Mi., 27.06.2018

Umstrittenes Vorhaben Das Wasserkonzept der Stadtwerke: Eine Frage des Standpunkts

Im Wasserwerk Geist soll nach den Dipol-Plänen der Stadtwerke künftig kein Trinkwasser mehr gewonnen werden. Allerdings soll weiter Grundwasser abgepumpt werden, damit die Bewohner in Berg Fidel und Vennheide keine nassen Keller bekommen.

Im Wasserwerk Geist soll nach den Dipol-Plänen der Stadtwerke künftig kein Trinkwasser mehr gewonnen werden. Allerdings soll weiter Grundwasser abgepumpt werden, damit die Bewohner in Berg Fidel und Vennheide keine nassen Keller bekommen. Foto: hpe

Münster - 

Die geplante Schließung von zwei Wasserwerken in Münster schlägt weiter hohe Wellen. Die Stadtwerke sprechen von der wirtschaftlichsten Lösung. Das überzeugt nicht jeden.

Von Dirk Anger

Wenige Tage bevor der Rat am 4. Juli über die Schließung von zwei Wasserwerken befinden will, kocht die öffentliche Debatte um dieses Thema noch einmal hoch. Das sogenannte Dipol-Konzept der Stadtwerke, das das Aus für die Wasserwerke Geist und Kinderhaus bedeutet, sieht eine verstärkte Trinkwassergewinnung aus verrieselndem Kanalwasser vor.

Aus Sicht des städtischen Versorgungsunternehmens stellt sich diese Variante als die wirtschaftlich günstigste dar, weil von den bislang vier Wasserwerken eben nur noch zwei für die Trinkwassergewinnung unterhalten werden müssen. Notwendige Investitionen in die beiden kleineren Wasserwerke lohnen sich nach Einschätzung des Unternehmens deutlich weniger.

Gleichzeitig sei bei diesem Modell die größte Versorgungssicherheit gegeben, versichern die Stadtwerke. Kritiker warnen indes unter Verweis auf zukünftige Generationen vor einer voreiligen Aufgabe von zwei Wassergewinnungsgebieten im Stadtgebiet Münsters.

Erhöhung des Wasserpreises

„Der Kiessandzug gibt nicht mehr her“, begründete unlängst der technische Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Dirk Wernicke die Ausgangssituation bei der Trinkwassergewinnung. Angesichts der weiter wachsenden Stadt Münster besteht demnach eine zwingende Notwendigkeit, auf anderem Weg die Trinkwassermenge zu erhöhen. Wernicke bemühte sich bei der jüngsten Vorstellung der Stadtwerke-Bilanz, Befürchtungen vor dem Dipol-Konzept zu nehmen. In diesem Zusammenhang verglich er den Dortmund-Ems-Kanal mit einer „langgezogenen Talsperre“. Am Ende sei es nicht anders als im Sauerland, so sein Verweis auf die Stauseen.

Die für 2019 vorgesehene Erhöhung des Wasserpreises soll nach Angaben des städtischen Versorgungsunternehmens „moderat“ ausfallen. Die Stadtwerke stellen klar, dass die Erhöhung nicht in direktem Zusammenhang mit dem Dipol-Konzept stehe. Dieses sei vielmehr die kostengünstigste Möglichkeit, die Wasserversorgung zu sanieren, heißt es. Auch im Fall einer Modernisierung der älteren Wasserwerke Geist und Kinderhaus wäre den Stadtwerken zufolge eine Refinanzierung der Investitionskosten über eine Anhebung des Wasserpreises vonnöten.

Zu kurzfristig geplant?

Dagegen stößt der im Juli anstehende Ratsbeschluss bei Linken-Fraktionssprecher Rüdiger Sagel auf massive Kritik. Er verweist auf die fehlende Versorgungssicherheit und nun geplante, stark steigende Kosten für die Bürger. „Das jetzige Wasserversorgungskonzept für Münster hat nur eine Perspektive bis 2030 und wird für Münsters Bürger sehr teuer.“

Es sei viel zu kurzfristig geplant, fast ausschließlich auf eine Versorgung aus Kanalwasser zu setzen. „Die Kosten des notwendigen Wasserhaltungsbetriebs der zur Schließung vorgesehenen zwei Wasserwerke von circa 100.000 Euro jährlich wie auch die Investitionskosten von circa 24 Millionen Euro würden über den Wasserpreis aufgefangen.“ Schon jetzt sei eine Erhöhung des Wasserpreises um 2,9 Prozent als Folge des Konzeptes geplant, kritisiert Sagel in einer Pressemitteilung und befürchtet weitere Erhöhungen.

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