Faktencheck zum Baulandprogramm
Ziel um 64 Prozent verfehlt

Münster -

Wunsch und Wirklichkeit liegen bei keinem anderen Thema in Münster so weit auseinander wie beim Wohnen. Das wird dann besonders sichtbar, wenn man die Pläne der ­Vergangenheit mit der Realität von heute abgleicht.

Dienstag, 17.07.2018, 06:50 Uhr aktualisiert: 17.07.2018, 06:55 Uhr
Ein Beispiel von vielen: 500 Wohnungen auf dem Gelände der alten Eissporthalle sollten 2015 baureif sein, doch der Investor hat Probleme. Jetzt hoffen Bauherr und Stadt, dass es 2019 was wird, dann aber mit 560 Wohnungen.
Ein Beispiel von vielen: 500 Wohnungen auf dem Gelände der alten Eissporthalle sollten 2015 baureif sein, doch der Investor hat Probleme. Jetzt hoffen Bauherr und Stadt, dass es 2019 was wird, dann aber mit 560 Wohnungen. Foto: Oliver Werner

Also: Zur Ratssitzung am 2. April 2014, gut sechs ­Wochen vor der Kommunalwahl 2014, legt die Stadt­verwaltung ein Bauland­programm vor. Dem ist unter anderem zu entnehmen, dass in den Jahren 2015 bis 2018 baureife Grundstücke für insgesamt 5707 Wohnungen zu Ver­fügung stehen sollen.

Im Detail sieht die Liste so aus: Flächen für 1478 Wohnungen sollen es 2015 sein, 1109 Wohnungen im Jahr 2016, 1535 Wohnungen im Jahr 2017 und 1585 Wohnungen im Jahr 2018.

Verzögerungen beim Großteil der Grundstücke

Der Faktencheck gut vier Jahre später fällt sehr ernüchternd aus. Für 3275 der 5707 geplanten Wohnungen liegt die „Baureife“ aktuell nicht vor und ist für dieses Jahr auch nicht zu ­erwarten.

2450 davon stehen zwar weiter im Baulandprogramm, es ergeben sich aber jeweils Verzögerungen um zwei bis vier Jahre.

Darüber hinaus verzichtet die Stadtverwaltung bei ­weiteren 825 Wohnungen, die 2014 aufgelistet wurden, im neuen Baulandprogramm auf ein Datum. Hier begnügt man sich mit einer „Flächensicherung“. Der tatsächliche Ausfall liegt noch darüber, da unsere ­Zeitung im detaillierten Faktencheck nur Projekte mit mindestens 100 Wohnungen berück­sichtigt hat. Darüber hinaus harren aber mindestens sieben Standorte mit insgesamt 375 Wohneinheiten der Umsetzung. Die ­werden im aktuellen Baulandprogramm, vorgelegt zur jüngsten Ratssitzung am 11. Juli, ebenfalls nur noch in der Kategorie „Flächen­sicherung“ geführt.

Dramatische Verdichtung eingeplant

Kurzum: Die Stadt Münster hat die vor der Kommunalwahl 2014 festgezurrten Ziele zur Ausweisung von Bauland in den Jahren 2015 bis 2018 um 64 Prozent und mehr verfehlt. Interessant ist eine weitere Beobachtung: Auf den Flächen für die 2450 Wohnungen, die sich noch in der Pipeline befinden, plant die Stadt jetzt insgesamt 3734 Wohnungen. Das heißt: Die Verzögerung geht einher mit einer dramatischen Verdichtung. Ohne mehr Bauland auszuweisen, werden 1284 Wohnungen mehr in den Listen auf­geführt.

Mehr Wohnungen sollen kommen - dafür später

Der Vergleich des 2014 beschlossenen Bauland-Programmes mit dem Bauland-Programm 2018 bringt die Schwierigkeiten zu Tage. Bei den seinerzeit für 2015 bis 2018 aufge­listeten Projekten, für die sich  noch keine Baureife ­ergibt, wurden nur die mit 100 Wohnungen und mehr berücksichtigt.

► Baugebiet südlich der Roddestraße: 190 Wohnungen, Baureife geplant für 2015. Jetzt neu geplant für 2019 mit 284 Wohnungen.

► Steinfurter Straße, Projekt Leoland auf dem Gelände der alten Eissporthalle:  500 Wohnungen, geplant für 2015. Neuer Plan: 560 Wohnungen im Jahr 2019.

► Wohnen am Hafen (Hafencenter und Neuhafen auf dem alten Osmo-Gelände), 350 Wohnungen, geplant für 2016. Neuer Plan: 550 Wohnungen (Neuhafen / Hafenkante) im Jahr 2020.

► Sentrup, Bauvorhaben Muckermannweg:  225 Wohnungen, geplant für 2016. Neuer Plan: Die Stadt beschränkt sich auf „Flächen­sicherung“.

► Gievenbeck, Oxford-Kaserne, Abschnitt 1, 300 Wohnungen, geplant für 2017. Neuer Plan: 110 Wohnungen im Jahr 2019, 410 Wohnungen im Jahr 2020.

► Gremmendorf, York-Kaserne:  Abschnitt 1, 260 Wohnungen, geplant für 2017. Neuer Plan: 110 Wohnungen im Jahr 2019.

► Innenstadt, Wohnprojekt auf dem Parkplatz Hörsterstraße:  200 Wohnungen, geplant für 2018. Neuer Plan: Die Stadt beschränkt sich auf „Flächensicherung“.

► Gievenbeck, Oxford-Kaserne:  Abschnitt 2, 300 Wohnungen, geplant für 2018. Neuer Plan: 435 Wohnungen im Jahr 2020.

► Umfeld Uni-Klinik, Baugebiet Albert-Schweitzer-Straße/Fliednerstraße: 100 Wohnungen, geplant für 2018. Neuer Plan: Stadt betreibt „Flächensicherung“.

► Albachten, östliche Erweiterung, südlicher Teil:  150 Wohnungen, geplant für 2018. Neuer: Plan: 475 Wohnungen im Jahr 2020.

► Kinderhaus, ehemaliger Sportplatz Westfalia Kinderhaus:  100 Wohnungen, geplant für 2018. Neuer Plan: Die Stadt beschränkt sich auf „Flächensicherung“.

► Gremmendorf, York-Kaserne, Abschnitt 2, 400 Wohnungen, geplant für 2018. Neuer Plan: 800 Wohnungen in 2020.

► Hiltrup, Baugebiet am Pfarrer-Ensink-Weg, 200 Wohnungen, geplant für 2018. Neuer Plan: „Flächensicherung“.

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