„Wünschewagen“ der Malteser
Die letzte Fahrt in Richtung Nordsee

Münster -

Ein letztes Mal zur Nordsee – diesen Wunsch hatte Harald K. noch offen. Seine Kollegen von der Band hatten sich vorgenommen, ihrem Musikerfreund den Wunsch zu erfüllen. Noch im letzten Jahr waren die Freunde mit der gemeinsamen Band auf Tour. Dann hat eine Tumorerkrankung einen gehörigen Strich durch das Leben des leidenschaftlichen Musikers aus Münster gemacht. Von der Diagnose im Februar bis heute – inzwischen ist der 52-Jährige im Johannes-Hospiz verstorben – blieb nicht mehr viel Zeit.

Mittwoch, 27.06.2018, 09:00 Uhr aktualisiert: 27.06.2018, 14:39 Uhr
Alle notwendigen Instrumente sind startklar, gleich kann es losgehen an die Nordsee. Stefan Fehmer und Anne Terschluse betreuen den Bewohner des Johannes-Hospizes auch im Alltag.
Alle notwendigen Instrumente sind startklar, gleich kann es losgehen an die Nordsee. Stefan Fehmer und Anne Terschluse betreuen den Bewohner des Johannes-Hospizes auch im Alltag. Foto: Malteser Hilfsdienst

Mit der Frage, wie und wann diese Fahrt stattfinden könne, sind die Freunde an das Pflegeteam herangetreten. Stefan Fehmer, Pflegefachkraft im Johannes-Hospiz und seit mehr als 25 Jahren ehrenamtlicher Rettungssanitäter bei den Maltesern in Havixbeck, hat den „Wünschewagen“ für das Vorhaben begeistert, heißt es in einer Mitteilung der Malteser.

Und weil er die entsprechende Ausbildung hat, konnte Fehmer auch als Fahrer zur Verfügung stehen. Seine Kollegin Anne Terschluse, Pflegefachkraft im Johannes-Hospiz, hat die Fahrt begleitet: „Der Tag war unglaublich und hat sich nachhaltig eingeprägt bei uns allen.“

Beide Pflegekräfte betreuten den Musiker schon seit einigen Wochen als Bewohner im Johannes-Hospiz. So war Harald K. laut Mitteilung auch während der Fahrt in besten Händen.

Emotionale Wünschefahrt 

Morgens ging es los Richtung Wilhelmshaven mit dem Ziel Schilling nahe Horumersiel. Der erste Stau bei Osnabrück und die hohen Temperaturen machten es dem Team und dem Patienten nicht leichter.

An der Nordsee angekommen, warteten die Musikerfreunde mit einem Rollstuhl schon am Strand. Die Strandpromenade war ausgesucht worden, weil der Strand dort gut erreichbar ist. Es war der Wunsch von Harald, so nahe wie möglich ans Wasser zu können, um noch einmal den Geruch der Nordsee einzuatmen.

Es war bewegend, emotional, es gab Tränen, aber auch viel Freude – alle Beteiligten dieser Wünschefahrt an die Nordsee sind sich einig: „Für ihn, aber auch für uns war der Tag ein inniges letztes Erlebnis.“ Durch den Einsatz aller Beteiligten, besonders der Malteser in Havixbeck, die mit ihrem Motto „Weil Nähe zählt“ und großem Engagement den Wagen zur Verfügung gestellt hatten, und der beiden Pflegefachkräfte, die einen freien Tag eingesetzt haben, konnte der letzte Wunsch eines sterbenskranken Menschen zu diesem Erlebnis werden.

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