Abschluss der Kindertheaterreihe „Roter Hund“ des Kulturamtes
Noch mehr Publikum als voriges Jahr

Münster -

Unbarmherzig reißt der Wecker die Frau aus dem Schlaf und in ihr Morgenritual hinein. Zu diesem gehört neben Gymnastik und Frühstück auch Zielwerfen mit den Zuckerstücken. Aber statt in der Teetasse landen sie mitten im Publikum – sehr zur Freude der Kinder, die sich auf der Wiese am Alten Zoo zur Kindertheater-Reihe „Roter Hund“ versammelt haben.

Montag, 30.07.2018, 17:16 Uhr aktualisiert: 31.07.2018, 10:48 Uhr
Géraldine Carpentier-Doré aus Belgien band die ganze Familie in ihr maritimes Abenteuer ein.
Géraldine Carpentier-Doré aus Belgien band die ganze Familie in ihr maritimes Abenteuer ein. Foto: Helmut Jasny

Mit „Maritime“ präsentiert die belgische Truppe Les Petites Délices spritziges Objekttheater, das fast ganz ohne Worte auskommt. Dafür entwickelt Géraldine Carpentier-Doré in der Rolle der Frau eine ausgeprägte Körpersprache und überzeugt mit originellen Ideen. Als ein Fisch in ihrer Teekanne strandet, bläst sie in den Ausgießer, damit er den nötigen Wellengang hat. Später wird er dann in einen VW Käfer verfrachtet und in seine Heimat nach Tahiti zurückgebracht.

Mühsam käfert sich das Auto durch die Berge des Himalaja, und als das Benzin ausgeht, findet sich schnell jemand aus dem Publikum, der beim Anschieben hilft. Ein kräftiger Vater übernimmt die Aufgabe, während ihn die Schauspielerin mit dem Akkordeon anfeuert. Als er nach dieser Aktion auf seinen Platz zurückkehrt, erntet er stolze Blick von Frau und Kindern. Für ihn hat sich der Theaterbesuch schon mal gelohnt . . .

Aber die kleinen Zuschauer kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Immer wieder bezieht Carpentier-Doré sie in das Spiel mit ein. Dann dürfen sie den Fisch mit Wasser besprühen, damit er die lange Fahrt übersteht. Oder den Vater! Damit er beim Schieben nicht ins Schwitzen kommt. Viel Liebe zu Detail verraten die Requisiten. Ein umgedrehter Regenschirm wird zum Meer, ein Häufchen Sand zum tahitianischen Strand mit winzigen Liegestühlen und noch winzigeren Touristen. Als ein havarierter Gefahrguttransporter einen Super-GAU auszulösen droht, ist auch dieser größte anzunehmende Unfall kein Problem. Die Katastrophe wird einfach in einen Koffer gepackt und der Deckel geschlossen.

Mit „Maritime“ ging die „Roter Hund“-Reihe am Sonntag zu Ende. Der künstlerische Leiter Bart Hogenboom zeigte sich zufrieden: „Wir hatten Glück mit dem Wetter und mit bis zu 300 Besuchern pro Vorstellung noch mehr Publikum als voriges Jahr“, erklärte er. Sabine Müller vom veranstaltenden Kulturamt freute sich vor allem über das Feedback bei den kleinen Zuschauern während der Aufführung und anschließend hinter der Bühne.

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