Fachpersonal fehlt
Pflege in Münster vor großen Herausforderungen

Münster -

2000 Pflegekräfte arbeiten an der Uniklinik Münster (UKM) – darunter rund 200, die in den vergangenen Monaten gezielt aus dem Ausland angeworben wurden. Um den Pflegenotstand, unter dem in Deutschland viele Krankenhäuser leiden, in den Griff zu bekommen, hatte sich das UKM – wie berichtet – in Zusammenarbeit mit einer Agentur in Frankfurt und einem weiteren Partner in Stuttgart in Europa, aber auch in Südamerika und Asien auf die Suche nach Pflegekräften begeben.

Dienstag, 26.06.2018, 09:00 Uhr aktualisiert: 26.06.2018, 09:05 Uhr
An vielen Krankenhäusern fehlen Pflegekräfte. Die Uniklinik hat sich ganz gezielt im Ausland auf Suche nach Mitarbeitern begeben.
An vielen Krankenhäusern fehlen Pflegekräfte. Die Uniklinik hat sich ganz gezielt im Ausland auf Suche nach Mitarbeitern begeben. Foto: dpa

Wie sieht die Situation in anderen Kliniken in Münster aus? Sind auch sie vom Pflegenotstand betroffen? Wie versuchen sie, Probleme in den Griff zu bekommen? Unsere Zeitung hat nachgefragt.

►  Raphaelsklinik und Clemenshospital:

An den beiden Kliniken, die von den Alexianern betrieben werden, gibt es 625 Vollzeitstellen, die sich auf rund 1055 Mitarbeiter verteilen. Aktuell sind im Pflegebereich drei Prozent der Stellen, also weniger als 15, unbesetzt. Für die Kliniken stelle dies eine große Herausforderung dar, betont Sprecher Michael Bührke. „Die Dienstpläne müssen tagesaktuell angepasst werden. Mitarbeiter gehen bis an ihre Belastungsgrenze, da sie einspringen müssen und entsprechend aus ihrer Freizeit geholt werden. Dies führt zu Überstunden und dient nicht der Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit“, so Bührke. Bei einem voll besetzten Stellenplan könnten beide Standorte mehr Patienten versorgen. Eine gezielte Anwerbung im Ausland habe es bislang allerdings nicht gegeben.

►  Evangelisches Krankenhaus Johannisstift:

Am Stichtag 31. Dezember 2017 waren im Evangelischen Krankenhaus 108 voll ausgebildete Pflegekräfte sowie zwölf Pflegehelferinnen und Pflegehelfer beschäftigt. Zur Zahl der aktuell unbesetzten Stellen könne sie aus Urlaubsgründen keine Angaben machen, so Sprecherin Carmen Möller-Sendler. Derzeit erweitere das Krankenhaus seine Intensivstation und befinde sich auf Personalsuche, auch in der Pflege. „Wir würden uns mehr Bewerber wünschen“, räumt sie ein. Eine Pflegekräfte-Anwerbung im Ausland habe es bislang in der Klinik nicht gegeben. „Wir können aber nicht ausschließen, dass wir das in Zukunft tun werden, weil uns das Thema Pflegekräftemangel natürlich auch betrifft. Wenn es nötig sein sollte, werden auch wir uns im Ausland umsehen.“

►  Herz-Jesu-Krankenhaus, Hiltrup:

Mehr als 500 Pflegekräfte sind im Herz-Jesu-Krankenhaus beschäftigt. Aufgrund natürlicher Fluktuation, so Sprecherin Klaudia Maleska, sind derzeit drei Vollzeitstellen nicht besetzt. Dies habe aber keine Auswirkungen auf den Pflegealltag. Wie Pflegedienstleiter Magnus Engeln berichtet, können bislang freie Stellen in der Regel mit Absolventen der Krankenpflegeschule St. Hildegard besetzt werden, an der neben dem Herz-Jesu-Krankenhaus auch die Alexianer beteiligt sind. Daher habe es bislang keine Anwerbeprogramme im Ausland gegeben. Die Zahl der Bewerber an der Schule sei allerdings zuletzt rückläufig gewesen. Dass die Klinik aktuell gut dastehe, führt Maleska unter anderem darauf zurück, dass die Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter attraktiv seien. So setze man auf verlässliche Dienstpläne, und Mitarbeiter müssten an freien Tagen nicht für Kollegen einspringen, die ausgefallen sind.

►  St. Franziskus-Hospital:

Hier arbeiten derzeit 600 Pflegekräfte, aktuell sind zehn Stellen unbesetzt, berichtet Pflegedirektor Leonhard Decker. Dies bleibe nicht ohne Auswirkungen auf den Pflegealltag. In einer Station seien fünf Betten geschlossen worden, in einer anderen, die sich gerade im Aufbau befindet, seien nur 24 von 30 Betten in Betrieb. Noch habe das Franziskus keine gezielte Anwerbung im Ausland vorgenommen. Über Kontakte der Klinik habe man allerdings drei Pflegekräfte aus Albanien eingestellt, außerdem fünf Kräfte aus Indien. „Auf diesem Weg wollen wir erste Erfahrungen mit Mitarbeitern aus dem Ausland sammeln“, sagt Decker, besser frühzeitig als zu spät, betont er. Denn er geht nicht davon aus, dass sich die Pflegesituation in den kommenden Jahren verbessern, sondern dass vielmehr das Gegenteil eintreten wird.

►  Uniklinik Münster:

Mit der Anwerbung von 200 Kräften in Ländern wie Brasilien, Kolumbien und Vietnam hat das UKM einen großen Schritt unternommen, um den Pflegenotstand in den Griff zu bekommen. Nun konzentriere man sich darauf, die Kollegen am UKM zu integrieren, so Sprecherin Marion Zahr. „Diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst, da die Erfahrung gezeigt hat, dass ein dauerhafter Erfolg nur möglich ist, wenn man die Kräfte nicht nur fachlich, sondern auch menschlich gut betreut.“ Sollte das UKM im Verlauf des Jahres 2018 feststellen, dass weitere Kräfte aus dem Ausland benötigt werden, dann werde man erneut in diesen Ländern aktiv.

Begrüßung neuer Pflegekräfte aus Brasilien am UKM

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  • Begrüßung neuer Pflegekräfte aus Brasilien am UKM Foto: Matthias Ahlke
  • Begrüßung neuer Pflegekräfte aus Brasilien am UKM Foto: Matthias Ahlke
  • Begrüßung neuer Pflegekräfte aus Brasilien am UKM Foto: Matthias Ahlke
  • Begrüßung neuer Pflegekräfte aus Brasilien am UKM Foto: Matthias Ahlke
  • Begrüßung neuer Pflegekräfte aus Brasilien am UKM Foto: Matthias Ahlke
  • Begrüßung neuer Pflegekräfte aus Brasilien am UKM Foto: Matthias Ahlke
  • Begrüßung neuer Pflegekräfte aus Brasilien am UKM Foto: Matthias Ahlke
  • Begrüßung neuer Pflegekräfte aus Brasilien am UKM Foto: Matthias Ahlke
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