Sa., 30.06.2018

Vorfahrt auf der Promenade Vielleicht eine Brücke nur für Radler

Planungsdezernent Robin Denstorff wirbt für Verbesserungen für Radler auf der Promenade und eine offene Diskussion.

Planungsdezernent Robin Denstorff wirbt für Verbesserungen für Radler auf der Promenade und eine offene Diskussion. Foto: Dirk Anger

Münster - 

Dass Verbesserungen für Radfahrer auf der Promenade nicht nur Beifall finden, weiß Stadtbaurat Robin Denstorff. Doch Veränderungen auf Münsters Leezen-Hauptschlagader seien sinnvoll, meint er im Interview.

Vorfahrt für Radler auf der Promenade – mit diesem Vorschlag hat Stadtbaurat Robin Denstorff eine lebhafte Diskussion ausgelöst. Zunächst soll es 2019 an vier Knotenpunkten deutliche Verbesserungen geben. Der Planungsdezernent wirbt für eine ideologiefreie Diskussion in Sachen Verkehr – und Verständnis auf allen Seiten, wie er im Interview mit unserem Redakteur Dirk Anger betont.

Herr Denstorff, fahren Sie selbst eigentlich Fahrrad in Münster?

Denstorff: Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Ich genieße das sehr, weil man an die frische Luft kommt und sich innerhalb der Stadt so am effizientesten bewegen kann.

Waren Sie immer Fahrradfahrer oder sind Sie es erst in Münster geworden?

Denstorff: Ich bin als Student immer mit dem Rad gefahren. In Rheinbach konnte ich sogar zur Fuß zur Arbeit gehen. In Remscheider Zeiten habe ich jeden Tag mindestens zwei Stunden im Auto gesessen. Insofern ist das heute in Münster ein Zugewinn an Lebensqualität.

Mit all diesen Erfahrungen können Sie sich ja bestens in die verminte Verkehrsdebatte wagen . . .

Denstorff: Ich glaube, wir müssen wegkommen von dieser Frontenbildung. Es findet längst ein Umparken im Kopf statt – das ist überall zu spüren. Die Bereitschaft, über Verkehr anders nachzudenken, ist da. Heute wählt man sein Verkehrsmittel danach, wie es für einen persönlich am komfortabelsten, effizientesten und preisgünstigsten ist. Auf dieser Basis müssen wir diskutieren, wie wir die Verkehrsinfrastruktur weiterentwickeln. Wir dürfen nicht immer denken, der eine will dem anderen etwas wegnehmen, sondern müssen etwas objektiver auf unsere eigenen Mobilitätsansprüche schauen. Das wäre ein guter Nährboden. Wir müssen einfach klüger mit den vorhandenen Ressourcen umgehen und dabei die Möglichkeiten der Digitalisierung intelligent nutzen.

Ihr Vorschlag für die Promenade hat Wellen ausgelöst. Überrascht Sie das?

Denstorff: Immer dann, wenn man etwas verändert, berührt das Menschen. Mich haben viele Reaktionen erreicht – positive wie negative. Aber es waren fast durchweg Reaktionen, die die Bereitschaft erkennen lassen, sich mit dem Thema differenziert zu beschäftigen. Das finde ich erst mal positiv. Es gibt berechtigte Sorgen, die wir aufgreifen. Aber wir müssen da anfangen, wo es naheliegend ist: Wenn ich die vierfache Menge an Fahrradfahrern über einen Knotenpunkt abwickle im Verhältnis zu den Pkw-Fahrern, dann muss man sich doch die Frage stellen, wen ich hier bevorrechtige.

Wie gehen Sie vor?

Denstorff: Wir werden natürlich eine saubere Planung aufsetzten. Dazu wird erst einmal an jedem Knotenpunkt eine Verkehrszählung durchgeführt – und zwar Pkw-, Lkw- und Bus-, Fahrradfahrten und natürlich Fußgänger. Jeder Knotenpunkt auf der Promenade hat seine ganz eigenen Charakteristika. Parallel dazu schauen wir, dass es durchgehend eine gewisse Verlässlichkeit gibt. Das ist der richtige planerische Ansatz.

Warum haben Sie sich eigentlich gerade die Promenade ausgesucht?

Denstorff: Die Promenade ist naheliegend, weil sie die Hauptschlagader unseres Radwegenetzes ist, auf das wir in Münster stolz sind. Deshalb sollten wir schauen, dass wir nicht diverse Stents setzen müssen, sondern den Kreislauf fit halten.

Lassen Sie uns konkret werden: Wo ist es einfacher, wo komplexer?

Denstorff: Die etwas einfacheren Knotenpunkte sind am Kreuztor, an der Kanalstraße und wahrscheinlich an der Salzstraße. Deshalb haben wir die als Erste ins Auge gefasst, um mit den üblichen Mitteln der Verkehrsplanung ohne massive Eingriffe ins Gefüge Lösungen zu finden. Das Hörstertor ist hinsichtlich der Verkehrsführungen komplexer. Hier haben wir starke Abbiegebeziehungen etwa Richtung Bohlweg. Das müssen wir uns genauer angucken.

Fotostrecke: An diesen Kreuzungen bekommt die Promenade Vorfahrt

Sie sprechen von Verlässlichkeit auf der Promenade. Was schwebt Ihnen vor – etwa Aufpflasterungen auf Promenadenniveau?

Denstorff: Das wird es dann voraussichtlich werden. Denn ich muss ja wiederum dem Pkw-Fahrer deutlich machen, dass da eine ganz klare Veränderung ist. Das funktioniert über Farbigkeit, Markierung und Beschilderung, aber eben auch über eine Höhenveränderung in der Fahrbahn, zum Beispiel eine Schwelle.

Gerade am Hörstertor ist viel los, wie Sie sagen. Was ist dort denkbar?

Denstorff: Wir haben beispielsweise einen grünen Pfeil für Radfahrer andiskutiert, die von der Promenade nach rechts in den Bohlweg abbiegen wollen. Dann stehen sie nicht zweimal vor einer roten Ampel. Ich kann mir auch eine dezente Anzeige an der Promenade vorstellen, die mir sagt, wie ich meine Geschwindigkeit anpassen soll, um die nächste Grün-Phase zu erreichen. Dann kann man ganz entspannt durchrollen. Am Hörs­tertor werden wir wohl nicht die Straße aufpflastern, aber eine Menge tun, damit der Radverkehr angenehmer und effizienter wird.

Auf der „Einflugschneise“ Salzstraße sind viele Fußgänger unterwegs: Kriegen die künftig eine Ampel?

Denstorff: Das ist eine Einzelplanung. Dazu kann ich noch nichts sagen. Wir werden uns mit unseren besten Verkehrsexperten und auch externem Sachverstand unterschiedliche Varianten angucken, um eine komfortable und sichere Lösung zu finden. Aber im Moment haben wir dort auch Unklarheiten. Viele Fußgänger trauen ihrer eigenen Bevorrechtigung nicht. Da müssen wir für Klarheit sorgen.

Wie weit ist man noch von einer Komplett-Lösung für die Promenade entfernt?

Denstorff: Das Idealbild von der Durchgängigkeit ist der kreuzungsfreie Verlauf wie etwa am Mauritztor. Aber es kann nicht das Ziel sein, die komplette Promenade zur U-Bahn umzubauen und den Radverkehr durchgängig tiefer zu legen. Insofern ist das Mauritztor keine Blaupause für alle Kreuzungen. Es kann aber an gewissen Stellen sinnvoll sein, über unterschiedliche Ebenen nachzudenken.

Also wie realistisch ist am Stadtgraben oder am Neutor eine Unterführung?

Denstorff: An Stadtgraben und Aegidiistraße kann ich mir durchaus mal eine mutige Prüfung vorstellen: Aber nicht unter der Erde, sondern dass man über eine Brückenlösung nachdenkt, weil es hier viele verschiedene Wegeziehungen gibt und mehrere Straße zu queren sind. Die Fahrradhauptstadt Deutschlands darf an so einer Stelle durchaus mal über eine Brücke für den Radverkehr diskutieren.



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