mit dem Ratsgymnasium und drei weiteren Gymnasien.

Gesamtschule in Gremmendorf?

Zum Hintergrund des SPD-Vorschlags sagt Jansen: „In der SPD-Gruppe, die sich mit dem Schlaun beschäftigte, sind ja prominente Vertreter von Konkurrenzschulen. Da fragt man sich, welche nichtausgesprochene Motivation vorliegt.“ Außerdem ließ der Schlaun-Schulleiter anklingen, dass die SPD womöglich darauf hoffe, nach der nächsten Kommunalwahl eine Gesamtschule in Gremmendorf realisieren zu können. Schließlich habe sich die Partei auf Landesebene für die Abschaffung der Gymnasien ausgesprochen.

Bei der Frage, wo ein zusätzliches Gymnasium in Münster gebaut werden soll, will sich CDU-Politikerin Stähler noch nicht festlegen: „Ich kann nicht sagen, dass Gremmendorf der einzig richtige Standort wäre.“ Sie will sich bei der Suche nach einem geeigneten Platz von den Zahlen der Stadtverwaltung leiten lassen. Stähler verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es sich um einen „sensiblen Prozess“ handelt. Teil dessen ist ein Gespräch der schulpolitischen Sprecher der Ratsfraktionen mit dem zuständigen Dezernenten im Juli noch vor den Ferien.

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