„Klang und Stille“ in der Gartenakademie
Luftsäulen-Spiele über den Köpfen

Münster -

Links ein Grummeln. Rechts ein sich näherndes Wummern, dumpfes Zischen. Immer wieder schwillt ein Brausen langsam auf und ab. Als Hilmar Hajek und Jörg Elmar Kerll zwei Gongs ein Gespräch abhalten lassen, klingt es, als brächen sich zwei ehemals schlummernde, archaische Mächte ihren Weg durch die Krume des Gartens an die Oberfläche.

Montag, 30.07.2018, 17:16 Uhr
Tibetische Hörner werden über den Zuschauern geschwenkt.
Tibetische Hörner werden über den Zuschauern geschwenkt. Foto: Wolfgang A. Müller

Gastgeber Wilm Weppelmann wurde etwas mulmig, als die beiden Musiker nach und nach ihre Instrumente entluden. Wo sollte das nur alles hin? In der Tat: Hajek und Kerll (beide mit einem Faible für bisweilen Exotisches mit besonderen Klangeigenschaften) hielten für ihr Konzert in der Freien Gartenakademie Material für ein ganzes Weltmusikorchester parat. Doch jedem kleinen und großen Gegenstand, ob diversen Trommeln, Muschelhörnern, Klangschalen aus Metall und Bergkristall, verhalfen die Osnabrücker Musiker zu einem prominenten Auftritt in leiser, oft geradezu meditativer Stimmung.

Die ineinanderfließenden Sektionen ihres Konzerts zelebrierten auch ungewöhnliche, gleichsam interkulturelle Kombinationen: Dem Monochord, einem langen, saitenbespannten Kasten, entlockte Kerll einen Halteton, ähnlich einer Sitar. Dazu blies er noch ein neben ihm lehnendes Didgeridoo, das traditionelle Instrument der australischen Ureinwohner. Über diese sonore, obertonreiche Grundierung spielte Hajek eine zarte Melodie auf einem Appalachian Dulcimer; dann wechselte er auf die Shakuhachi, eine japanische Flöte, deren charakteristischer Klang spätestens mit Peter Gabriels „Sledgehammer“ weltweit bekannt wurde.

In der Regel spielen Hajek und Kerll in Kirchen, wo sie vor allem deren Nachhall nutzen. Im Kleingarten nun verschafften sie den Hörern nicht nur durch geschickte, extreme Platzierungen der Instrumente ein weites, dynamisches und räumliches Klangerlebnis. Mit langen Tibethörnern schwenkten sie Luftsäulen über die Köpfe des Publikums, liefen mit zwei unterschiedlich harmonisch gestimmten Klangspielen auf und ab. Und ließen sich dann stumm nieder. Erst nach einigen unabgesprochen, aber einvernehmlich stillen Minuten beschloss das Publikum das Konzert mit begeistertem Applaus.

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