Fr., 13.07.2018

Verzögerungen bei Bauarbeiten Neubau am Bremer Platz startet nicht vor September

Aus der Luft kann man sehr gut erkennen, dass das Baufeld am Bremer Platz komplett freigeräumt ist. Aber die Bauarbeiten starten nicht vor September.

Aus der Luft kann man sehr gut erkennen, dass das Baufeld am Bremer Platz komplett freigeräumt ist. Aber die Bauarbeiten starten nicht vor September. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Warum passiert hier nichts? Das Baufeld am Bremer Platz dümpelt vor sich hin, der Neubau an Bahnhofs-Ostseite startet nach Angaben des Investors nicht vor September. Eigentlich war der Baubeginn schon früher geplant.

Von Klaus Baumeister

Die Bäume sind gefällt, die Ausgänge verschlossen, das Baufeld ist hergerichtet und die Ersatzstraße fertiggestellt – seit Wochen, teilweise sogar seit Monaten erweckt die Ost­seite des münsterischen Hauptbahnhofs den Eindruck, als könnten die jahrelang diskutierten Bauarbeiten dort sofort beginnen.

Tun sie aber nicht. Nach Auskunft von Kolja Linden, Pressesprecher des Investors Landmarken aus Aachen, werden im September oder Oktober die Bagger anrollen. Noch vor einem Jahr hieß es, dass Landmarken „im zweiten Quartal 2018“ am Bremer Platz starten werde. Bei der ersten Vorstellung der Neubaupläne im Juni 2016 war sogar noch von einem Baubeginn 2017 die Rede. Das Aachener Unternehmen hatte 2015 den Zuschlag für das Bauvorhaben erhalten.

Landmarken will am Bremer Platz einen Gebäudekomplex mit Empfangshalle, Geschäften, Radstadion, Wohnungen und einem Hotel schaffen.

Drei Gründe für die Verzögerung

Drei Gründe nennt ­Linden, warum der Bau­beginn nicht früher erfolgen könne. Der wichtigste: Es liegt für den Hochbau ­bislang keine Baugenehmigung vor. Das bestätigt auch Dirk Lohaus, Leiter des städtischen Bauordnungsamtes. Der Bauherr und die Stadt stünden im engen Kontakt, „die Prüfungen laufen noch“.

Grund Nummer zwei: Das Eisenbahnbundesamt muss die Fläche, die bislang der Bahn gehörte, noch entwidmen und damit für die Bebauung durch ein Privatunternehmen freigeben, so der Pressesprecher. Dieser Vorgang sei eine „Formalie“, bislang aber noch nicht erfolgt. In Münster kursierende Gerüchte, wonach es ­zwischen der Landmarken AG und der Bahn AG Pro­bleme mit dem Kaufvertrag gebe, dementierte der Pressesprecher.

Dritter Grund: Im nörd­lichen Bereich des Baufeldes gibt es noch einen soge nannten Verdachtspunkt, den der Kampfmittelräumdienst inspizieren muss, um die ­Gefahr eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg ausschließen zu können.
Ein solcher Verdachtspunkt, daran sei erinnert, hatte auf der Westseite des Hauptbahnhofs den Zeitplan für den Bahnhofsneubau ganz erheblich durcheinandergewirbelt.

 

Tunnel bleibt geschlossen

Die Bahn AG sieht derweil keinen Grund, den derzeit verschlossenen Haupttunnel vorübergehend wieder zu öffnen, auch wenn Tausende Bahnpendler, die von der Ostseite zum Hauptbahnhof gelangen, dann einen kürzeren Weg zum Bahngleis hätten. Eine Öffnung sei nicht opportun, heißt es in der Bahn-Pressestelle, da man von einem Baubeginn „innerhalb der nächsten 14 Tage“ ausgehe. Auf die Frage unserer Zeitung, wie es zu den unterschiedlichen An­gaben zum Baubeginn kommen könne, hat die Landmarken AG bislang nicht reagiert.

Kommentar: Die Ungeduld wächst

Gewiss, große Bauvorhaben wie der Neubau an der Bahnhofsostseite sind kompliziert. Da sind Verzögerungen an der Tagesordnung, da muss man Verständnis haben.Wer aber hat Verständnis für Tausende Pendler, die nunmehr seit Jahren rund um den Bahnhof mit Provisorien leben und kein Ende erkennen? Da sind die Passanten, die Tag für Tag einen stinkenden und versifften Hamburger Tunnel durchqueren müssen, obwohl sie lieber den neuen Bahnhofstunnel benutzen würden. Der aber ist an der Ostseite gesperrt. Das sind die Radfahrer, die sich Tag für Tag an der Westseite mit zu wenig Radständern herumquälen, weil die Ständer an der Ostseite weggefallen sind. Da sind die Taxifahrer, die sich auf einem völlig missratenen Bahnhofsvorplatz herumquetschen, weil es an der Ostseite keine Taxenvorfahrt mehr gibt.All diese Menschen sehen Tag für Tag ein frei geräumtes Baufeld am Bremer Platz, auf dem nicht gebaut wird. Da kommen einem nicht zitierfähige Gedanken – jeden Tag und tausendfach. - Klaus Baumeister

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