Nachbarschaftsfest
An der Bahlmannwiese verraucht der Zorn

Münster -

Es gab Zeiten, da haben sie sich nicht mehr gegrüßt. Doch die Nachbarn an der Bahlmannwiese sind auf einem guten Weg. Das hat dieses Wochenende gezeigt.

Sonntag, 08.07.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 09.07.2018, 09:15 Uhr
Viele Nachbarn haben ihren Beitrag zum Buffet geleistet. Völkerverständigung geht auch durch den Magen.
Viele Nachbarn haben ihren Beitrag zum Buffet geleistet. Völkerverständigung geht auch durch den Magen. Foto: Stefan Werding

Der Wind, der nach dem Bau des Flüchtlingsheims an der Bahlmannwiese eigentlich verschwunden sein müsste, umweht am Samstag sanft die Gäste des Nachbarschaftsfests. Seit dem Bau der Unterkunft für 46 Menschen ist das Fest nicht mehr so wie früher: Menschen mit Kopftüchern und dunkler Haut stehen an Biertischgarnituren, teilen Aprikosenkuchen und arabisches Gebäck, Weintrauben und Pizza, Kaffee und Heißwürstchen. Doch die Stimmung ist nach Auskunft der Feiernden wie früher: gut.
Nach den giftigen Diskussionen, die auch von ausländerfeindlichen Untertönen geprägt waren und in deren Verlauf unter anderem die Gegner argumentiert hatten, dass der geplante Bau mitten in einer „Frischluftschneise“ stehen würde, raufen sich nun die einst Streitenden wieder zusammen.

Kritiker feiert mit

Es gab Zeiten, da haben Nachbarn aufgehört, sich zu grüßen. Doch am Samstagnachmittag lassen sich vereinzelt selbst die damaligen Gegner des Baus sehen. „Die Lage hat sich wieder entspannt“, sagt Nachbar Johannes Massolle.

Nachbarschaftsfest an der Bahlmannwiese

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  • Seit dem Bau der Unterkunft für 46 Menschen ist das Nachbarschaftsfest nicht mehr so wie früher...

    Foto: Stefan Werding
  • Menschen mit Kopftüchern und dunkler Haut stehen an Biertischgarnituren, ...

    Foto: Stefan Werding
  • ... teilen Aprikosenkuchen und arabisches Gebäck, Weintrauben und Pizza, Kaffee und Heißwürstchen.

    Foto: Stefan Werding
  • Doch die Stimmung ist nach Auskunft der Feiernden wie früher: gut.

    Foto: Stefan Werding
  • Das Nachbarschaftsfest an der Bahlmannstraße gibt es schon länger.

    Foto: Stefan Werding
  • Doch in diesem Jahr waren zum ersten Mal auch die Bewohner der umstrittenen Flüchtlingsunterkunft mit dabei.

    Foto: Stefan Werding


Einer der Kritiker von damals steht zwischen den anderen Nachbarn. Er betont, nie etwas gegen Flüchtlinge gehabt zu haben, sondern sich vor allem über die Entscheidung der Stadt geärgert zu haben. Die habe für den Bau eine Wiese genutzt, die nicht als Bauland ausgeschrieben gewesen sei. Dabei habe es in der Umgebung genug davon gegeben. Doch der Ärger ist verraucht: „Das Gebäude sieht gut aus. Das ist alles in Ordnung. Und das Fest ist ein Weg, zur Normalität zurückzukehren“, sagt der Anwohner, der nicht mit Namen zitiert werden möchte.

Überraschend viele Besucher

Tatsächlich habe es seit März dieses Jahres, in dem die Menschen aus Aserbaidschan und Ägypten, Syrien und Bangladesch, Georgien und Pakistan an die Bahlmannstraße gezogen sind, nicht eine Beschwerde gegeben, wie Dominik Lietz von der Stadt sagt. Johannes Massolle, einer der Organisatoren des Fests, stellt fest, dass nicht viel mehr nötig waren als ein paar Flyer und Mails, um überraschend viele Anwohner mit selbst gebackenem Kuchen und Fischstäbchen als Fingerfood auf die Bahlmannwiese zu locken. Nebenan wohnen nun 46 Menschen, sechs von ihnen allein reisende Männer, zusätzlich Familien. Sobald ihr Asylantrag anerkannt ist oder sie subsidiären Schutz bekommen, müssen sie ausziehen. Jeweils zwei Familien teilen sich dort ein Bad und eine Küche.
Das Leben an der Bahlmannstraße hat sich weniger verändert als viele befürchtet haben. Nur auf dem Bolzplatz neben dem Haus und dem Spielplatz hört man wieder mehr Kinder.

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