Mi., 11.07.2018

Robert Nippoldt illustriert die „Bibliothek der Goldenen Zwanziger“ Erfrischendes Update für Klassiker

Robert Nippoldt  Zehn Klassiker umfasst der Buchschuber zur „Bibliothek der Goldenen Zwanziger“, den Robert Nippoldt auch entwarf. Mehrere kleine Bleistift-Entwürfe auf Büttenpapier hatte Nippoldt für Thomas Manns Bildungsroman „Der Zauberberg“ auf dem Tisch. Das Bergklinik-Motiv schaffte es später fertig bearbeitet auf den Buchdeckel (kl. Bilder).

Robert Nippoldt  Zehn Klassiker umfasst der Buchschuber zur „Bibliothek der Goldenen Zwanziger“, den Robert Nippoldt auch entwarf. Mehrere kleine Bleistift-Entwürfe auf Büttenpapier hatte Nippoldt für Thomas Manns Bildungsroman „Der Zauberberg“ auf dem Tisch. Das Bergklinik-Motiv schaffte es später fertig bearbeitet auf den Buchdeckel (kl. Bilder). Foto: Peter Sauer

Münster - 

Von weitem sieht der nachdenklich an einem Cocktailtisch sitzende Mann gepflegt aus. Näher betrachtet erkennt man den großen Flicken auf seinem abgewetzten Anzug, wie einzelne Fäden aus seinem Hut sprießen. Das Glas auf dem Tisch vor ihm ist eher halb leer als halb voll. Mit wenigen Mitteln sehr gekonnt auf den Punkt gebracht hat der münstersche Buchkünstler und Zeichner Robert Nippoldt den Absturz eines Angestellten in der Weltwirtschaftskrise, dessen Schicksal Hans Fallada in seinem Roman „Kleiner Mann – was nun?“ erzählt.

Von Peter Sauer

Die renommierte „Die-Zeit-Edition“ bringt im September die „Bibliothek der Goldenen Zwanziger“ heraus. Neben Fallada erscheinen neun weitere epochale Romane von Vicky Baum, Alfred Döblin über Thomas Mann bis Erich Maria Remarque in einer aufwendigen Neuauflage. Nippoldt gestaltete nicht nur die Buchcover, Schrifttypen (orientierte sich an damaliger Plakatschrift) und Buchrücken (mit den detailreich gezeichneten Konterfeis der Autoren), sondern auch den zur Edition passenden Buchschuber. „Den Auftrag erhielt ich über meine Illustration der Zeit-Vinyl-Edition „Miles Davis“.

Am Anfang standen viele Bleistift-Zeichnungen. „Es war mir wichtig, die Essenz, den Knackpunkt der Romane in einem Bild einfangen zu können. Das fing ich dann ein, mal mit Totalen, mal mit gezoomten Covern.“ Für „Der Zauberberg“ tendierten die Entwürfe zwischen Krankenstation, morbiden Patienten und prunkvoller Bergklinik. Bisweilen war Nippoldt mutiger als der Verlag. Ein verzweifelter Soldat mit Gasmaske auf dem Cover von Remarques „Im Westen nichts Neues“ wurde ebenso abgelehnt wie ein zu sehr an das aufkommende NS-Regime erinnernder Schwimmer in „Eine Zierde für den Verein“ von Marieluise Fleißer. Das endgültige Remarque-Cover eines im Boden versinkenden Soldaten gehört aber immer noch zu den stärksten Motiven, weil Nippoldt mit tiefen Schatten vor weißem Hintergrund die Ausweglosigkeit und den nahen Tod sehr plastisch einfängt.

Eine Herausforderung war das Bedrucken der Buchdecke aus Halbleinen. „Das Material ist haptisch schön; man kann es aber nicht mit feinen Serifen bedrucken.“ Frühe Entwürfe in Farbe verwarf Nippoldt und wählte eine gut in die Zwanziger Jahre passende Gestaltung aus Schwarz- und Brauntönen mit dosiertem goldenen Schimmer. Insgesamt verleihen die neuen silhouettenhaften Cover den zeitlosen Klassikern ein erfrischendes Update. Für neue Lust am Lesen. Für neues Kopfkino.



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