Do., 26.07.2018

Gefährliche Fake-Wissenschaft Uni-Rektor warnt Forscher vor Betrug

Beim „March for Science“ demonstrierten auch Forscher und Studierende der Uni Münster. WWU-Rektor Johannes Wessels war dabei und er warnt, Mitglieder der Uni vor den Machenschaften sogenannter Raubverlage.

Beim „March for Science“ demonstrierten auch Forscher und Studierende der Uni Münster. WWU-Rektor Johannes Wessels war dabei und er warnt, Mitglieder der Uni vor den Machenschaften sogenannter Raubverlage. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Wissenschaftler wollen und müssen viel publizieren und fallen nicht selten auf betrügerische Raub-Verlage herein. Diese diskreditieren die Wissenschaft, warnt der Rektor der Universität Münster.

Von Karin Völker

„Es ist unklar, ob Wissenschaftler der Universität Münster dem Betrug aufgesessen sind, der seit etlichen Jahren die Seriosität der Wissenschaft beschädigt. Die Aktivität sogenannter Raubverlage hat jetzt den Rektor der Universität Münster, Prof. Johannes Wessels, dazu veranlasst, die Forscher der WWU explizit zu warnen, wie in der jüngsten Senatssitzung.

Nur wer publiziert, kommt weiter

Für Karrieren in der Wissenschaft zählt vor allem eine Währung: Nur wer viel publiziert, kann in seinem Fachgebiet weiterkommen. Und diese Anforderung bedienen neuerdings Verlage, die die in der internationalen akademischen Forschung üblichen Standards unterlaufen.

Hier werden Studien nicht gründlich von renommierten unabhängigen Forschern geprüft, bevor sie zur Veröffentlichung angenommen werden, um dann zum Erkenntnisgewinn und Fortschritt des Fachgebiets beizutragen. Diverse, angeblich wissenschaftliche Online-Magazine nehmen die Beiträge auf, manchmal gegen Zahlung eines nicht allzu großen Geldbetrages. Für manchen Wissenschaftler, der seine Arbeit bereits mehrfach ohne Erfolg bei Zeitschriften eingereicht hat, bisweilen verlockend, wie Wessels im Senat anmerkte.

Angesehene Wissenschaftler getäuscht

Ein Rechercheteam von ARD und Süddeutscher Zeitung hat mehrere Jahre in der Szene nachgeforscht und jetzt dargelegt, wie einfach es ist, pseudo-wissenschaftliche, vollkommen unsinnige Publikationen zu platzieren. Das Perfide: Sogar hoch angesehene Wissenschaftler, darunter ein deutscher Hochschulrektor, fielen auf Angebote solcher obskurer Verlage herein. Gerade diese Seriosität verheißenden Namen dienten anderen Forschern wiederum als Ausweis von Qualität.

Warnung auch vor Fake-Konferenzen

Die Warnung von WWU-Rektor Wessels richtete sich auch auf den Besuch sogenannter Fake-Konferenzen: Hier laden unseriöse Veranstalter Wissenschaftler ein, ihre Studien vorzustellen. Wer darauf hereinfällt, merkt in aller Regel schnell, dass er einem Betrug aufgesessen ist. Junge Wissenschaftler trauten sich aber oft nicht, anschließend an ihrer Heimat-Uni darüber zu berichten – zu peinlich, für eine Pseudo-Konferenz womöglich öffentliches Geld verschwendet zu haben.

Einladungen nicht leichtgläubig annehmen

„Raubverlage haben es einzig und allein auf Profit und nicht auf wissenschaftliche Redlichkeit abgesehen“, so Wessels in einer Stellungnahme. Jede einzelne Publikation auf diesen unseriösen Portalen schade der Wissenschaft. „Ich rate dringend dazu, insbesondere Einladungen zu Publikationen durch Verlage gründlich zu prüfen. An der Universität Münster arbeiten Spezialisten, die dabei gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen“, betont der Rektor.

Verlage und Zeitschriften vorher prüfen

Eine dieser Experten ist Dr. Stephanie Klötgen, Leiterin der „Digitalen Dienste" der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) Münster. Sie rät Wissenschaftlern dringend, „sich über die Qualitätskriterien zur Beurteilung von Verlagen und Zeitschriften zu informieren“, bevor sie ihre Studien dort zur Veröffentlichung freigeben. Klötgen sieht durch die Umtriebe der internationalen Raubverlage die Gefahr, „dass das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft Kratzer bekommen“, wie sie in einem auf der WWU-Homepage publizierten Interview sagt.

Diese Sorge treiben viele Forscher um, seitdem „alternative Fakten“ durch Politiker in höchsten Ämtern, wie etwa dem US-Präsidenten Donald Trump, hoffähig gemacht worden sind.

WWU-Rektor Wessels lässt kaum eine Gelegenheit aus, hier öffentlich dagegenzuhalten. Bei der Demon­stration zum international ausgerufenen „March for Science“ marschierte er mit dem WWU-Rektorat schon zweimal mit.



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