Fr., 13.07.2018

Internationaler Preis des Westfälischen Friedens Lettlands Staatspräsident Vejonis spricht über Nato-Gipfel in Brüssel

Der lettische Staatspräsident Raimonds Vejonis (l.) im Gespräch mit Redakteur Mirko Heuping im Medienhaus Aschendorff.

Der lettische Staatspräsident Raimonds Vejonis (l.) im Gespräch mit Redakteur Mirko Heuping im Medienhaus Aschendorff. Foto: Jürgen Christ

Münster - 

Nato-Gipfel in Brüssel: Angela Merkel, Donald Trump und Co. streiten über Militärausgaben und russische Gaslieferungen. Sie ringen um Handelsbeziehungen sowie um eine gemeinsame Erklärung als Zeichen der Stärke gegenüber Russland. Mit am Verhandlungstisch sitzt Raimonds Vejonis, Staatspräsident des kleinen Nato-Mitglieds Lettland. 

Von Mirko Heuping

Er diskutiert mit, versucht beschwichtigend auf die Konfliktparteien einzuwirken und ist am Ende „sehr glücklich“ über die von allen Mitgliedern unterschriebene Abschlusserklärung. Einen Tag später besucht Vejonis das Medienhaus Aschendorff in Münster – und gibt in einem Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung Einblicke in seine Sicht auf den Gipfel.

Für Lettland ist der Zusammenhalt der Nato von herausragender Bedeutung. Als direkter Nachbar Russlands blicken die Letten seit geraumer Zeit mit besonderer Nervosität auf die russischen Militäraktivitäten in der Ostukraine und auf der seit 2014 von Moskau besetzten Krim. Vejonis ist in Alarmbereitschaft. Obwohl durch die Adern des Staatspräsidenten durch die Herkunft seiner Mutter auch russisches Blut fließt, hat er eine deutliche Meinung zum Verhalten des großen Nachbarn: „Russland hält sich nicht an internationale Gesetze. Die internationale Gesellschaft kann dies nicht akzeptieren. Solange Russland seine Truppen nicht aus der Ukraine abzieht, ist es schwer, zu ihnen eine gute Beziehung zu führen.“

Lettland profitiert von einem Bündnisfall

Zwar müsse man alleine aufgrund der zahlreichen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen bezüglich der Grenzsicherung und des Transitverkehrs den Dialog mit Moskau aufrechterhalten, doch das Misstrauen überstrahle derzeit die Hoffnungen auf eine Normalisierung der Beziehungen.

Fotostrecke: Preis des Westfälischen Friedens für die baltischen Staaten

Deshalb ist Vejonis auch im Nato-internen Streit um die Erhöhung der Verteidigungsausgaben von eigenen Interessen getrieben. Lettland investiert als einer von fünf Staaten bereits heute die bis 2024 in der gesamten Nato anvisierten zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts und pocht darauf, dass die übrigen Mitglieder sich ebenfalls in diese Richtung bewegen. Schließlich würde das kleine Land im Falle weiterer russischer Aggressionen von einem Bündnisfall profitieren. „Natürlich wissen wir, dass zwei Prozent für Deutschland in absoluten Zahlen eine andere Dimension bedeuten als für uns, doch wir finden auch, dass die gemeinsamen Verpflichtungen in dem ver­einbarten Zeitrahmen ein­gehalten werden sollten“, sagt Vejonis.

Friedvoller Nato-Gipfel in Brüssel

Noch wichtiger als der konkrete Anteil am Verteidigungs-Budget sei ihm aber, dass er sich auf seine Bündnispartner verlassen könne und Lettland im Zweifel nicht wie im Zweiten Weltkrieg allein dastünde. „Denn im Baltikum wissen wir, was eine russische Besetzung bedeutet“, sagt Vejonis. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er für das deutsche ­Engagement in Litauen, wo die Bundeswehr das Kommando über den dortigen Nato-Truppenverband führt, viel Lob übrighat: „Wir schätzen den deutschen Beitrag für die Sicherheit in der Region sehr“

Aus dem aktuellen Konflikt der Kanzlerin mit Donald Trump hält sich der Staatspräsident lieber heraus. Allgemein sei der gerade beendete Gipfel in Brüssel aber sehr viel friedvoller gewesen als die vorherigen Zusammentreffen der Staatschefs, betont Vejonis. Ein möglicher Austritt der USA aus der Nato sei für ihn ­daher auch eine medial aufgebauschte Geschichte und keine realistische Option: „Ich weiß nicht, woher das kommt. Ich saß mit Donald Trump in drei Runden zusammen. In diesen hat er nur positiv über die Nato ­gesprochen.“



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