Das Umzugs-Domino beginnt
So sehen die Umbau-Pläne für das Naturkundemuseum aus

Münster -

(Aktualisiert: 18.15 Uhr) Knapp elf Millionen Euro investiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in den Umbau des Naturkundemuseums. Am Montag wurde der neue Museumsentwicklungsplan vorgestellt. Der LWL will mit den geplanten Umbaumaßnahmen den Erfolg des Museums sichern, das laut Pressemitteilung zu den fünf meistbesuchten Naturkundemuseen in Deutschland gehört.

Montag, 09.07.2018, 18:34 Uhr
Noch blicken LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger und Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs vom Dach des Naturkundemuseums auf einen großen Vorplatz. Dort entsteht – voraussichtlich schon im kommenden Jahr – ein Erweiterungsbau.
Noch blicken LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger und Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs vom Dach des Naturkundemuseums auf einen großen Vorplatz. Dort entsteht – voraussichtlich schon im kommenden Jahr – ein Erweiterungsbau. Foto: Gunnar A. Pier

Ein gelb-schwarz-gestreiftes Klebeband markiert ein großes Karree auf dem Platz vor dem Naturkundemuseum. Doch diese Linie grenzt nicht Bannmeile oder rauchfreie Zone ab, sondern zeigt die künftigen Außenmaße des Backsteinbaus an: Das Museum wird erweitert. Mit rund elf Millionen Euro will der Landschaftsverband (LWL) die Einrichtung in den kommenden zehn Jahren zu einem „Forum für Natur­wissenschaften“ ausbauen. In diesem Jahr soll‘s schon losgehen.

Alles begann mit den Plänen, das Magazin des Museums in die Coerder Speicherstadt umzuziehen. Bisher lagern die rund 2,3 Millionen Exponate, die gerade nicht ausgestellt werden, im ersten Obergeschoss und in zusätzlich angemieteten Hallen im Umland. Wenn die Exponate im Herbst nach Coerde gebracht werden, machen sie 800 Quadrat­meter frei. Das erzeugte eine unheimliche Kreativität.

Der Museumsentwicklungsplan

Das Ergebnis: ein Museumsentwicklungsplan für die nächsten zehn Jahre. „Darin steht, was definitiv und dringend gemacht werden muss und welche Gelder dafür nötig sind“, erklärte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger am Montag. Das sei ziel­führender als per Salami-Taktik scheibchenweise einzelne Maßnahmen zu be­antragen.

Eintrittspreise ändern sich

Die Neuerungen im Naturkundemuseum und Planetarium werden voraussichtlich zu höheren Eintrittspreisen führen. Noch, so LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, sei das Planetarium in Münster deutschlandweit das günstigste seiner Güte. Nach einer Preiserhöhung von beispielsweise 1,50 Euro gehöre es immer noch zu den Schnäppchen.

Da im Herbst generell über die Eintrittspreise der LWL-Museen beraten werde, könnte auch das Naturkundemuseum teurer werden. Im Gegenzug sei jedoch freier Eintritt für Kinder und Jugendliche im Gespräch.

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So ließen sich die Beträge rechtzeitig einplanen. Die Politik jedenfalls würdigte das Konzept, bislang gab es nur Zustimmung. Dass der Landschaftsausschuss am Freitag Ja sagt, gilt als sicher.

Zentrum für Natur­wissenschaft

Dann kann das Umzugs-Domino beginnen. Der Anbau schafft Platz für eine neues Foyer, die Bibliothek zieht ins ehemalige Magazin. So wird es möglich, links vom Haupteingang einen Veranstaltungsraum für bis zu 300 Personen einzurichten und die Gastronomie direkt daneben zu platzieren.

Damit ließe sich dieser Bereich auch losgelöst vom Museum nutzen – beispielsweise von den vielen ehrenamtlichen Institutionen, in denen sich Hobby-Wissenschaftler schon jetzt mit der Tier- und Pflanzenwelt beschäftigen. Das trägt der Idee des Zentrums für Natur­wissenschaft Rechnung, der einst zur Gründung des Museums führte.

Ausstellung "Das Gehirn - Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl"

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  • In der Sonderausstellung "Das Gehirn - Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl" im LWL-Museum für Naturkunde dreht sich alles ums Gehirn - wie hier die von Gepard (links) und Löwe.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Reise ins Hirn mit dem modernen Touchscreen: Ausstellungsmacherin Dr. Julia Massier in der Ausstellung „Das Gehirn – Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl“.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Maschinenmensch MM7 aus dem Jahr 1961 und der nagelneue Roboter KIM

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Erkennen sich Affen, wenn sie sich im Spiegel sehen?

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Dr. Julia Massier (Biologin und Ausstellungsmacherin)

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Biologin und Volontärin Nicola Holm in der Sonderausstellung "Das Gehirn - Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu den spektakulärsten Exponaten gehören zwei Schnittpräparate aus dem Gehirn von Albert Einstein.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung wird vom 29. Juni 2018 bis 27. Oktober 2019 gezeigt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Lisa Klepfer (Kuratorin am LWL-Museum für Naturkunde), Dr. Jan Ole Kriegs (Direktor des LWL-Museums für Naturkunde), LWL-Direktor Matthias Löb und Frank Tafertshofer (LWL-Pressestelle) bei der Pressekonferenz zur Sonderausstellung "Das Gehirn - Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl" im LWL-Museum für Naturkunde (Naturkundemuseum) in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein plastiniertes menschliches Gehirn in der Sonderausstellung "Das Gehirn - Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl" im LWL-Museum für Naturkunde (Naturkundemuseum) in Münster. Die Ausstellung wird vom 29. Juni 2018 bis 27. Oktober 2019 gezeigt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu den spektakulärsten Exponaten gehören zwei Schnittpräparate aus dem Gehirn von Albert Einstein.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die ausstellung wird im Naturkundemuseum neben dem Zoo gezeigt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: LWL / Christoph Steinweg
  • Foto: LWL / Christoph Steinweg
  • Dr. Jan Ole Kriegs (Direktor des LWL-Museums für Naturkunde)

    Foto: Gunnar A. Pier
  • LWL-Direktor Matthias Löb im Londoner Taxi.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Roboter Sonny aus dem Film "I, robot"

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Erkennen sich Affen, wenn sie sich im Spiegel sehen?

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein plastiniertes menschliches Gehirn in der Sonderausstellung "Das Gehirn - Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl" im LWL-Museum für Naturkunde (Naturkundemuseum) in Münster. Die Ausstellung wird vom 29. Juni 2018 bis 27. Oktober 2019 gezeigt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu den spektakulärsten Exponaten gehören zwei Schnittpräparate aus dem Gehirn von Albert Einstein.

    Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Zu den spektakulärsten Exponaten gehören zwei Schnittpräparate aus dem Gehirn von Albert Einstein.

    Foto: Oliver Werner

Wo noch die Gastronomie untergebracht ist, wird wiederum Platz frei für ein ­ museumspädagogisches Lern­labor, und auf der bislang kaum genutzten Außenfläche – immerhin 6000 Qua­dratmeter groß – soll ein Aktivbereich entstehen. „Wir wollen die Distanz zwischen Wissenschaftlern und Museumsbesuchern aufheben“, erklärt Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs.

Modernisierung der Planetariums-Technik

Der Museumsplan ist so, wie er vorgestellt wurde, quasi durch. Die einzelnen Maßnahmen aber bedürfen dann jeweils eines eigenen Beschlusses. Für die alleine rund 4,5 Millionen Euro Modernisierung der Planetariums-Technik ist der Weg bereits frei, noch in diesem Jahr soll über den Anbau abgestimmt werden. Dann könnten schon im Jahr 2019 die Maurer kommen und die schwarz-gelb-gestreifte Vision Realität werden lassen.  

Zum Thema

Schon im Jahr 1892 bestand der Wunsch der Bevölkerung, nach einem naturkundlichen Landesmuseum als zentrale Anlaufstelle für private Bildung und fachliche Interessen im naturkundlichen Bereich. So wurde es gegründet als "ein Zentrum für fachlichen Austausch, einen Aufbewahrungsort für die umfangreichen naturkundlichen Privatsammlungen als Referenzsammlung für die heimische Artenvielfalt und ein Kompetenzzentrum für allgemeine fachliche Unterstützung sowie für die naturkundliche Bildung der Bevölkerung", wie es in den Statuten des Westfälischen Provinzialvereins für Wissenschaft und Kunst hieß, der neben dem Provinzialverband als Vorläufer des LWL an der Gründung beteiligt war.

Seit damals bestehen enge Kooperationen zwischen ehrenamtlicher Fachwelt und Museum. Heute bewahrt und pflegt das Museum in den Sammlungen über 2,3 Millionen Objekte. Die Museumssammlungen sind ein wichtiger Teil des naturkundlichen kulturellen Erbes Westfalen-Lippes und werden Ende 2018 in das neue Zentralmagazin des LWL ziehen.

Wissenschaftler des LWL-Museums betreuen die Sammlungen, betreiben biologisch-ökologische Landeserforschung und sind Ansprechpartner für ehrenamtliche Naturforscherinnen und Vereine. Am Museum werden Schriftenreihen sowie zahlreiche Einzelpublikationen herausgegeben. Das Museum gibt außerdem seit einigen Jahren gemeinsam mit Kooperationspartnern und tausenden Ehrenamtlichen Verbreitungsatlasse heimischer Arten, wie Vögel, Säugetiere oder Libellen heraus. Am 10. Juli erscheint das neueste Buch in der Reihe über "Die Orchideen Nordrhein-Westfalens".

2017 führte das Museum erstmalig das "Ehrenamtsforum" durch, eine Fachmesse, welche sich an alle ehrenamtlich tätigen und naturwissenschaftlich Interessierten richtete. Mit über 1.500 Interessierten und Aktiven war die Veranstaltung ein Erfolg.

Neben den beliebten Dauerausstellungen zum Wandel der westfälischen Artenvielfalt und zu den Dinosauriern sind weitere Sonderausstellungen, allesamt Eigenproduktionen, geplant: "Formen des Zusammenlebens" (2019), "Lebenskünstler Mensch" (2020), "Wald" (2021), "Vom Eisplaneten zum Treibhausklima" (2022), "Mikrokosmos" (2023) und "Gene - eine Reise durch das Erb-gut" (2024).

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Bilder von Museumsmalerin Beatrix Clement

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  • Vorne ein ausgestopfter Biber, der Fluss fließt im Hintergrund weiter: Die neuen Schaubilder leben vom Zusammenspiel von Vorder- und Hintergrund. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Auch diese fingierten Demo-Plakate hat Beatrix Clement gemalt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die Libelle kommt durch den Hintergrund besser zur Geltung.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Vier Meter groß: Diesen Wassertropfen malte Clement mit Hilfe eines Hubwagens.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Es geht um den Specht - zur Geltung kommt er auch durch den gemalten Hintergrund.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Es geht um den Fischreiher - zur Geltung kommt er auch durch den gemalten Hintergrund.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Es geht um den Vogel - zur Geltung kommt er auch durch den gemalten Hintergrund.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der figürlich Wald setzt sich im Diorama fort.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Es geht um den Vogel - zur Geltung kommt er auch durch den gemalten Hintergrund.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Es geht um den Vogel - zur Geltung kommt er auch durch den gemalten Hintergrund.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Auch dieser Weg setzt sich im Hintergrundbild fort.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Beatrix Clement im Atelier: Hier malt sie kleinere Motive, viele Bilder entstehen direkt in der Ausstellung.  

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: LWL/Steinweg
  • Foto: LWL/Steinweg
  • Foto: LWL/Steinweg
  • Foto: LWL/Steinweg

 


KOMMENTAR

Zoo und Naturkundemuseum investieren: Bildung kostet

Es tut sich etwas auf der Sentruper Höhe. Erst in der vergangenen Woche gab der Rat der Stadt grünes Licht für den 51 Millionen Euro schweren Masterplan, mit dem der Allwetterzoo auf Vordermann gebracht werden soll. Jetzt zieht das benachbarte Naturkundemuseum nach. Elf Millionen Euro sollen hier investiert werden. Beachtlich.

Es sind freilich gänzlich unterschiedliche Gremien und Geldtöpfe, die da beteiligt sind. Zoo-GmbH und städtischer Zuschuss hier, LWL-Etat dort. Doch die Gedanken sind hier wie dort gleich: Wie viele Millionen sind nötig? Und muss das alles wirklich sein?</p><p>Es muss. Denn Zoo und Naturkundemuseum sind keine sinnfreien Freizeitparks. Beide folgen einem Bildungsauftrag. Und in einer Welt, in der immer mehr Kindern Apps vertrauter sind als Affen und ein leerer Akku eher als Problem wahrgenommen wird als aussterbende Arten, ist es wichtig, die Grundlagen unserer Welt zu vermitteln.

Das ist heute schwieriger, als es je war. Umso wichtiger ist es, sich weiter zu entwickeln und den althergebrachten Stoff modern zu präsentieren. Und sei es mit Apps.

von Gunnar A. Pier

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