Mi., 27.06.2018

WM-Aus für Deutschland Trauerspiel beim Public Viewing

WM-Aus für Deutschland: Trauerspiel beim Public Viewing

Impression aus der Hafenarena vor dem Anpfiff... Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Nach dem Abpfiff verlassen die Fußball-Fans fluchtartig die Hafenarena im Jovel. Zurück bleibt eine Deutschland-Fahne, die zwischen leeren Plastikbechern und Bierpfützen auf dem Boden liegt – und ein Hafenarena-Veranstalter, der am Boden zerstört ist. Groß ist die Enttäuschung der Anhänger nach dem WM-Aus der DFB-Elf nach der Pleite gegen Südkorea - auch beim Public Viewing am Aasee. Ein Bericht sowie Fotostrecken vom Rudelgucken.

Von Martin Kalitscke

„Ich empfinde große Trauer und tiefe Enttäuschung“, sagt Bernd Redeker, nachdem Deutschland nach einer 0:2-Niederlage gegen Südkorea ausgeschieden ist.

Dabei hatte der Nachmittag so gut begonnen. Draußen Sonnenschein – und drinnen, in der „Urlaubsguru-Hafenarena“, ganz viel Optimismus. „Wir gewinnen 3:1“, sagt Cindy Pirch, die von ihrem Chef früher freibekommen hat, damit sie das WM-Spiel im Jovel verfolgen kann. Lal Makesh, eine Woche dienstlich in Münster, hat extra den Rückflug in seine Heimat Indien verschoben, um das Spiel der deutschen Mannschaft verfolgen zu können. Er tippt auf ein 2:0. Und Bernd Redeker? „Wir gewinnen 5:0“, ist er felsenfest überzeugt. „Zweimal Müller, einmal Gomez, einmal Reus, einmal Werner.“

Doch nach dem Anpfiff ist der Optimismus schnell verflogen. Mit jeder Chance, die das deutsche Team vergibt, und jedem Angriff der Südkoreaner wird es stiller in der Hafenarena. Keine Sprechchöre, kein Applaus, nur ab und zu eine verzweifelt quietschende Tröte.

Fotostrecke: Deutschland - Südkorea: Public Viewing in der Hafenarena

In der Halbzeit macht sich Ernüchterung breit. „Was für ein langweiliges Spiel“, stöhnt Pia Hetyei. „Ich bin enttäuscht.“ Dennoch ist sie optimistisch, dass ihr Tipp – 2:0 – noch Realität wird. „Die Deutschen spielen viel zu langsam“, meint Uwe Filipczyk. Doch auch er zweifelt nicht an einem deutschen Sieg. „Mit dem 5:0, das ist getippt habe, könnte es noch klappen.“ Skeptischer ist Lukas Günnigmann. Er korrigiert seinen 4:0-Tipp zu einem 1:0. „Maximal.“

Nervosität auf dem Platz - und bei den Fans

Aus den Boxen dröhnt „Oh, wie ist das schön“, doch in diese Halbzeitpause will der Gassenhauer so gar nicht passen. Dann geht es weiter, und nicht nur die deutsche Mannschaft wirkt wie ausgetauscht, sondern auch das Publikum in der Hafenarena. Mit jeder neuen Torchance, die sich das Team erkämpft, steigt der Geräuschpegel im Jovel – aber auch die Nervosität. Denn aus den Chancen werden keine Tore. Immer wieder sind Schreie wie „Oh nein!“ und „Lauf!“ zu hören. Immer mehr Fans ziehen ihre Smartphones aus der Tasche, um nachzuschauen, ob ein 0:0 für den Einzug ins Achtelfinale reichen würde.

Fotostrecke: Deutschland - Südkorea: Public Viewing vor der Mensa am Aasee

Schließlich wird die Nervosität zu Gereiztheit. „Jetzt steht Müller auch noch im Weg“, schreit ein Fan mit knallrotem Kopf. Als den Koreanern innerhalb weniger Minuten zwei Tore gelingen, kennt die Enttäuschung keine Grenzen mehr. Zuschauer halten sich die Hände vor die Augen, schütteln mit dem Kopf, wischen sich Tränen aus den Augen.

Nach dem Abpfiff kippen viele schnell den letzten Schluck Bier hinunter, dann wollen sie nur noch weg. „Wir sind verdient ausgeschieden“, sagt Hubert Borgmann. Isabel L. hatte sich bereits extra die nächste Woche freigeschaufelt, damit sie die nächsten Spiele der deutschen Mannschaft sehen kann. „Nun habe ich viel Zeit.“

Und Bernd Redeker? Drückt die Spielerinnen der USC-Mannschaft, die mit ihm das Spiel in der Hafenarena verfolgt haben – und sagt dann: „Wir sehen uns beim Endspiel.“ Der einzigen Partie, die nun noch in der Hafenarena übertragen wird.



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