„Pott Jopp“ schließt sein Geschäft
Abschied von einer Handorfer Institution

Münster -

Deutscher Vater, Haus Münsterland, Wersehof – Handorf muss von einer Institution nach der anderen Abschied nehmen. Demnächst auch von „Pott Jopp“: Das legendäre Haushaltswarengeschäft schließt im Herbst. 

Montag, 02.07.2018, 17:10 Uhr aktualisiert: 02.07.2018, 20:14 Uhr
Josef Nientiedt gibt seinen Haushaltswarenladen in Handorf nach 65 Jahren auf.
Josef Nientiedt gibt seinen Haushaltswarenladen in Handorf nach 65 Jahren auf. Foto: spe

Schade. Das sagen die Kunden, die am Morgen den Laden betreten und es gar nicht fassen können. „Schade, ja“, sagt Josef Nientiedt betrübt, „aber ich kann es nicht ändern. Ich habe alles versucht . . .“ Der Kaufmann ist jetzt 88 Jahre alt, seit vielen Jahrzehnten betreibt er sein Haushaltswarengeschäft an der Handorfer Straße. Aus Alters- und Gesundheitsgründen müsse er sich nun zurückziehen, sagt er.

„Pott Jopp macht den Deckel drauf“

Doch der letzte Versuch, für Haus und Geschäft einen Nachfolger zu finden, sei erst vor wenigen Tagen gescheitert, berichtet Josef Nientiedt mit Bedauern. Nun zieht er den Schlussstrich: Im Herbst gibt er das Geschäft auf. „Pott Jopp macht den Deckel drauf“ – so steht es groß am Schaufenster.

„Pott Jopp“, das ist eine Institution in Handorf. Ein aus der Zeit gefallener Laden, in dem es irgendwie alles gibt. Geschirr und Besteck, Waschmaschinen und Kartoffelschäler, Kaffeefilter und Gartenschläuche, Spielzeug und Einmachgläser und noch viel mehr. Und einen Plausch beim Einkauf gleich dazu, schließlich kennt man sich im Ort. Generationen älterer Handorfer haben sich hier mit allem Nötigen versehen. Und die Jüngeren haben ihre Freude am bunten Sammelsurium. „Pott Jopp“, das war zuletzt auch eine Sehenswürdigkeit, beim Handorfer Herbst von Besuchern aus dem Umland respektvoll bestaunt.

Ich stehe seit 73 Jahren hinter der Theke, habe von der Pike auf gelernt.

Josef Nientiedt

1956 eröffnete Nientiedt das Geschäft an der Handorfer Straße. Da konnte der junge Inhaber schon auf viele Jahre kaufmännischer Erfahrung zurückblicken: „Ich stehe seit 73 Jahren hinter der Theke, habe von der Pike auf gelernt.“ Das Geschäft im Ortskern zu etablieren und immer weiter auszubauen, habe ihm und seiner Frau viel Spaß gemacht, sagt er zufrieden.

Keinen Nachfolger gefunden

Doch ein Nachfolger, der bereit gewesen wäre, den Warenbestand für einen angemessenen Preis zu kaufen, habe sich nicht finden lassen. Darum gibt es die kleine Lösung: Für das 200-Quadratmeter-Ladenlokal habe sich ein Interessent gefunden, und den Kundendienst für die Elektrogeräte übernimmt ab Oktober Firma Hartmeyer aus Telgte. Der Vorhang fällt beim Handorfer Herbst am letzten Sonntag im September.

Kommentar: Dramatischer Wandel

Nach all den schlechten Nachrichten über Schließungen, Insolvenzen und Abrissen in Handorf hatte man schon geglaubt, dass es nicht mehr viel schlimmer kommen kann. Doch. Mit „Pott Jopp“ verabschiedet sich ein Urgestein, eine weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannte Institution. Schade – aber absehbar. Ein Kaufmann, der noch Jahrzehnte nach Erreichen des Ruhestandsalters die Stellung hält, verdient Respekt. Doch für diese Art von Universalhandlung einen Nachfolger zu suchen, war natürlich schwer; ihn zu finden, letztlich unmöglich. Typisch Handorf, dass es 65 Jahre lang ein Fachgeschäft wie dieses barg. Typisch auch, dass es sich derzeit ändert. Handorf erlebt gerade eine dramatische Wandlung vom relativ selbstständigen Stadtteil zum münsterischen Vorort. Wer diese Entwicklung ein wenig dämpfen bremsen will, muss die Vereine und Verbände, die Kirchengemeinden, die Gastronomie – und natürlich auch den Einzelhandel – konsequent im Dorf lassen.

Lukas Speckmann

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