Mo., 25.06.2018

„Blaue Wende“ im rechten Spektrum Was Frauke Petry in Münster vorhat

Abgang von Frauke Petry in Berlin. Jetzt will sie auch in Münster die „blaue Wende“ voranbringen.  Ralf Schäpers koordiniert die „Blaue Wende“ in Münster.

Abgang von Frauke Petry in Berlin. Jetzt will sie auch in Münster die „Blaue Wende“ voranbringen.  Foto: dpa

Münster - 

Im Herbst hat sich die damalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry von ihrer Partei verabschiedet. Jetzt taucht sie mit der „Blauen Wende“ wieder auf - auch in Münster.

Von Dirk Anger

Die rechtspopulistische, auch im münsterischen Rat vertretene „Alternative für Deutschland“ (AfD) bekommt Konkurrenz im eigenen politischen Spektrum. Jetzt soll die „Blaue Wende“ die Stadt Münster und das Münsterland erreichen.

Das im vergangenen Herbst von der ehemaligen AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry im Streit über den wild ausufernden rechtsnationalen AfD-Kurs gegründete „Bürgerforum“ hat einen eigenen Koordinator für den Bezirk Münster benannt. Am 9. Juli soll es das erste sogenannte Bürger-Dialog-Forum geben zur Diesel-Krise (19 Uhr, Villa Rinaudo).

„Blaue Wende“ in Münster

Ralf Schäpers heißt neuerdings Petrys Statthalter in der Domstadt. Im Februar 2016 wurde er noch zum neuen Ortsvorsitzenden der FDP in Hiltrup, Amelsbüren und Berg Fidel gewählt. Inzwischen hat er den Freien Demokraten aber den Rücken gekehrt, wie er sagt. „Ich suchte was Neues.“

Das hat Schäpers für sich offenbar in der im Aufbau befindlichen „Blauen Wende“ gefunden. Schäpers zielt auf das „klassisch konservative bürgerliche Lager“ und stellt fest: „In die AfD wäre ich nicht eingetreten.“

Gleichwohl zielt man bei dem selbst ernannten Bürgerforum auch auf Überläufer von Rechtsaußen, die sich von den gezielten Tabubrüchen auch des AfD-Bundesvorsitzenden Alexander Gauland abgeschreckt fühlen könnten und in der Folge abwenden. So wie es eben schon früher Frauke Petry und ihr Ehemann, der Europapolitiker Marcus Pretzell, getan haben.

Bürokratieabbau ist ein Arbeitsgebiet

Die „Blaue Wende“ schreibt sich selbst die Merkmale „frei und konservativ“ zu, ein Traum von CSU auf Bundesebene geistert anscheinend durch die Köpfe derjenigen, die der AfD den Rücken gekehrt haben. Vor allem in Iserlohn, wo es seit dem vergangenen Jahr die bundesweit erste Blaue Fraktion gibt, nachdem sich einige von der „Alternative“ verabschiedet hatten.

„Wir wollen die Ideen der Bürger in die Parlamente tragen“, bleibt Schäpers auf Nachfrage zu den Zielen der Petry-Truppe allgemein. Bürokratieabbau und die Ausgabenpolitik der öffentlichen Hand nennt er dann aber doch als konkrete Arbeitsgebiete. Der Weg dürfte für Schäpers ein langer werden, in Münster baut er nach eigenem Bekunden aktuell auf ein halbes Dutzend Mitstreiter, in der Region sollen es „an die 60 Leute“ sein.

Baustellen der münsterischen AfD

Bei der münsterischen AfD sorgt die neue Konkurrenz im rechten Lager indes kaum für Aufregung. AfD-Kreissprecher und Ratsherr Martin Schiller spricht angesichts des Schäpers-Vorhabens von einer „Totgeburt“, von „lächerlichen Plänen, die zum Scheitern verurteilt sind“. Zugleich verweist er auf die vor wenigen Jahren erfolglose Gründung von Alfa, einer AfD-Abspaltung.

Auch vom umstrittenen Vergleich des AfD-Bundesvorsitzenden, der die Nazi-Zeit als „Vogelschiss“ in der Geschichte dargestellt hatte, befürchtet Schiller keine negativen Folgen. „Nicht glücklich, aber nicht verurteilungswürdig“, nennt der Ratsherr die aus seiner Sicht „flotte Rede“.

Ermittlungen wegen Körperverletzung

Der münsterische AfD-Chef hat unterdessen noch andere Baustellen: Er sieht sich weiter polizeilichen Ermittlungen wegen Körperverletzung ausgesetzt, wie die Behörde bestätigt. Im Zuge einer Parteiveranstaltungen soll Schiller einen Mann aus dem Gebäude der Stadtbücherei getragen und dabei verletzt haben. Gegen das von der Stadtverwaltung ausgesprochene zweijährige Verbot der Lesesaal-Nutzung geht die Partei vor: Man habe einen Rechtsanwalt beauftragt, der „gute Chancen auf Erfolg“ sieht.

Fotostrecke: Demonstration gegen AfD-Veranstaltung in Münster

Seit Kurzem unterhält die münsterische AfD-Ratsgruppe im Südviertel ein gemeinsames Büro mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Dr. Michael Espendiller, der eigentlich im Wahlkreis Steinfurt III angetreten war. Auf diesem Weg, so Schiller, hoffe man auch in Münster auf „andere Wahlergebnisse“. Bekanntlich haben die Rechtspopulisten hier bei der Bundestagswahl 2017 das schlechteste Ergebnis erzielt und blieben unter fünf Prozent der Zweitstimmen.



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