Do., 28.06.2018

Belegplätze für zahlungswillige Arbeitgeber Kita-Plätze kann man kaufen

Belegplätze für zahlungswillige Arbeitgeber: Kita-Plätze kann man kaufen

Ohne Kita geht für berufstätige Eltern nichts. Foto: dpa

Münster - 

Eine Leserin unserer Zeitung ist nach eigenem Bekunden derzeit vergeblich auf der Suche nach einem Kita-Platz. Um so erstaunter war sie jetzt, als sie den Kindertagesbericht der Stadt Münster in die Hand nahm und die Seite 37 aufschlug.

Von Klaus Baumeister

Dort ist von „Belegplätzen für Betriebe in Kindertageseinrichtungen“ die Rede, 71 an der Zahl. Gibt es Arbeitgeber, die das Privileg reservierter Kita-Plätze für ihre Mitarbeiter genießen?

Arbeitgeber können Plätze finanzieren

Nein, so ist es nicht, erklärt die Jugendamtsleiterin Anna Pohl. Die Belegungsrechte seien daran gekoppelt, dass sich die Arbeitgeber zuvor auch an der Finanzierung der Kita-Plätze beteiligt haben. „Man kauft sich praktisch einen Platz“, erklärt Pohl das Prinzip. In dieser Hinsicht seien die Belegplätze ebenso im Sinne des Jugendamtes wie Betriebs-Kitas oder auch die betrieblich organisierte Kindertagespflege.

280 Plätze direkt bei Arbeitgeber-Kitas

Hier einige Zahlen dazu: In den fünf direkt von Arbeitgebern betriebenen Kitas (Uni-Klinik, Hengst-Filterwerke, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, BASF Coatings und Brillux) gibt es insgesamt 280 Plätze. Die angesprochenen Belegplätze nehmen die Rentenversicherung, die NRW-Bank, die Provinzial-Versicherung, die Stadtwerke, die Stadt selbst, die Uni Münster und der Landwirtschaftsverlag in Anspruch.

135 Plätze bei betrieblicher Kindertagespflege

Bleibt noch die betriebliche Kindertagespflege, die von 15 Arbeitgebern mit insgesamt 135 Plätzen betrieben wird. Das Prinzip: Bis zu maximal neun Kinder werden im Auftrag des Arbeitgebers von Tageseltern betreut. „Das ist ein vergleichsweise einfach und flexibel umzusetzendes Angebot“, so Anna Pohl.

Allen Arbeitgebern, die eigenes Geld in die Hand nehmen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern, haben laut Jugendamt die Sicherheit, dass sie im Falle einer fehlenden Auslastung durch eigene Mitarbeiter kein Risiko eingehen müssen. „Alles, was frei bleibt, wird von uns belegt.“



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