Diskussion zur Entwicklung der Gymnasien
„Hände weg von unserem Schlaun“

Münster -

Sanierung oder Neubau in Gremmendorf? Die Frage treibt zurzeit Schüler und Lehrer des Schlaun-Gymnasiums um. Die SPD wollte ihre Neubau-Pläne den Bürgern in einer Diskussion schmackhaft machen. Aber da bissen sie bei den „Schlaun-Eltern“ auf Granit.

Dienstag, 10.07.2018, 18:30 Uhr
Auf Einladung der SPD-Fraktion wurde über die Zukunft der Gymnasien diskutiert. Ein Thema war die Frage, wie es mit dem Schlaun weitergeht.
Auf Einladung der SPD-Fraktion wurde über die Zukunft der Gymnasien diskutiert. Ein Thema war die Frage, wie es mit dem Schlaun weitergeht. Foto: Oliver Werner

Wenn die SPD-Schulpolitiker die Diskussion im Sitzen moderiert hätten, so wäre ihr Stuhl ein ziemlich heißer gewesen. „Sie haben uns ordentlich verhauen“, schmunzelte denn auch am Ende Dr. Michael Jung, SPD-Fraktionschef im Stadtrat. Denn die Anwesenden bestanden fast ausschließlich aus Eltern, deren Kinder aufs Schlaun-Gymnasien gehen oder die in anderer Weise der zentral gelegen Schule verbunden sind.

Und diese möchte die SPD am liebsten in Gremmendorf neu errichten, da ein Sanierungsstau von 20 Millionen Euro aufgelaufen ist und die Gesamtkosten auf 45 Millionen geschätzt werden. Auch weitere schulpolitische Aspekte wie die rasch wachsende Einwohnerzahl auf ca. 330 000 sprechen laut SPD für diese Lösung. Aber das Votum der Zuhörerschaft war eindeutig: „Hände weg von unserem Schlaun!“

Es diskutierten Doris Feldmann (schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion), Mathias Kersting (SPD-Ratsherr), Karla Foerste (Vorstandsmitglied der Stadtelternschaft) und Dr. Lothar Jansen (Schulleiter des Schlaun-Gymnasiums).

Zustimmung für gegliedertes Schulsystem

Michael Jung zeigte anhand von Kurven die Entwicklung von Schülerzahlend der letzten zwölf Jahre nach, buchte den „Sanierungsstopp“ beim Schlaun aufs Konto von CDU und FDP und kam zum Ergebnis, dass Münster kein Gymnasium zu viel habe, gleichwohl aber eine Gesamtschule zu wenig. 300 abgewiesene Kinder für diese Schulform belegten dies.

Schlaun-Schulleiter Dr. Lothar Jansen hielt dem entgegen, dass laut Umfragen 80 Prozent der Eltern das gegliederte Schulsystem bevorzugen. Außerdem sei die SPD vorgeprescht. „Ich kann noch keine konkreten Vorgaben der Verwaltung sehen.“ Und noch etwas war ihm wichtig: die zentrale Lage seiner Schule an der Sonnenstraße. Da könne er als Physiklehrer eben ohne großen Aufwand mit der Klasse zum just installierten Pendel von Gerhard Richter in die Dominikanerkirche, um die Physik am schwingenden Objekt zu erläutern. Schmunzeln im Saal.

City-Lage entscheidend

In dieselbe Kerbe schlugen auch zahlreiche Eltern, für die die City-Lage entscheidend ist. Sogar Gremmendorfer waren dabei, die einen kürzeren Schulweg mit Achselzucken quittierten. Auch wurde deutlich, wie stark sich die Schlaun-Eleven mit ihrer Schule identifizieren. Stellvertretend äußerte sich Schülersprecher Maximilian Paus. „Wir brauchen keine tolle neue Aula – wir sind auch so, wie wir sind.“

Mäßigende Worte kamen von einem Zuhörer im Hinblick auf die Kosten: Die zahlende Allgemeinheit sei auch zu bedenken. Geradezu salomonisch klang der Vorschlag von Spanisch-Lehrerin Ulrike Le Breton: „Baut doch einfach für 30 Millionen eine Gesamtschule Gremmendorf und saniert für 15 Millionen unser Schlaun!“

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