Di., 24.07.2018

Özil-Debatte um Integration Preußen-Trainer Cihan Tasdelen: „Man muss miteinander sprechen“

Cihan Tasdelen trainiert die U19 der Preußen

Cihan Tasdelen trainiert die U19 der Preußen Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Cihan Tasdelen stammt aus der Türkei und trainiert die U19 des SC Preußen Münster. Er betont, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen im Gespräch bleiben müssen, damit die Integration gelingt.

Von Martin Kalitschke

Diskriminierung, Respektlosigkeit, Rassismus – wie ein roter Faden ziehen sich solche Vorwürfe durch die Stellungnahme von Mesut Özil. Damit hat er eine heikle Debatte angestoßen: Sind rassistische Anfeindungen im deutschen Fußball womöglich Alltag?

Ja, es gibt Rassismus, räumt Cihan Tasdelen ein. Er stammt aus der Türkei, kam 1998 in die Bundesrepublik und hat heute einen deutschen Pass. Tasdelen trainiert die U19 des SC Preußen Münster, war Integrationsbeauftrager des Westdeutschen Fußballverbandes und hat als Scout für die türkische Nationalmannschaft gearbeitet. „Rassismus gibt es im Fußball allerdings nicht nur in Deutschland“, stellt er klar – sondern auch in den meisten anderen Ländern, „auch in der Türkei“.

Reden, aufklären, um Verständnis werben

Die Mannschaft, die er in Münster trainiert, ist alles andere als homogen. Rund ein Drittel der Spieler hat nach seinen Angaben einen Migrationshintergrund. Gibt es Probleme, dann werde darüber gesprochen, sagt Tasdelen. Er erinnert sich an einen ägyptischen Spieler, „sehr religiös, ein feiner Kerl – aber lange ein Außenseiter“. Dann schaute sich die Mannschaft auf Tasdelens Initiative einen ägyptischen Spielfilm an, und das Eis war gebrochen. „Miteinander sprechen, gemeinsam lachen“ – das habe in diesem Fall geholfen.

Oft stehen der Verständigung kulturelle Unterschiede im Wege, hat er beobachtet. Wenn ein Teil der Spieler nach dem Match Bier trinkt – und die anderen konsterniert sind. Oder wenn Spieler mit Migrationshintergrund mit Turnhose duschen. Tasdelens Rezept: reden, aufklären, um Verständnis werben.

Rassismus im Fußball

Tasdelen ist übrigens gegen Vereine, in denen nur Spieler einer Nationalität sind. „Ein FC Syrien wäre nicht gut“, sagt er. „Nur in einem gemeinsam Team gelingt die Integration. Wir müssen die Spieler für uns gewinnen, dazu gibt es keine Alternative.“ Auch beim Kontakt mit den Fans setzt er auf Dialog. So führe er immer wieder Gespräche mit Ultras, „die kennen und respektieren mich“.

Dennoch: Im Fußball gebe es Rassismus und rassistische Sprüche – „auch von Türken oder Afghanen“. „Man muss das Thema vernünftig anpacken“, fordert Tasdelen. „Sonst nehmen die Probleme immer mehr zu.“



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