Mi., 04.07.2018

Millionen-Defizit am UKM Sparprogramm auf allen Ebenen

Baustelle Uniklinikum: Die Fassadensanierung der Türme geht weiter, unbeantwortet blieb die Frage, ob am Anbau im Vordergrund westlich des Westturms weitergearbeitet wird. Nach Beobachtungen von Mitarbeitern liegt diese Baustelle schon länger still.

Baustelle Uniklinikum: Die Fassadensanierung der Türme geht weiter, unbeantwortet blieb die Frage, ob am Anbau im Vordergrund westlich des Westturms weitergearbeitet wird. Nach Beobachtungen von Mitarbeitern liegt diese Baustelle schon länger still. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Das Universitätsklinikum ist gewaltig in den Miesen. Der Geschäftsbericht für das Jahr 2017 weist ein Minus von 29,5 Millionen Euro aus. Nun soll massiv gespart werden.

Von Karin Völker

Die Zeiten der roten Zahlen gehörten im Universitätsklinikum Münster (UKM) seit über zehn Jahren der Vergangenheit an. Jetzt steckt das UKM aber wieder massiv in der Defizitzone. Der am Montag dem Aufsichtsrat des UKM vorgelegte Geschäftsbericht für das Jahr 2017 weist ein Minus von 29,5 Millionen Euro aus. Der Vorstand, der bei der Sitzung entlastet wurde, legte gleichzeitig ein Sparprogramm für die nächsten drei Jahre vor.

Danach will sich das UKM bis 2020 mit eigenen Investitionen in die Infrastruktur zurückhalten und bei den Personalkosten sparen. Diese bilden mit 447,7 Millionen Euro für knapp 10 000 Beschäftigte den höchsten Ausgabeposten für das Klinikum. Im medizinisch-technischen Bereich und in der Verwaltung sollen frei werdende Stellen vorerst nur noch in Ausnahmefallen besetzt werden, wie aus einer Erklärung des Klinikums von Dienstag hervorgeht.

Fassadensanierung geht weiter

Als wesentlicher Grund für die Misere sieht das UKM aber, dass der „jahrelange Weg der Eigenfinanzierung von Investitionen in die Infrastruktur 2017 an Grenzen gestoßen“ sei. Darum will sich das UKM nun auch in diesem Bereich zurückhalten. Welche der zahlreichen Bauprojekte nun ruhen, darüber machte UKM-Sprecherin Anja Wengenroth keine Angaben. Die Fassaden­sanierung der Bettentürme gehe allerdings weiter, sagte sie. Keine Aussagen machte sie hingegen zu der Großbaustelle zwischen Westturm und Versorgungszen­trum, die nach Angaben von Mitarbeitern bereits seit Monaten stillliegt. Hier sollten eine Eltern-Kind-Abteilung der Neugeborenenmedizin und das Rechenzentrum des UKM neu entstehen.

Fotostrecke: Fassadenwechsel am UKM

Als Hauptproblem sieht der Vorstand den Investitionsstau bei der Infrastruktur. Mit den Zuwendungen seines Trägers, des Landes NRW, sei das Klinikum nicht auf einen wettbewerbsfähigen Stand zu bringen, heißt es aus diversen Abteilungen des Klinikums.

Pflegekräfte weiter dringend gesucht

Da stimme auch die Personalvertretung zu, sagte Leif Dryden, Personalrat für die nicht-wissenschaftlichen Beschäftigten, der schon im Juni in einer internen Veröffentlichung auf eine drohende Stellenbesetzungssperre hingewiesen hatte. „Die veraltete Infrastruktur macht den Betrieb teuer“, sagt auch Dryden.

Pflegekräfte werden allerdings weiter dringend gesucht und auch eingestellt. Denn das Defizit wird unter anderem darauf zurück­geführt, dass wegen des ­ Pflegekräftemangels „Bettensperrungen“ beschlossen und bei der Anzahl der Operationen Kürzungen vorgenommen worden seien. ­„Weniger Leistung bedeutet weniger Erlöse“, heißt es in der Erklärung.

Der ärztliche Direktor, Prof. Dr. Robert Nitsch, hatte zuletzt beim Neujahrsempfang des UKM einen dringenden Appell an das Land gerichtet, die Universitätsmedizin auskömmlich zu finanzieren. Das Land NRW ließ am Dienstag offen, wie es mit den Geschäftsergebnissen umgeht. Man befinde sich im engen Austausch mit dem UKM, erklärte am Abend eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums.  



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