Raser-Prozess vor dem Landgericht
Todesfahrer ist voll schuldfähig

Münster -

Der 29-jährige Fahrer, der Ende Januar mit 111 Stundenkilometern auf der Warendorfer Straße bei einem Unfall eine 31-jährige Autofahrerin getötet hat, ist laut Gutachter „voll schuldfähig“. Ein Urteil wird am kommenden Montag gesprochen.

Donnerstag, 28.06.2018, 13:30 Uhr
Unfallrekonstruktion auf der warendorfer Straße.
Unfallrekonstruktion auf der warendorfer Straße. Foto: hpe

Vor seiner Todesfahrt am 30. Januar auf der Warendorfer Straße gab es bei dem Angeklagten keine psychischen Auffälligkeiten oder seelischen Störungen, damit gilt er als „voll schuldfähig“, so die psychiatrische Gutachterin am Donnerstag beim zweiten Prozesstag gegen einen 29-Jährigen. Der junge Mann war am 30. Januar abends mit seinem 340 PS-BMW 111 Stundenkilometer schnell in einen Kleinwagen gerast, die 31-jährige Fahrerin starb bei dem seitlichen Zusammenstoß.

„Neigt zur Selbstüberschätzung“

„Er neigt zur Selbstüberschätzung und hat ein geringes Verantwortungsbewusstsein“, so die Gutachterin in ihrem psychologischen Befund. Bis 2011 stand der Mann unter gesetzlicher Betreuung, es gab mehrfach psychiatrische Behandlungen. Später wirkte er gefestigter, schaffte den Realschulabschluss und eine Lehre. Danach war er als Verkäufer bei einem Herrenausstatter tätig, Monate vor dem Unfall zerbrach das Arbeitsverhältnis. Nach der Unfallfahrt sei die Stimmungslage gedrückt gewesen und der Leidensdruck wegen der Inhaftierung hoch gewesen, so die Ärztin.

Der Gefängnis-Psychologe berichtete von regelmäßigen Gesprächen mit dem Beschuldigten in der Untersuchungshaft. Über die Fachstelle für den Täter- und Opferausgleich werde aktuell versucht, ein Gespräch mit den Angehörigen zu vermitteln. Der Psychologe attestierte dem Beschuldigten ein „ernsthaftes Bemühen, etwas gegen das Leid der Hinterbliebenen tun zu wollen“.

Urteil am Montag

Polizei-Ermittlungsleiter Ulrich Bux berichtete von der Unfallrekonstruktion, die Wochen nach der Todesfahrt am Tatort durchgeführt wurde. Dafür waren abends Straßen gesperrt worden. Zuletzt sei er als Beifahrer an Bord gewesen, als die Hochgeschwindigkeitsfahrt nachvollzogen wurde. „Ein enges Sichtfeld“ im Auto sei ihm aufgefallen, so Bux.

Warendorfer Straße: Polizei rekonstruiert tödlichen Unfall

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  • Warendorfer Straße: Polizei rekonstruiert tödlichen Unfall Foto: hpe
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Am kommenden Montag, 2. Juli, will die 8. Große Strafkammer bereits ein Urteil fällen. Eine längere Haftstrafe droht. Auch wird entschieden, ob der Mann seinen Führerschein für immer abgeben muss.

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