Ringen um Dahlweg 105
Maschinenbau Schlatter zieht um: Neues Wohnquartier auf altem Industriegelände?

Münster -

2020 zieht das Maschinenbauunternehmen Schlatter vom Dahlweg zum Hessenweg in Gelmer. Aber was kommt dann? Darüber wird diskutiert.

Dienstag, 31.07.2018, 09:00 Uhr
Die Maschinenbaufirma Schlatter am Dahlweg zieht 2020 an den Hessenweg. Ob das Grundstück anschließend in ein reines Wohngebiet umgewandelt wird oder Wohnen und Kleingewerbe gemischt wird, darüber wird aktuell noch diskutiert.
Die Maschinenbaufirma Schlatter am Dahlweg zieht 2020 an den Hessenweg. Ob das Grundstück anschließend in ein reines Wohngebiet umgewandelt wird oder Wohnen und Kleingewerbe gemischt wird, darüber wird aktuell noch diskutiert. Foto: Matthias Ahlke

Das Datum steht fest: Am 30. Juni 2020 endet der Mietvertrag der Maschinenbaufirma Schlatter (ehemals Jäger) zur Nutzung des 18 700 Quadratmeter großen Firmengrundstücks am Dahlweg 105. Dann zieht das Unternehmen um in einen Neubau im Gewerbegebiet Hessenweg, bestätigt Thomas Roßat von der Unternehmensleitung. Alles laufe nach Plan, „es gibt nichts Neues“.

Neu ist indes, dass es zwischen der Stadt Münster und dem Unternehmen CM-Immobilien-Entwicklung eine Meinungsverschiedenheit zu der Frage gibt, wie es am Dahlweg 105 weitergeht, wenn die Firma Schlatter erst umgezogen ist.

Neuer Bebauungsplan

Zusammen mit Grund­stücks­eigentümern drängt Michael Lüke, Geschäftsführer bei CM-Immobilien, auf einen neuen Bebauungsplan mit dem Ziel, eine Wohnnutzung an diesem Standort zuzulassen. Im Gespräch mit unserer Zeitung hält er einen Gebäudekomplex mit 300 Wohneinheiten und einer Kita an dieser Stelle für machbar.

Stadtbaurat Robin Denstorff möchte dem Bebauungsplan derweil einen Masterplan vorwegschicken, um eine „geordnete städtebauliche Entwicklung“ im Quartier zu erreichen. So sei die Frage zu klären, erklärt Denstorff, ob sich mit dem geplanten Wohnquartier auch Veränderungen für die benachbarten Gewerbebetriebe ergeben oder welche Funktion künftig dem angrenzenden Alfred-Krupp-Weg zukommen soll.

Idee einer „kleingewerblichen Nutzung“

Ganz abgesehen davon will Denstorff auch geklärt wissen, ob es sinnvoll sei, Teile des Firmengeländes, genauer gesagt die alte Industriehalle, zu erhalten und der Kreativwirtschaft anzubieten. Die Idee einer „kleingewerblichen Nutzung“, gepaart mit neuen Wohnungen, findet ausdrücklich die Unterstützung des münsterischen Wirtschaftsförderers Dr. Thomas Robbers. Er sieht es ohnehin nicht gern, wenn Gewerbeflächen in Wohnquartiere umgewandelt werden und fordert Ersatz – „wenn nicht am Dahlweg, dann an anderen Stellen, etwa in den Stadtteilen“.

Web- und Schweiß-Maschinen gehen in alle Welt

Die Schlatter Deutschland GmbH mit Sitz in Münster ist vielen Münsteranern besser bekannt als Maschinenbau Jäger. Seit 2009 gehört Jäger, gegründet 1867 und seit 1952 in Münster ansässig, zu der Schlatter-Gruppe, die ihren Stammsitz in der Schweiz hat. Das Industrieunternehmen hat sich spezialisiert auf die Herstellung von Schweiß- und Webmaschinen sowie von Maschinen zur Papierherstellung. Es exportiert in viele Länder.

Das Areal rund um das Firmengelände hat in den vergangenen Jahren eine dramatischen Wandel erlebt, weil die Telekom viele hier angesiedelte Büronutzungen abgezogen hat. Für das Grundstück neben Schlatter an der Roddestraße laufen derzeit Planungen zum Bau eines neuen Wohnquartiers.

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Mit dem anstehenden Masterplan verzögert sich natürlich der erforderliche Bebauungsplan, mit einer Fertigstellung der Baumaßnahme ist laut Lüke unter diesen Umständen frühestens im Jahr 2025 zu rechnen. Im Kampf gegen die Wohnungsnot werde wertvolle Zeit vertan.

Denstorff kennt den Druck, unter dem das Projekt steht, aber er möchte sich dem nicht beugen. Es gehe darum, ein „spannendes Stück Stadt“ zu gestalten. Die dafür erforderliche Zeit wolle sich die Stadt nehmen.

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