Sa., 07.07.2018

Interview mit Aufsichtsrat Rainer Knoche Der Zoo der Zukunft kommt

Die Zucht der syrischen Braunbären – es gibt noch zwei ältere Tiere – wird im Allwetterzoo Münster nicht fortgesetzt.

Die Zucht der syrischen Braunbären – es gibt noch zwei ältere Tiere – wird im Allwetterzoo Münster nicht fortgesetzt. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Aufsichtsratschef Rainer Knoche ist mit der Zustimmung des Rates zum Masterplan für den Allwetterzoo zufrieden. Nun sei der Weg zum „Zoo der Zukunft“ frei.

Von Martin Kalitschke

Der Rat hat in dieser Woche grünes Licht für eine umfassende Sanierung und Neugestaltung des Allwetterzoos gegeben. 51 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren investiert werden. 20 Millionen wird die Stadt übernehmen, den Rest steuert der Zoo bei. Mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Allwetterzoos, Rainer Knoche, sprach unser Redakteur Martin Kalitschke.

Herr Knoche, Sie sind mit der Entscheidung des Rates sicherlich hoch zufrieden.

Knoche: Zufrieden und sehr dankbar, dass unsere erheblichen Bemühungen der vergangenen Jahre nun zum Erfolg geführt haben. Zoodirektor Dr. Thomas Wilms und seine Mitarbeiter haben viel Zeit und Aufwand betrieben, um für den Masterplan zu werben, er hat alle Fraktionen informiert und große Überzeugungsarbeit geleistet. Wo auch immer er den Masterplan vorstellte – er wurde sehr gut aufgenommen. Ich habe nach dem Votum des Rates jedenfalls den Eindruck, dass es die Politik als eine große Chance für Münster sieht, den Zoo zu modernisieren. Rainer Knoche ist Aufsichtsratsvorsitzender des münsterischen Allwetterzoos. Foto: Oliver Werner

Kritische Anmerkungen gab es im Rat zu den Eintrittspreisen – und zu den geplanten Erhöhungen.

Knoche: Das ist ein leidiges Thema und ein gern geäußerter Kritikpunkt. Die Preiserhöhungen, die bis 2030 geplant sind, sind prozentual geringer als die Erhöhungen in den vergangenen zehn Jahren. Ohne eine solche Anhebung wären die anstehenden Projekte allerdings gar nicht zu stemmen, das geht nicht anders. Es sei denn, man findet einen Förderer, doch den gibt es aktuell nicht. Nebenbei: Auch im Cineplex oder bei Preußen Münster werden die Eintrittspreise regelmäßig angehoben.

Wie steht Münster beim Eintritt im Vergleich zu anderen Zoo-Kommunen da?

Knoche: Da liegt Münster eher im Mittelfeld. In Osnabrück oder Gelsenkirchen wird mehr Eintritt verlangt. In den Niederlanden zahlt man teilweise zwischen 30 und 35 Euro. Kürzlich war ich mit meinen Enkeln im Phantasialand in Brühl – da zahlt man 47,50 Euro.

Fotostrecke: Tiere im Allwetterzoo Münster

Sehen Sie denn Möglichkeiten, in Zukunft an der Eintritts-Stellschraube zu drehen – zum Beispiel mit Sonderpreisen?

Knoche: Das ist Sache der Geschäftsleitung. Eine Aktion wie „Pay what you want“ war ja ein großer Erfolg. Das wurde jetzt erst einmal eingestellt, aber wenn der Zoodirektor eine Neuauflage für nötig hält, wird es das möglicherweise in zwei oder drei Jahren wieder geben.

Die FDP hat im Rat gefordert, nach dem ersten von mehreren Bauabschnitten eine Zwischenbilanz zu ziehen – und danach gegebenenfalls das weitere Vorgehen zu überdenken. Was halten Sie davon?

Knoche: Der Vorschlag ist uns schon seit Längerem bekannt. Und ja, wir wollen ebenfalls nach der ersten Stufe überprüfen, wie wir dastehen. Falls nötig, kann man dann durchaus nachjustieren.

Aber weitere Stufen womöglich ganz zu streichen, das kann doch nicht das Ziel sein, oder?

Knoche: Wir sind zuversichtlich, dass alles wie geplant klappen wird. Daran arbeiten wir derzeit mit Volldampf. Unter anderem wollen wir weitere Fördertöpfe anzapfen und in der Wirtschaft um Unterstützung werben. Das haben wir in den aktuellen Kalkulationen noch gar nicht drin.

Fotostrecke: Allwetterzoo Münster zeigt seinen Nachwuchs

Der Zoo will 31 Millionen Euro beisteuern. Die liegen bei Ihnen vermutlich nicht auf dem Konto.

Knoche: Nein, sicher nicht. Wir wollen das Geld unter anderem durch zusätzliche Aktivitäten generieren. Mehr Events, Schaffung eines Eventraumes, der unabhängig vom Zoo vermietet werden kann, und natürlich soll auch mehr Geld durch zusätzliche Besucher generiert werden. Bis 2030 wollen wir deren Zahl um 150 000 erhöhen, das ist maßvoll und machbar. Zudem unterstützt uns der Zoo-Verein mit seinen fast 13 000 Mitgliedern nach Kräften.

Warum müssen nun eigentlich 51 Millionen Euro investiert werden? Wurden in den vergangenen Jahren wichtige Investitionen aufgeschoben?

Knoche: Nein, da wurde ja auch schon viel gemacht. Der vorherige Zoo-Direktor Jörg Adler hat im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten des Zoos hervorragende Arbeit geleistet. Der Zoo ist jetzt 44 Jahre alt, und da hat sich halt ein erheblicher Verschleiß eingestellt. Nicht nur die Gebäude, auch viele Leitungen unter der Erde sind in die Jahre gekommen. Wenn etwas aufgeschoben wurde, dann lag das an unserer Kassenlage.

Wird der Zoo nach der Sanierung ein anderer Zoo sein?

Knoche: Das wird der Zoo der Zukunft. Was wir machen wollen – einen Klimazonenzoo schaffen –, das hat bislang niemand sonst gemacht.

Wird der Zoo 2030 noch Allwetterzoo heißen?

Knoche: Den Namen werden wir behalten, er ist gut eingeführt und hat bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal.

Was wird nach 2030 geschehen?

Knoche: Der Zoo wird auch danach nicht stillstehen. Wir wissen ja zum Beispiel heute noch nicht, welche Anforderungen dann an die Tierhaltung gestellt werden. Denkbar ist auch, dass das Thema Artenschutz dann noch stärker in den Fokus gerät.

Wird der Allwetterzoo nach Umsetzung des Masterplans überhaupt noch zu erkennen sein?

Knoche: Erhaltenswerte Teile werden dann sicherlich noch zu sehen sein. Andere, wie das Tropenhaus, unser größter Energiefresser, werden abgerissen und neu errichtet. Aber der Allwetterzoo wird auch dann noch der Allwetterzoo sein.

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