Raser-Prozess
29-Jähriger zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt

Münster -

(Aktualisiert: 15.15 Uhr). Im Landgericht fiel am heutigen Montagmittag das Urteil im Prozess gegen einen 29-jährigen Autofahrer, der im Januar bei einer Kollision auf der Warendorfer Straße in Münster eine 31-jährige Autofahrerin getötet hatte.

Montag, 02.07.2018, 11:57 Uhr aktualisiert: 02.07.2018, 15:19 Uhr
Im März wurde der Unfall auf der Warendorfer Straße von einem Sachverständigen rekonstruiert.
Im März wurde der Unfall auf der Warendorfer Straße von einem Sachverständigen rekonstruiert. Foto: Helmut Etzkorn

Der Todesfahrer von der Warendorfer Straße muss wegen fahrlässiger Tötung und vorsätzlicher Verkehrsgefährdung für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis, der Führerschein wird ihm für vier Jahre entzogen. Der 29-jährige Verkäufer war Ende Januar abends mit mindestens 111 Stundenkilometern auf der Warendorfer Straße stadtauswärts mit einem 340-PS-BMW unterwegs. An der Ecke Friedensstraße rammte er seitlich einen Peugeot, die 31-jährige Fahrerin kam bei dem heftigen Zusammenstoß ums Leben.

"Unverantwortliches und unvertretbares Tempo"

„Er war mit einem unverantwortlichen und unvertretbaren Tempo unterwegs und hat offenbar darauf vertraut, dass nichts passiert“, so der Richter in seiner Urteilsbegründung. Einen Tötungsvorsatz sahen die Richter bei dem hoch verschuldeten und inzwischen arbeitslosen Mann, der bei seiner Fahrt über 1,3 Promille Alkohol im Blut hatte, allerdings nicht. „Er ist in seiner Art sorglos, naiv und hat ein geringes Verantwortungsbewusstsein“, bescheinigten ihm die Richter. Weil Fluchtgefahr besteht, bleibt der Verurteilte in Untersuchungshaft.

"Sorglos und naiv"

Ein Unfallanalytiker hatte zu Beginn des dritten Prozesstages am Landgericht über eine Stunde lang sehr detailliert über die Spurenauswertung und Folgen des Zusammenpralls berichtet. Dafür wurden Crashtests ausgewertet, Fahrversuche gemacht und zahlreiche Bilder mit Protokollen herangezogen. „Unter dem Strich blieb dem Fahrer nur eine Reaktionszeit von 0,4 Sekunden, als er das Auto der Frau bemerkte“, so der Gutachter. Ob überhaupt noch der Notbremsassistent im Fahrzeug oder der 29-Jährige selbst durch Druck auf das Bremspedal reagiert hat, blieb unklar. Gebracht hätte es laut Sachverständigem ohnehin nichts mehr.

Warendorfer Straße: Polizei rekonstruiert tödlichen Unfall

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  • Warendorfer Straße: Polizei rekonstruiert tödlichen Unfall Foto: hpe
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Der schwere BMW bohrte sich an der Fahrerseite 65 Zentimeter tief in die Fahrgastzelle, der Sitz wurde mit der Frau bis auf den Beifahrersitz gedrückt. Ein so genannter Hochgeschwindigkeits-Seitenaufprall, der als „nicht überlebbar“ gilt. Der Kleinwagen wurde 29 Meter weit weggeschleudert.

Obwohl er Vorfahrt hatte, trifft ihn wegen des hohen Tempos die volle Schuld.

Gutachter

Wäre der 29-Jährige mit den zulässigen 50 Stundenkilometern unterwegs gewesen, hätte er gar nicht abbremsen müssen, weil die Frau mit ihrem Auto schon die Kreuzung überquert hätte. „Obwohl er Vorfahrt hatte, trifft ihn wegen des hohen Tempos die volle Schuld“, so das Fazit des Gutachters.

"extrem schlimme Tatfolgen"

Seit dem Unfall müssen Eltern und Angehörige psychologisch behandelt werden, das Gericht sprach von „extrem schlimmen Tatfolgen“. Vor dem Urteilsspruch entschuldigte sich der bislang im Prozess eher wortkarge Raser bei den Hinterbliebenen. „Wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen. Ich leide unter meiner Tat“, so der Mann. Sein Verteidiger sprach von „Bildern vor den Augen, die ihn quälen“. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten sowie eine fünfjährige Führerscheinsperre beantragt. Wegen „charakterlicher Mängel“ ist ungewiss, ob und wann der Mann wieder ein Auto lenken darf.

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