Do., 26.07.2018

Hohe Waldbrandgefahr in Münster Die Angst vor dem großen Feuer

Mit Sägen bearbeiten Sebastian Schoo (r.) und Tobias Hyronymus das Unterholz in der Hohen Ward, damit die Feuerwehr im Ernstfall besser manövrieren kann.

Mit Sägen bearbeiten Sebastian Schoo (r.) und Tobias Hyronymus das Unterholz in der Hohen Ward, damit die Feuerwehr im Ernstfall besser manövrieren kann. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Münster ist nicht Griechenland. Aber die Gefahr eines verheerenden Waldbrandes ist auch hier nicht zu unterschätzen, es gilt die zweithöchste Alarmstufe. Rauchen im Wald ist verboten. Parken auch.

Von Lukas Speckmann

Die Bilder der entsetzlichen Waldbrände in Griechenland sind an Dramatik kaum zu überbieten. Wäre so etwas in Münster denkbar?

Zweithöchste Waldbrandalarmstufe in NRW

Zu viel Hitze, zu viel Wind, zu wenig Wasser: Im Stadtgebiet gilt wie fast im gesamten Land NRW derzeit die zweithöchste Waldbrandalarmstufe 4, „hohe Gefahr“, berichtet Stadtförster Hans-Ulrich Menke. „Es ist sehr gefährlich. Die Situation wird zunehmend dramatisch.“ Es gebe in Münster Waldflächen, in denen die Schäden des Januarsturms „Friederike“ noch nicht beseitigt werden konnten; dort liegt noch viel Kronenholz auf dem Boden. Gerade hier könnte ein Funke eine Katastrophe auslösen, meint Menke: „Das Feuer kriegen Sie nicht mehr gestoppt.“

Fotostrecke: Verheerendes Inferno in Griechenland

Wald darf noch betreten werden

Noch hat es in diesem Jahr keinen Waldbrand in Münster gegeben. Anders als im Osten Deutschlands ist die höchste Alarmstufe 5 noch nicht ausgerufen. Stufe 4 bedeutet: Der Wald darf noch betreten werden. Aber auf keinen Fall darf im Wald geraucht, gegrillt oder irgendetwas verbrannt werden, betont Ludger Kolodziej von der Feuerwehr Münster.

Eine weitere Gefahr geht von Autos aus, die auf Waldwegen oder einfach nur auf trockenem Gras abgestellt werden. Denn das Gras sei jetzt bereits so ausgetrocknet wie sonst nur im Spätsommer; ein heißer Katalysator könne es leicht entzünden.

Kommentar: Stunde der Nichtraucher

Vor Kurzem erwischte ein Motorradpolizist in Sudmühle einen Autofahrer, der eine brennende Kippe auf den vertrockneten Seitenstreifen warf. Normalerweise eher eine Nachlässigkeit als ein schweres Vergehen – aber genau so entstehen Waldbrände. Klar, Münster ist nicht Griechenland. Schweden aber auch nicht: Eine Brandkatastrophe, die am Polarkreis möglich ist, kann auch unsere gemäßigten Breiten treffen. Die Waldbrandgefahr ist hoch, und jeder weitere Hitzetag erhöht sie noch. Jede Freiluftzigarette am Straßenrand, jeder Holzkohlegrill neben der ausgetrockneten Wiese, jeder heiß gelaufene Motor auf dem Feldweg, jede Glasscherbe, die zum Brennglas wird, kann eine Kettenreaktion auslösen. Was dagegen hilft, sind Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme. Wer seine Freizeit gerne im Grünen verbringt, sollte sich klarmachen, dass die Natur gerade jetzt auf übergroße Inanspruchnahme gerne verzichtet. Die Zigarette in Sudmühle hat 50 Euro gekostet. Eine Zigarette, die einen Brand auslöst, kann 25 .000 Euro kosten. Keine Zigarette ist einen dieser Beträge wert.

Feuerwehr und Forstbehörden bereiten sich vor

Feuerwehr und Forstbehörden überwachen alles und bereiten sich auf Einsätze vor. An der Landesfeuerwehrschule an der Wolbecker Straße werden regelmäßig „Luftbeobachter“ ausgebildet, um Brände in Wäldern besser einzuschätzen, bestätigt Ludger Kolodziej.

Im Bedarfsfall könnten Spezialtanks zum Einsatz kommen, in denen Löschwasser per Hubschrauber zum Brandherd geflogen wird. Auf dem Waldboden ist die Fortbewegung schwieriger: In der Hohen Ward werden derzeit die Waldwege so freigeschnitten, dass die Feuerwehr im Einsatzfall bessermanövrieren kann.

Hohe Ward sehr sensibel

Warum gerade hier? Die Hohe Ward ist durch ihren hohen Nadelholz-Anteil besonders sensibel, sagt Stadtförster Menke. Die langsam verrottenden Nadeln voll ätherischer Öle bilden eine Rohhumus-Schicht, die auch unterirdisch schwelen könnte und damit das Grundwasser im wichtigsten Wassergewinnungsgebiet der Stadt gefährden würde. Die benachbarte Davert sei durch ihren hohen Laubholzanteil vergleichsweise weniger gefährdet: „Bei Laubbäumen bleibt ein Feuer eher auf dem Boden und geht nicht in die Kronen.“

Besonders gefährdete Waldgebiete

Die besonders gefährdeten Waldgebiete befinden sich im Osten des Stadtgebiets – entlang des münsterischen Kiessandrückens: In Kasewinkel, im Boniburger Wald oder im Naturschutzgebiet Gelmerheide kommen sandige Böden und viele Nadelbäume vor. Würde sich die Gefahr nach einem Sommergewitter entspannen, wie sie in den nächsten Tagen möglich sind? „Nein“, meint Hans-Ulrich Menke, „wenn wir nicht auf 20 Millimeter und mehr kommen, dringt das Wasser nicht in den Boden ein“. 

Bäume leiden unter Sommerhitze

Nicht nur die Wald-, sondern auch die Stadt und Straßenbäume leiden sehr unter dem heißen Wetter, berichtet Franz-Josef Gövert vom Grünflächenamt. Manche werfen schon einen Teil ihres Laubs ab, andere wenden der Sonne die hellere Blattseite zu. Die flachwurzelnde Birke sei derzeit am stärksten betroffen, viele Birken würden den Sommer nicht überstehen. Die Gefahr eines großflächigen Brandes im bebauten Stadtgebiet sei aber gering – gefährdet seien vor allem zusammenhängende Waldflächen. Insgesamt gibt es in Münster rund 5000 Hektar Wald, von denen etwa 1000 Hektar der Stadt und den Stadtwerken gehören. Über 90 Prozent des städtischen Waldes besteht mittlerweile aus Laubbäumen.



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