Nachbarschaftsstreit in Münster
Krach um Musikstunden vor Gericht geklärt

Münster -

Missklänge im Mauritzviertel: Vor Gericht wurde jetzt ein Nachbarschaftsstreit um zu laute Unterrichtsstunden einer privaten Musikschule beigelegt. Den vom „Lärm“ gestörten Nachbarn gab der Richter noch eine unmissverständliche Botschaft auf den Weg.

Freitag, 20.07.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 20.07.2018, 07:35 Uhr
Der Musikunterricht einer privaten Schule ging den Nachbarn im Mauritzviertel gehörig auf die Nerven.
Der Musikunterricht einer privaten Schule ging den Nachbarn im Mauritzviertel gehörig auf die Nerven. Foto: Colourbox.de (Symbolbild)

Zwei biegeweiche Vorsatzschalen sollen helfen, den Frieden an der Dechaneistraße wiederherzustellen. Der Vorsitzende Richter der für Baurechtsfragen zuständigen Kammer gratulierte allen Beteiligten zu ihrer Kompromissfähigkeit, die einen Vergleich möglich gemacht hatte. Diese Vorsatzschalen helfen – richtig installiert – Lärm weiter zu minimieren.

Der Fall: An der Dechaneistraße hatten Nachbarn sich bei ihrem Vermieter über den Lärm einer privaten Musikschule beschwert. Dieser war daraufhin vor das Verwaltungsgericht gezogen, um die Rechtmäßigkeit der Nutzung der Wohnräume für Musikschulzwecke überprüfen zu lassen. Die Stadt hatte die Genehmigung dazu im Juli 2016 verweigert. Im Februar 2017 erteilte sie dann ihre Zustimmung.

Vor allem Schlagzeug und Klavier stören

Vorrangig ging es um einen Raum im Keller, in dem Schlagzeug gespielt und um einen weiteren Raum, in dem ein Klavier regelmäßig intensiv genutzt werde. Beide Räume bekommen jetzt Vorsatzschalen, die nach Ausführung eines Sachverständigen den Lärmschutz um weitere zwei bis vier Dezibel verbessern.

Wenn Sie das nicht wollen, ist es Ihnen unbenommen, in einen stillen Wald zu ziehen.

Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Münster

Der Richter hatte zunächst ausgeführt, dass es Lärm gebe, der in einer Stadt toleriert werden müsse, etwa der des Verkehrs oder der von Kindern. Aber auch etwa Musikmachen sei als „private Lebensäußerung“ erlaubt. „Wenn Sie das nicht wollen, ist es Ihnen unbenommen, in einen stillen Wald zu ziehen“, verdeutlichte er.

Vergleich zur Wiederherstellung des „nachbarlichen Friedens“

In diesem Fall liege zudem keine Grenzwertverletzung vor, wie sich auch bei einem Ortstermin herausgestellt habe. Deshalb diene der Vergleich der Wiederherstellung des „nachbarlichen Friedens in der Zukunft“.

Die Betreiberin der privaten Musikschule war „beigeladen“ worden, weil das Verfahren ihre Interessen erheblich berühre. Ihr Anwalt argumentierte, es sei nicht zumutbar, den Musikschulunterricht durch ein Zeitfenster einzuschränken. Er nehme aber den Hinweis auf, im Interesse einer guten Nachbarschaft die Musikschul-Aktivitäten nach 20 Uhr auf ein Minimum zu begrenzen. „Das muss im Praktischen gelebt werden“, appellierte der Vorsitzende.

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