Heisskalt im Interview
Selbst ist die Band

Münster -

Heisskalt haben vor Kurzem ihr drittes Studio-Album herausgebracht. Nahezu in kompletter Eigenregie. Im November kommt die Band aus Sindelfingen und Böblingen in die Sputnikhalle. Wir haben mit Sänger und Gitarrist Matthias „Matze“ Bloech gesprochen.

Dienstag, 31.07.2018, 08:02 Uhr aktualisiert: 31.07.2018, 08:10 Uhr
Mathias Bloech, Marius Bornmann und Philipp Koch sind Heisskalt. Mit neuem Album kommen sie im November nach Münster.
Philipp Koch, Marius Bornmann, Mathias Bloech (v.l.) sind Heisskalt. Mit neuem Album kommen sie im November nach Münster. Foto: Ilkay Karakurt

Ich habe euch kürzlich in der Sendung von Christiane Falk auf Radioeins gehört und mich gefragt, warum ich euch bisher nicht kannte?

Mathias Bloech: Bisher haben wir mit Labels und Promo-Agenturen gearbeitet, mit denen wir uns den großen Hype auf einen Schlag erhofft haben. Das hat nur nicht so gut funktioniert. Vielleicht wirft unsere Musik auch nicht den großen Sommerhit ab (lacht). Aber ich sehe es als Erfolg an, dass du nur einen Monat nach dem Release des Albums im Radio davon erfahren hast. Darauf bauen wir, dass es sich herumspricht.

Also ohne Label ist alles besser?

Matze: Nein, das soll jetzt nicht heißen, das wir für immer ohne Promo-Agentur oder Label arbeiten wollen. Aber es ist uns gerade wichtig herausfinden, was passiert, wenn wir Leute anhauen, die wir auch persönlich kennen und sie bitten, etwas zum Album zu machen.

Ihr habt euer Album kostenlos zum Download angeboten. Warum? Und warum nicht auf „Bandcamp“?

Matze: Darüber haben wir nachgedacht, aber wir wollten, dass man die Platte vor allem auch bei uns bekommt. Na klar, wenn du streamen willst, kannst du sie bei allen Diensten finden. Ich finde Bandcamp auch total geil, aber wenn du das Album haben möchtest, verschenken oder es einfach nur besitzen willst, dann sollst du bei uns vorbeikommen und sie dir dort abholen.

So, Honig um den Mund. „Idylle“ gehört für mich bisher zu den besten drei deutschsprachigen Alben des Jahres. Welche Resonanz habt ihr wahrgenommen?

Matze: Wir haben auf der Tour noch mit unserem Live-Bassisten Daniel die alten Songs gespielt. Das fühlte sich bereits komisch an. Als das Album dann erschienen ist, gab es Leute, die sich vor den Kopf gestoßen fühlten. Klar, damit haben wir gerechnet, immerhin haben wir das Album im Stillen aufgenommen. Darüber hinaus war die Resonanz in erster Linie aber super respektvoll. Auch die Rezensionen, die ich gefunden habe - und ich versuche sie alle zu lesen, weil sie mich auch interessieren - waren schön. Das waren sogar teilweise intensive Erlebnisse, die mich zu neuen Songs inspiriert haben.

Ich habe Rezensionen gelesen, in denen eure Live-Qualitäten gelobt werden. Am 29. November kommt ihr nach Münster, dann kann sich jeder davon überzeugen. Aber ist die Sputnikhalle nicht zu groß?

Matze: Wenn wir in Stuttgart spielen, kommen da anderthalbtausend Leute. Und Münster ist eine gute Stadt für uns. Das letzte Mal, als wir am Hawerkamp gespielt haben, war die Halle auch sehr gut gefüllt.

Ich bin wirklich spät dran mit meiner Entdeckung.

Matze: Die EP, mit der wir damals angefangen haben, war nicht cool genug, dass die coolen Leute davon erzählt haben. Und die, die sie damals gefeiert haben, haben sich nicht getraut, etwas darüber zu sagen.

Ist ja wie ein Teufelskreis.

Matze: Zum Konzert sind dann trotzdem alle gekommen und haben bei „Dezemberluft“ geheult. Dann kam das Album und vielen war es zu hart, die sind dann wieder abgesprungen. Die Platte darauf, war zu depressiv, da sind wieder welche ausgestiegen. Ich habe das Gefühl, dass wir mit jeder Platte die Hälfte der Fans vergraulen (lacht). Aber es kommen auch immer neue hinzu, deshalb verstehe ich total, dass du uns noch nicht kanntest.

Naja, Isolation Berlin oder Die Nerven kenne ich ja schon seit vielen Alben.

Matze: Max wird es hassen, wenn er das jetzt hier liest, aber Die Nerven sind schon eine Konsensband bei denjenigen, die sich Gedanken über Musik und Politik machen. Keiner findet die scheiße, weil das eine geile Band ist, die geile Musik macht und eine geile Außenwirkung hat. Wir sind eher unbedarft an alles herangegangen. Wir haben Bilder von uns in Unterhemden und mit Zigaretten und Bier gemacht. Wir haben nicht geahnt, dass das prollig rüberkommt und eine Pseudo-Deutschrockwirkung erzeugt. Wir waren in der Selbstdarstellung nicht wirklich gut. Was ich eigentlich sympathisch finde, aber wir mussten das erst lernen.

Ihr wart für das Goethe-Institut in Frankreich unterwegs.

Matze: Das hat sich als recht systemnahe Veranstaltung entpuppt. Wir haben in Schulen, die Deutsch als Hauptfremdsprache unterrichten, gespielt. Morgens um 9, 10 oder 11 Uhr im Klassenzimmer. Warum die ausgerechnet auf uns gekommen sind, konnte mir keiner genau beantworten und ich weiß es immer noch nicht genau. Manche hätten bestimmt lieber eine leisere Band gehabt. Bestimmte Lieder, die von Sex, Gewalt und Drogen handeln, sollten wir dann auch nicht spielen (lacht). Das sollten die 13- bis 18-Jährigen nicht hören. Aber sie wollten die Songs der ersten EP hören. Schon etwas ambivalent, man hätte ja von vornherein eine andere Band bitten können. Für uns war es aber eine intensive Zeit. Als Gruppe zu reisen, schweißt zusammen.

Trotzdem seid ihr jetzt nur noch zu dritt.

Matze: Nachdem unser Gründungsmitglied Lukas uns verlassen hat, wollten wir uns als Band auch wieder finden. Wir hatten das Gefühl, gerne mal was zu dritt zu machen und nicht direkt eine neue Person dabei zu haben. Herauszufinden, was ist das Destillat von Heisskalt. Deshalb haben wir das Album auch zu dritt aufgenommen. Und daraus hat sich ergeben, dass wir jetzt auch - ohne unsere Live-Bassisten Daniel - zu dritt live spielen. Das hat eine ganz andere Energie, macht aber total Bock.

Tour

Heisskalt spielen am Donnerstag, den 29. November in der Sputnikhalle. Tickets gibt es hier .

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Das ist aber ein Unterschied, ob man mit zwei Gitarren auf der Bühne steht oder nur mit einer.

Matze: Wenn Daniel wieder als Bassist einsteigen würde, dann könnte ich aufhören, Gitarre zu spielen und nur noch singen. Ich spiele total gerne Gitarre, aber zwei Sachen gleichzeitig zu machen, ist nicht unbedingt so mein Ding.

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Bleibt die Frage nach eurem Bandnamen.

Matze: Der Name war genauso da, wie unsere ersten Bandfotos (lacht). Ich mag den Widerspruch, der auch gut zu unserer Musik passt. Wenn man danach googelt, findet man auch den Schmerz, den man empfindet, wenn man etwas Heißes oder etwas Kaltes an die Zähne bekommt. Ich muss gestehen, ich finde diesen einnehmenden Schmerz manchmal geil. Der klärt in punktuellen Moment so richtig das Gehirn. Andererseits klingt der Bandname ein bisschen nach blöder Deutschrockband, mit denen wir dann in einem Atemzug genannt werden. Es gibt halt viele Bands, krasse Sachen suggerieren und wenn man sie sich anhört, denkt man, Leute, lernt erstmal spielen (lacht). Zudem habe ich gerade so ein Problem mit Paaren und Dualität, deshalb entspricht der Name gerade nicht meiner Denkweise. Wir werden aber auch total oft darauf angesprochen. Deshalb ist es für mich eine schöne Art und Weise, mich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.

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