Wolbecker Straße
Geschäftsleute gegen „Tour de France“ auf dem Bürgersteig

Münster -

Parkplätze weg und dafür Fahrräder runter vom Bürgersteig – dieser Vorschlag der Grünen für einen Abschnitt der Wolbecker Straße ist bei den Kaufleuten vor Ort umstritten. Während die einen es wütend ablehnen, sehen andere eine „lebensgefährliche“ Situation behoben. Und schließlich gibt es noch einen alternativen Lösungsvorschlag:

Donnerstag, 19.07.2018, 14:00 Uhr aktualisiert: 20.07.2018, 12:36 Uhr
Der enge Bürgersteig entlang der Wolbecker Straße ist vielen Kaufleuten dort ein Dorn im Auge. Doch bei der Lösungssuche gehen die Meinungen auseinander.
Der enge Bürgersteig entlang der Wolbecker Straße ist vielen Kaufleuten dort ein Dorn im Auge. Doch bei der Lösungssuche gehen die Meinungen auseinander. Foto: Jan Hullmann

„Ja super, habe ich nur gedacht“, echauffiert sich Ludger Robert. Der Blumenhändler von der Wolbecker Straße kann der Idee der Grünen nichts abgewinnen, den Parkstreifen vor seinem Geschäft in einen Radweg umzuwandeln. Der Grundgedanke dahinter: Die Fußgänger hätten den an manchen Stellen sehr engen Bürgersteig für sich, die Gefahr von Unfällen soll dadurch sinken. Kritiker befürchten eine Schwächung des Einzelhandels durch die wegfallenden Parkplätze.

So sieht es auch Robert: „Wie stellen die sich das vor? Man muss doch auch mal was ein- und ausladen. Soll ich immer in der zweiten Reihe halten?“, fragt der Inhaber des Blumenhandels Rogée.

„Nachmittags ist hier Tour de France“

Nur zwei Häuser weiter ist die Sicht auf die Dinge eine ganz andere: „Ich glaube, dass es dadurch viel entspannter wird“, sagt Harald Schmidt, Mitbetreiber des Cafés Montmartre. Er habe aber auch keine Kunden, die mit dem Auto kommen, räumt er ein. Das Problem, das er sieht: Gerade nachmittags düsten die Radler im Pulk die Wolbecker Straße entlang. „Dann ist hier Tour de France.“

Helmut Spiekermann, Inhaber von Zweirad Reinhold, findet noch drastischere Worte: „Der Fußweg ist viel zu schmal, das ist hier lebensgefährlich!“ Für Martin Becker von Traix Cycles geht es „von städtischer Seite aus sogar in Richtung Fahrlässigkeit, die Radfahrer auf den zu schmalen Radweg zu zwingen“.

„Gerade wenn der Bus kommt und die Leute aussteigen, wird es gefährlich“, meint auch Stefan Oelrich, Geschäftsführer des Cafés Dreiklang Er findet den Vorschlag der Grünen „nicht so verkehrt” und hofft, ein paar Tische auf den Bürgersteig stellen zu dürfen, wenn dort keine Fahrräder mehr unterwegs sind. Wegfallende Parkplätze würden ihn nicht treffen. Seine Lieferanten parken im Hinterhof. Eine aus seiner Sicht sinnvolle Alternativ wäre es, einzelne Parkplätze für Fahrradständer zu opfern, sodass die abgestellten Räder vom Bürgersteig verschwinden.

„Meine Kunden beschweren sich jetzt schon“

„Auf keinen Fall!“, heißt es auf der anderen Straßenseite. Dort sieht man die angedachte Veränderung deutlich kritischer. „Meine Kunden beschweren sich jetzt schon, dass sie keine Parkplätze finden“, klagt Karl-Heinz Schaarschmidt von „Jalousien & Deco“. Sein Nachbar, Eishändler Augustino Grava, pflichtet ihm bei.

Dass es an der Wolbecker Straße so eng sei, liege auch daran, dass in den letzten Jahren mehreren Gastronomiebetrieben vom Ordnungsamt eine Genehmigung erteilt worden sei, ohne dass an die prekäre Verkehrs- und Parksituation gedacht worden wäre. „Warum geben Sie eine Konzession, wo kein Platz ist?“, fragt er sich.

Reaktionen zu den Radwegplänen an der Wolbecker Straße

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  • Der Vorschlag der Grünen, den Parkstreifen (rechts im Bild) entlang der Wolbecker Straße stadtauswärts zwischen Linnenbornstiege und Emdener Straße zu entfernen und stattdessen den Radweg auf die Fahrbahn zu verlagern, stößt bei den betroffenen Geschäftsleuten auf geteiltes Echo.

    Foto: Oliver Werner, Grafik: Jürgen Christ
  • Augustino Grava (l.) vom Eiscafé Grava auf der anderen Straßenseite und Ludger Robert von Blumen Rogée halten nichts von dem Vorschlag, die Parkplätze zu opfern.

    Foto: Jan Hullmann
  • Sie befürchten Einbußen, wenn Kunden keine Parkplätze finden bzw. sie selbst keinen Platz mehr zum be- und entladen haben.

    Foto: Jan Hullmann
  • Helmut Spiekermann (Zweirad Reinhold) hält die derzeitige Situation für zu gefährlich. Sein Vorschlag: Die Parkplätze erhalten und die Radfahrer trotzdem mit auf die Fahrbahn leiten.

    Foto: Jan Hullmann
  • Auch Martin Becker, Mitarbeiter bei Traix Cycles, hält die derzeitige Situation für zu gefährlich. Für ihn geht es „von städtischer Seite aus sogar in Richtung Fahrlässigkeit, die Radfahrer auf den zu schmalen Radweg zu zwingen“.

    Foto: Jan Hullmann
  • Stefan Oelrich, Geschäftsführer des Cafés Dreiklang befürwortet den Vorschlag der Grünen grundsätzlich, sieht aber auch den Bedarf an Parkplätzen für Anlieferungen. Sein Vorschlag: Mehr Autoparkplätze in Fahrradparkplätze umwandeln, damit der Bürgersteig freier wird.

    Foto: Jan Hullmann

Fahrradhändler Spiekermann hat einen Kompromissvorschlag: „Warum nicht die Parkplätze einfach beibehalten und die Fahrräder trotzdem auf die Straße lassen? Dafür müsste man nur eine Tempo-30-Zone einführen“, meint Spiekermann.

Die Debatte ist eröffnet.

 

 

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