So., 15.07.2018

Preis des Westfälischen Friedens Friedenspreis in Münsters Rathaus verliehen

Preis des Westfälischen Friedens: Friedenspreis in Münsters Rathaus verliehen

Gruppenbild auf dem Rathausbalkon: Nach der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises grüßen die Staatsoberhäupter (v.l.) Estlands, Deutschlands, Litauens und Lettlands vom Sentenzbogen des Stadtweinhauses. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Großes Präsidenten-Stelldichein in Münsters guter Stube: Gleich vier Staatschefs winkten am Samstagmittag vom Rathausbalkon der Mebschenmenge auf dem Prinzipalmarkt zu. Estland, Lettland und Litauen haben in Münster gemeinsam mit den Pfadfindern den Preis des Westfälischen Friedens verliehen bekommen.

Von Frank Polke, Ralf Repöhler, Klaus Baumeister, Jan Hullmann

In Münster wurde der diesjährige Internationale Preis des Westfälischen Friedens in Münster verliehen. Die drei baltischen Preisträger trafen am Samstag pünktlich um 9.45 Uhr mit ihren Staatslimousinen vor dem münsterischen Rathaus ein - und wurden dort von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen. Hinter dem abgesperrten Bereich warteten hunderte Schaulustige, um die Preisträger gebührend in Empfang zu nehmen.

Um 9.35 Uhr war zunächst NRW-Ministerpräsident Armin Laschet vorgefahren, an der Treppe zum Rathaus wurde er von Münsters Bürgermeister Markus Lewe und dem Zweiten Vorsitzenden der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe, Benedikt Hüffer, in Empfang genommen. Ein kurzes Winken, dann gingen Laschet und Hüffer in den Friedenssaal.

Steinmeier scherzt

Steinmeier hatte Zeit, kurz mit den Wartenden auf dem Prinzipalmarkt zu sprechen. „Kommen Sie jetzt einmal im Monat zu uns nach Münster?”, fragte eine Frau aus Münster und spielte auf den Besuch Steinmeisters beim Katholikentag vor einem Monat an. Steinmeier, gut gelaunt und betont locker, lachte. „Wenn man Ihre schöne Stadt so sieht, ich würde auch noch häufiger kommen.” Dann ging er weiter, sprach einen jungen Vater an, der mit seinem kleinen Sohn unter den Wartenden stand. „So früh schon auf den Beinen? Schon eingekauft?” Der drei Jahre alte Sebastian antwortete lässig. „Wir waren schon auf dem Markt, weißt du.” Ein lautes Lachen, Steinmeier hatte sichtlich Freude am Gespräch auf dem Prinzipalmarkt.

Fünf Minuten später fuhren die drei Staatspräsidenten aus Estland, Lettland und Litauen vor, begleitet jeweils von einer Polizeieskorte. Beifall brandete auf, ein kurzer Handschlag mit Steinmeier, ein Winken in Richtung der Schaulustigen, dann ging es ins Rathaus. 

Fotostrecke: Preis des Westfälischen Friedens 2018 wird verliehen

Begrüßung ohne Schluck

Dort war der Goldene Hahn ausgeflogen. Der traditionelle Trinkpokal fehlte am Vormittag im Friedenssaal, als die Staatsoberhäupter sich in das Goldene Buch der Stadt eintrugen. Aus protokollarischen Gründen, der durchgetaktete Zeitplan war einfach zu eng, verrät Rainer Uetz, Leiter des Büros des Oberbürgermeisters.

So trugen sich zunächst die drei Staatsoberhäupter der baltischen Staaten, dann Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die Vertreter der Pfadfinder, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Dr. Benedikt Hüffer als Zweiter Vorsitzender der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe ganz nüchtern ein. Auf den Schluck Weißwein mussten sie verzichten. „Das passiert eigentlich sehr selten. Es hat weniger etwas mit dem frühen Vormittag zu tun, sondern mehr damit, dass es gleich so viele Ehrengäste auf einmal sind”, sagte Uetz.

Oberbürgermeister Markus Lewe begrüßte die Staatspräsidentinnen und Staatspräsidenten im Friedenssaal in englischer Sprache. „Wir sind sehr stolz, dass Sie hier sind. Es ist eine große Ehre für uns”, betonte Lewe. Münsters OB unterstrich die Idee und den Geist des Westfälischen Friedens. Die Verleihung des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens sei ein herausragendes Ereignis für Münster.

Festliche Preisverleihung

Anschließend ging es in den Festsaal des Rathauses, wo die Preisverleihung stattfand. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lobte in seiner Rede den Freiheitswillen der baltischen Staaten und forderte die Einhaltung rechtlicher Grundlagen im Verhältnis von Staaten ein. Dabei sprach er konkret die Annexion der Krim durch Russland an. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet pries in seiner Laudatio das Engagement der Pfadfinder. Die Preisverleihung wurde live im WDR-Fernsehen und per Livestream übertragen. Auf der Stubengasse wurde zudem ein Public Viewing angeboten.

Als sich die vier Staatsoberhäupter mit weiteren Ehrengästen nach dem Festakt auf dem Balkon zeigten, jubelten ihnen Hunderte Bürger vom Prinzipalmarkt aus zu. 

Abschließend  ging die litauische Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite noch zur Stubengasse, um das Publikum dort zu begrüßen. Auf dem Platz hatten die Preisträger Infostände aufgebaut und stellten sich den Fragen der Münsteraner. 

Am Litauen-Stand begrüßte Dalia Henke, die Vorsitzende des Litauischen Weltverbandes, „ihre“ Staatspräsidentin. Henke war eigens aus Hamburg angereist. Für die baltischen Staaten, so Henke, sei der Friedenspreis und die damit verbundene Anerkennung „sehr, sehr wichtig“. Gerade die kleinen Länder am Rande der Europäischen Union müssten um eine internationale Beachtung sehr kämpfen.

Abendessen im Museum

Bereits am Vorabend empfingen die Kuratoren des Internatio­nalen Preises des Westfälischen Friedens die diesjährigen Preisträger zu einem festlichen Abendessen im LWL-Museum für Kunst und Kultur am Domplatz. Auch die Laudatoren des Festaktes, Bundespräsident Steinmeier und NRW-Ministerpräsident Laschet, waren bereits am Freitag nach Münster gekommen, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen.

Fotostrecke: Prominente Gäste im LWL-Museum

Die Preisträger

Stifterin der mit insgesamt 100.000 Euro dotierten Auszeichnung ist die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen Lippe (WWL), ein Zusammenschluss verschiedener Unternehmer. Laut Jury-Begründung will die WWL die besonderen Bemühungen um europäische Integration der baltischen Staaten in ihrer exponierten und durchaus verwundbaren Lage am Rande Europas würdigen und stärken.

Fotostrecke: Preis des Westfälischen Friedens für die baltischen Staaten

Die Pfadfinder-Bewegung mit weltweit rund 50 Millionen Mitgliedern erhält den Preis für ihre gemeinsamen Werte, nach denen alle Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Glauben und Besitz in Frieden leben können sollen.

Der alle zwei Jahre verliehene Preis erinnert an den Westfälischen Friedensschluss von Münster und Osnabrück, der 1648 das Ende des Dreißigjährigen Krieges besiegelt hatte. In den vergangenen zwanzig Jahren ging der Preis unter anderem an die ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und Helmut Schmidt, die Besatzungen der Internationalen Raumstation ISS oder den ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan.

Fotostrecke: Westfälischer Friedenspreis: Die bisherigen Preisträger

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