Auftakt der „Funny Side Of Franz“ im „nebenan“
Die Wichtigkeit des Piepsens

Münster -

Franz Kafka habe auch lustige Seiten, konstatiert Carsten Bender mit einem Schmunzeln. Genau diese will der münstersche Schauspieler mit seinem Label „Gloster! Theaterproduktionen“ nun in seiner neuen Reihe „The Funny Side of Franz“ im „Neben*an“ in lockerer Folge vorstellen.

Montag, 30.07.2018, 17:16 Uhr
Lasen Kafkas lustigen Seiten (v.l.): Jiayu Ni, Günter Rohkämper-Hegel, Barbara Kemmler und Carsten Bender
Lasen Kafkas lustigen Seiten (v.l.): Jiayu Ni, Günter Rohkämper-Hegel, Barbara Kemmler und Carsten Bender Foto: Heike Eickhoff

Zum Auftakt las Bender, im Quartett mit Jiayu Ni, Barbara Kemmler und Günter Rohkämper-Hegel, Kafkas letzte Erzählung „Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse“ im voll besetzten, sommerlich aufgeheizten Raum neben dem Programmkino Cinema.

Die vordergründige Handlung der Erzählung: Die singende Maus Josefine piepst eigentlich genauso niedlich wie alle anderen Mäuse; das Tierchen hat sich jedoch ein paar Star-Allüren zugelegt. Die singende Diva möchte etwa wegen ihrer Kunst von der Arbeit befreit werden, da sie dem Mäusevolk mit ihrem Gesang ja sogar Schutz und Identität biete. So sieht es Josefine.

Jiayu Ni begann die Lesung des Textes. Doch schon nach Kurzem übernahmen nacheinander die drei anderen Lesenden die Rezitation. Durch die sehr häufigen Wechsel der Vortragenden mit den zwei sehr unterschiedlichen Frauen- und zwei ebenso unterschiedlicher Männer-Stimmen ergab sich ein spannender Kontrast. Am Ende der Erzählung erfolgten die Wechsel der Sprecher gar wortweise, jedoch ohne jede Panne oder Pause. So wirkte jedes Wort nun besonders akzentuiert und wichtig. Durch diese Aufteilung des Sprecher-Quartetts wirkte das Volk der Mäuse ebenfalls vielfältiger, größer und bunter, als es ein einzelner Sprecher hätte realisieren können.

„Gloster! Theaterproduktionen“ ließ den Text wirken, der als Arbeitsausdruck auf weißem Papier vorlag und nicht aus dem bereitliegenden Taschenbuch gelesen wurde. Sehr deutlich gesprochen und niemals irgendwelche stimmlichen Effekte einsetzend, kam Kafkas letztes Werk ruhig und textverständlich daher.  

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