Mi., 25.07.2018

Dachdecker – direkt unter der Sonne 200 Grad auf dem Dach

Auf den Dächern – gleichsam direkt unter der Sonne – ist das Arbeiten in diesen heißen Tagen nicht leicht. Dachdeckergeselle Reinhard Kepler ist an die harte Arbeit gewöhnt.

Auf den Dächern – gleichsam direkt unter der Sonne – ist das Arbeiten in diesen heißen Tagen nicht leicht. Dachdeckergeselle Reinhard Kepler ist an die harte Arbeit gewöhnt. Foto: Oliver Werner

Münster - 

In diesen Tagen ist Uwe Scheunemann als Chef bei seinen Mitarbeitern besonders beliebt. Wenn der Dachdeckermeister seine Leute auf den Baustellen besucht, hat er immer eiskaltes Wasser in Flaschen dabei. „Mehr Gutes kann ich für meine Mitarbeiter bei diesem Wetter nicht tun“, erzählt er.

Von Erhard Kurlemann

Zur Zeit erledigt das Unternehmen viele kleine Aufträge. „Zwei Stunden hier, eine halbe Stunde dort – da können die Leute zwischendurch mal im Auto sitzen und ein bisschen abkühlen“, erläutert der Obermeister der Dachdeckerinnung die „Hitzestrategie“.

Wärme sammelt sich

Ansonsten helfe nur, „viel, viel, viel“ zu trinken. Auf einem Flachdach zum Beispiel sammle sich die Wärme ohnehin. „Und wenn man dann noch mit einem Brenner die Dachpappen entsprechend bearbeiten muss, kommen schnell 200 Grad zusammen“, beschreibt Scheunemann eine Alltagssituation.

Da sei es dann gestattet, dass die Mitarbeiter mal eine Pause mehr machten. „Auch dunkle Pfannen ziehen die Hitze an. Oft kann man gar nicht darauf knien oder sie gar anfassen.“

Weniger Leistung

Die Überlegung, einfach ein oder zwei Stunden früher anzufangen, sei zwar gut, lasse sich aber nicht überall umsetzen. „In einem Industriegebiet lässt sich das machen. Aber wenn ein Auftrag in einer Wohnsiedlung abzuarbeiten ist, gibt es wegen des Lärms schnell Ärger in der Nachbarschaft.“

Die Hitze führe zudem dazu, dass etwa zehn oder 15 Prozent weniger Leistung erbracht werde. „Da kann ich den Mitarbeitern keinen Vorwurf machen.“ 40 Wochenstunden müssen geleistet werden. „Da wollen die Kollegen Freitagmittags Feierabend haben.“ Deshalb könne die südeuropäische „Siesta“ – eine lange Mittagspause – um abends bei weniger Hitze weiterzuarbeiten, nicht umgesetzt werden.

Super-Sommer 2018

Seit nunmehr dreieinhalb Monaten herrscht in Münster überwiegend sommerliches Wetter. April und Mai waren so warm wie selten zuvor, auch im Juni und Juli lagen die Temperaturen deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Seit Februar scheint die Sonne zudem mehr als üblich – und der Niederschlag liegt unter dem Mittel. So kamen im Juli erst 8,3 Liter Regen pro Quadratmeter runter – knapp ein Zehntel der üblichen Regenmenge. Aktuell erlebt Münster die erste richtige Hitzewelle des Jahres. Am Dienstag wurden 34 Grad gemessen, bis Freitag soll das Thermometer auf 35 Grad steigen. Der Rekord von 1993 und 2012 – 37,5 Grad – wird aber wohl nicht gebrochen. Unsere Zeitung wird den Sonnen-Sommer mit einer Serie begleiten.



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